Guter Schlaf dank Alkohol? Warum ist Abhängigkeit keine Charakterfrage? Zehn Vorurteile über das Trinken - und was an ihnen stimmt.
Wer regelmäßig trinkt, ist noch lange kein Alkoholiker
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Jeder Mensch hat andere Trinkgewohnheiten und verträgt unterschiedlich viel. Der Begriff "Alkoholismus" gilt daher als unscharf, weshalb die medizinische Diagnostik von Alkoholabhängigkeit spricht. Diese ist nicht allein bedingt durch die Trinkmenge, sie besteht, wenn mindestens drei der sechs Kriterien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen ICD-10 erfüllt sind:
1. Der Abhängige hat einen Konsumzwang. 2. Seine Kontrollfähigkeit ist vermindert. 3. Bei Reduzierung der Dosis gibt es Entzugserscheinungen. 4. Die Dosis muss stetig gesteigert werden, um Wirkung zu erzielen (Toleranz). 5. Der Abhängige vernachlässigt anderes zugunsten seiner Sucht. 6. Er hört nicht auf, obwohl ihm die schädlichen Folgen bewusst sind.
Ein Glas Rotwein am Tag ist gesund.
Was wird ihm nicht alles zugeschrieben: Die in den Weintrauben enthaltenen Antioxidantien sollen vor Herzinfarkt schützen, Tumorbildung verhindern, das Altern bremsen. Doch letztlich fußt die Geschichte vom "gesunden Rotwein" auf kaum mehr als einem Verdacht: Die Menschen im Mittelmeerraum trinken viel Rotwein, und sie leben länger. Das könnte aber auch am Olivenöl liegen.
Richtig ist: Eine geringe Menge Alkohol am Tag - egal ob Wein, Bier oder Schnaps - scheint das Risiko für Herzinfarkt und Gefäßerkrankungen tatsächlich zu senken. Ernährungsmediziner empfehlen Männern, täglich höchstens 26 Gramm Alkohol zu konsumieren. Bei Frauen liegt die Obergrenze bei 13 Gramm. "Das entspricht - so die Faustregel - etwa einem Drink für die Frau, und knapp zweien für den Mann", sagt der Kieler Ernährungsmediziner Manfred Müller.
Bier auf Wein, das lass' sein!
Ob Wein nach dem Bier oder Bier nach dem Wein: Für die Verträglichkeit spielt die Reihenfolge der Getränkesorten keine Rolle. Entscheidend ist allein die Menge. Der Sinnspruch ist wohl historisch bedingt, wie der Mannheimer Medizinprofessor Falk Kiefer vermutet: Vom edlen Wein auf das frühere Armeleutegetränk Bier überzugehen, versinnbildliche den sozialen Abstieg.
Mit Alkohol schläft man gut.
Definitiv nein. Je mehr Alkohol man trinkt, desto schneller schläft man zwar ein. "Aber was danach folgt, ist alles andere als ein erholsamer Schlaf", erklärt der Regensburger Schlafforscher Jürgen Zulley. Denn der Abbau des Alkohols ist für den Körper absolute Schwerstarbeit. Wer vor dem Einschlafen trinkt, wacht in der Nacht häufiger auf.
Sowohl der Tiefschlaf als auch die REM- oder Traumphase in den frühen Morgenstunden werden verkürzt. "Der gesamte Schlaf ist gestört", sagt Zulley. Außerdem wirkt Alkohol muskelentspannend - und führt so dazu, dass man nach dem Einschlafen schneller schnarcht.
Alkohol ist konzentrationsfördernd.
Alkohol stärkt vor allem eines: die Risikofreude. Bei einem leichten Rausch (0,3 bis 1,5 Promille) steht die euphorisierende und antriebsfördernde Wirkung bei vielen Trinkern noch im Vordergrund. Und mit dem Wohlbefinden steigen Selbstbewusstsein und subjektive Selbsteinschätzung (erhöhter Rededrang!), während objektiv allerdings die Leistungsfähigkeit sinkt. Schon geringe Mengen Alkohol vermindern die psychomotorische Kontrolle, Konzentrationsfähigkeit, Besonnenheit und - das Urteilsvermögen.
