Fall Johanna Fast 20 Jahre nach der Tat beginnt der Mordprozess

Bobenhausen, Ende November 2017: Experten der Polizei rekonstruieren auf einem Feldweg mit Hilfe eines VW Jetta die Entführung von Johanna Bohnacker.

(Foto: dpa)
  • 1999 wurde die damals achtjährige Johanna Bohnacker in der Nähe der mittelhessischen Stadt Alsfeld tot aufgefunden.
  • Am Freitag beginnt der Prozess gegen den 42-jährigen Rick J. Er soll das Mädchen entführt, sexuell missbraucht und getötet haben.
  • Ein anderer Fall und neue Kriminaltechnik brachten die Ermittler nach 17 Jahren auf seine Spur.
Von Susanne Höll

Als die Spaziergänger im hessischen Nidda im August 2016 an einem Maisfeld vorbeischlendern, bietet sich ihnen ein schockierendes Bild. Ein erwachsener Mann trieb mit einem sehr jungen Mädchen, gerade einmal 14 Jahre alt, offenbar sexuell motivierte Fesselspiele. Die Polizei wurde alarmiert. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, dass der Vorfall der Schlüssel zur Lösung des ebenso tragischen wie rätselhaften Todes der seinerzeit acht Jahre alten Johanna Bohnacker im Jahr 1999 sein könnte - ein Fall, der Hessen jahrelang bewegte und die Behörden nicht ruhen ließ.

Der Mann aus dem Maisfeld, der heute 42 Jahre alte Rick J., ist nun angeklagt, das Kind entführt, sexuell missbraucht und ermordet zu haben. An diesem Freitag beginnt der Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Gießen.

Fahndungserfolg durch neue Kriminaltechnik

Der Verdächtige hat bereits gestanden, Johanna Bohnacker verschleppt zu haben, bestreitet nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber, das Mädchen vorsätzlich getötet zu haben. Er spricht demnach von einem Unglück, einem verhängnisvollen Unfall. Vor Gericht wird es in den kommenden Wochen also hauptsächlich um jene Stunden gehen, in der das Kind seit dem 2. September 1999 in den Händen des Angeklagten war.

Es werden sehr schwere Tage werden für Johannas Mutter, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt. Der Vater des Mädchens lebt nicht mehr. Er starb vor zwei Jahren, erfuhr nicht mehr, dass Rick J. fast 17 Jahre nach dem Verschwinden seiner Tochter gefasst worden war.

Es waren der Spürgeist der Fahnder und die Fortschritte in der Kriminaltechnik, die die Ermittler nach dem Fesselspiel im Maisfeld auf die Fährte zum Fall Johanna Bohnacker brachten. Das Kind war mehr als ein halbes Jahr nach seinem Verschwinden in der Nähe der mittelhessischen Stadt Alsfeld tot in einem Waldstück gefunden worden, erstickt, gefesselt mit Klebeband.

Auf dem Rechner des Angeklagten wurde Kinderpornografie gefunden

An dem Band wurde ein Teil eines Handabdrucks entdeckt. In Massentests nahm die Polizei mehr als 1000 Männern Fingerabdrücke ab, darunter auch Fahrern von VW Jettas. Einen solchen Wagen wollten Zeugen zur Tatzeit beobachtet haben. Auch Rick J. fuhr ein solches Modell, auch er gab Fingerspuren ab. Doch weil die gesicherte Spur nur ein Teilstück war und die Kuppen seinerzeit mechanisch und nicht digital registriert wurden, wurde keine Übereinstimmung festgestellt.

2017 war die Lage anders. Rick J. wurde beschattet, eine Sonderkommission ins Leben gerufen, man durchsuchte schließlich seine Wohnung. Und stieß auf Klebeband, mit dem Johanna und später auch das Mädchen im Maisfeld gefesselt worden waren. An dem Band hafteten Fasern, die man auch am Fundort des toten Mädchens entdeckt hatte. Die moderne Technik erlaubte auch einen Vergleich der Fingerabdrücke. Sie stammen von dem Angeklagten. In seiner Wohnung fand die Polizei zudem Kinderpornografie. Auch deshalb muss er sich nun vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft gibt sich überzeugt, Rick J. einen Mord nachweisen und seine Version eines Unglücks widerlegen zu können. Der Angeklagte ist nach Ankündigungen seiner Anwälte zur Aussage bereit. Er will demnach erklären, dass er Johannas Tod nicht willentlich herbeiführte. Juristisch könnte das dann Körperverletzung mit Todesfolge sein. Und die wird, anders als Mord, nicht mit der Höchststrafe lebenslang geahndet. Vor den Gießener Richtern werden Experten ihre Meinung zum Geschehen der letzten Stunden des Kindes abgeben. Alles womöglich in Anwesenheit der Mutter.

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