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FKK-Slackliner Alexander Schulz
Der Mensch braucht nur ehrlich zu sich selbst zu sein, dann braucht er solche "Aufklärungsartikelchen" nicht. Er weiß dann selbst am besten, was gut für seinen Körper ist und was nicht.
Hier eine sehr schöne TV-Dokumentation zum Thema:
Alkohol und Tabak - Der Griff zum legalen Gift
http://video.google.de/videoplay?docid=-268181394203512680
Die anderen 4 Teile der Serie "Gehirn unter Drogen" sind auch sehr empfehlenswert!
"Den Experten zufolge spricht einiges dafür, dass neben den CRHR1-Varianten noch viele weitere Gene zusammen mit äußeren Faktoren das Trinkverhalten beeinflussen. Alkoholsucht wird zu 50 bis 60 Prozent vererbt, so Schumann."
Quelle:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/613/74539/
Und Sie haben auch vollkommen Recht damit, dass keiner dem Alkoholiker die Flasche an den Hals gesetzt hat. Das hat er alleine getan. Aber eben von einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr, weil er es wollte, sondern weil er es nicht mehr anders konnte. Und das hat noch weniger mit dem oft zitierten Händezittern zu tun. Das körperliche ist nach einigen Tagen vorbei. Ich kenne Leute, die jahrelang trocken und zufrieden waren und dann durch den Geruch oder auch nur durch eine bestimmte Situation auf einmal einen unbändigen Drang zu trinken verspürten. Das ist unvorstellbar für die meisten - sie können froh darüber sein. Und jeder (trockene!) Alkoholiker wird Ihnen sagen, dass er solche Situationen kennt und nur mit dem Willen alleine da nicht weiter kam. Da braucht er Hilfe, sei es durch Selbsthilfegruppen oder gute Freunde. Sorry - ich werde wohl etwas zu ausführlich, aber dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Vielleicht auch, weil ich persönliche betroffen bin und es mir weh tut, mit welcher Ignoranz manche Menschen damit umgehen. Es gibt viele, die überhaupt keine Ahnung haben, auch nicht haben wollen und deren Urteil von vornherein fest steht. Ich muss allerdings sagen, dass Sie, Bikez, offenbar nicht dazu gehören. Das freut mich ganz persönlich. Man muss ja nicht alles verstehen, das geht nicht. Aber ich finde es immer positiv, wenn Menschen bereit sind, sich mit etwas zu beschäftigen und auch mal über die andere Seite nachzudenken.
Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Jedoch ist es so, dass Selbstverantwortung erst dann entstehen kann, wenn über die Gefahren aufgeklärt wird, die ein falsches Verhalten haben kann. Und da ist es eben so, dass diese nicht sehr bekannt sind. Ich habe im letzten Satz geschrieben, dass ich weiß, wovon ich schreibe. Und glauben Sie mir - mein Trinkverhalten in meiner Jugend unterschied sich nicht im Geringsten von dem anderer. Auch später nicht. Als ich merkte, was los war, war es zu spät. Ich denke sogar, dass viele derjenigen, die heute unverantwortlich mit Alk umgehen, später keine Alkoholiker werden, während einige von denen, die sich heute "vernünftig" verhalten, langsam aber sicher in eine Abhängigkeit geraten. Es ist wirklich ein unheimlich kompliziertes Thema, das, wenn man sich damit befasst, viele überraschungen auf Lager hat. Ich verteufele den Alk ganz gewiss nicht und halte Aufklärung für eine unheimlich wichtige Sache. Aber leider wird der Umgang mit dieser Droge von vielen Seiten immer wieder verharmlost. In einem Beitrag hier schreibt jemand: "Kein Weichei würde ohne Suff ......." Hier ist von einem krankhaften Verhalten die Rede. Aber wie oft hört man - ganz ehrlich - die Meinung: "der verträgt doch nix" oder ähnliches. Es ist oft so, gerade bei Jugendlichen: wer nicht trinken will, gehört nicht dazu, stellt sich doch nur an, ist ein Muttersöhnchen und so weiter. Ich bin der Meinung, es sollte normal sein, nichts zu trinken. Davon sind wir weit entfernt. In einem Bundesland, in dem Bier als Grundnahrungsmittel bezeichnet wird, noch ein Stück weiter.
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