Gedenkfeier für Anschläge in Boston Obama tröstet Boston

Barack Obama nach der Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags von Boston

(Foto: dpa)

Knapp 2000 Menschen sind zur Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags von Boston gekommen. Als Barack Obama ans Rednerpult tritt, brandet Beifall auf. Der Präsident erzählt von seiner eigenen Beziehung zu Boston und spricht den Trauernden Mut zu - nicht ohne eine deutliche Drohung an die Täter zu richten.

Ein Protokoll der Gedenkfeier zum Nachlesen. Von Sarah K. Schmidt und Felicitas Kock

Amerika gedenkt der Opfer des Terroranschlags auf den Boston-Marathon. US-Präsident Barack Obama ist gekommen, um den Menschen in Boston Trost zu spenden und versprach, die Tat aufzuklären. Bei dem Trauergottesdienst in der Heiligkreuz-Kathedrale rief er die Amerikaner auf, dem Terror zu trotzen. "Die Bombe kann uns nicht besiegen. Wir machen weiter!"

Neben Obama und seiner Ehefrau Michelle besuchten auch Angehörige der Opfer die Gedenkfeier, die ganz im Zeichen der Solidarität und Hilfsbereitschaft stand. Alle Redner betonten, wie selbstlos die Helfer und Einwohner in Boston nach dem Anschlag die Opfer versorgt haben und die angereisten Gäste in der Stadt mit Decken, Essen und offenen Türen aufgenommen haben.

Bürgermeister Thomas Menino rief die Bürger der Stadt auf, angesichts des Grauens zusammenzustehen. "Wir sind ein Boston", sagte er in seiner Ansprache. Er lobte den Einsatz der Rettungskräfte, die bei der Katastrophe am Montag Tote und Verletzte geborgen hatten. Der griechisch-orthodoxe Metropolit Methodios sagte: "Bomben können verletzen und töten, aber nicht den amerikanischen Geist zerstören."

Präsident Obama sprach als letzter Redner. Bei der Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs in Newtown Ende 2012 hatte sich Obama sichtlich bewegt und sehr betroffen gezeigt. Anders in Boston. Hier hielt der Präsident zwar eine persönliche, aber entschlossene Ansprache. Er stellte die Weltoffenheit und den begeisternden Spirit der Stadt Boston heraus. Das Thema seiner Rede: "Das Rennen, das vor uns liegt, zu Ende laufen."

Der Newsblog der Gedenkfeier zum Nachlesen.

16:00 Uhr

(Foto: AFP)

Schon in den frühen Morgenstunden warteten zahlreiche Menschen vor der Heiligkreuz-Kathedrale. Hier findet die konfessionsübergreifende Andacht zum Gedenken der Anschlagsopfer statt, an der neben zahlreichen Einwohnern Bostons auch Barack Obama und seine Frau Michelle teilnehmen. Es wird erwartet, dass der US-Präsident zu den Trauernden sprechen und vermutlich auch mit Angehörigen der Opfer zusammentreffen wird. Neben den Obamas werden auch Bostons Bürgermeister Tom Menino und der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, teilnehmen.

16:10 Uhr

Die Kirche, in der die Gedenkveranstaltung stattfindet, liegt im Stadtteil South End - nur etwa eine Meile von der Ziellinie des Boston-Marathons entfernt, wo Unbekannte am Montag zwei Bomben explodieren ließen. Etwas mehr als 1700 Sitzplätze stehen in der Kathedrale zur Verfügung.

16:20 Uhr

US-Präsident Barack Obama ist mit First Lady Michelle soeben in Boston gelandet und auf dem Weg zur Kathedrale. In der Stadt herrschen scharfe Sicherheitsvorkehrungen. "Präsident Obama weiß, wie wichtig Boston für die USA und die Welt ist", sagt ein Besucher der Gedenkfeier, der sich schon vor Sonnenaufgang vor der Kathedrale angestellt hat. Der Besuch Obamas helfe, die Wunden der Stadt zu heilen.

17:00 Uhr

(Foto: REUTERS)

Die Trauerfeier beginnt. Nachdem der Chor den Gottesdienst eröffnet hat, spricht Liz Walker, Reverend der presbyterianischen Kirche in Boston, zu den Menschen in der Kirche. Auch Mitt Romney, ehemaliger Gouverneur des Bundesstaats Massachusetts, ist mit seiner Frau anwesend.

17:10 Uhr

Als nächster kommt Thomas Menino. Mühsam richtet sich der Bostoner Bürgermeister aus seinem Rollstuhl auf und ergreift das Wort: "Ich habe diese Menschen nie mehr geliebt, als heute", sagt er mit zitternder Stimme. Er spricht von der Menschlichkeit und der Nächstenliebe, die seine schwer getroffene Stadt nach dem Anschlag erfahren habe. Als Menino auf das jüngste Todesopfer zu sprechen kommt - Martin Richard, der nur acht Jahre alt geworden ist - bricht dem Bürgermeister kurz die Stimme. Er verspricht, für die Schwester und die Mutter des Jungen, die ebenfalls verletzt wurden, zu beten.

17:32 Uhr

Nach dem Lied "Mein Leben fließt wie ein endloses Lied" hält Reverend Nancy S. Taylor eine Andacht. Sie habe in den Stunden nach dem Anschlag viele gute Samariter gesehen, die Verletzte versorgten und ihre Türen öffneten. "Der Hass eines anderen wird aus uns keine anderen Menschen machen, sondern unsere Gnade nur verdoppeln."

17:36 Uhr

Der nächste Redner erinnert an die Menschen, denen der Boston-Marathon in diesem Jahr gewidmet war - den 26 Opfer des Amoklaufs von Newtown. "Trauer ist eines der Gefühle, das es schafft, uns still zu machen", sagt Rabbi Ronne Friedman. Er wünscht sich, dass die Gebete nicht nur die Trauernden von Boston und Newtown erreichen, sondern auch die Opfer des Brandes in der texanischen Kleinstadt West. In der Nacht zu diesem Donnerstag hatte es dort eine Explosion in einer Düngemittelfabrik gegeben. Die Polizei spricht von bis zu 15 Toten.

17:41 Uhr

Nasser S. Wedaddy vom Amerikanischen Islam-Kongress spricht in der konfessionenübergreifenden Andacht für die Muslime. Auch er weist auf die Welle der Hilfsbereitschaft nach dem Anschlag hin und zitiert frei einen Koranvers: "Wer eine Seele tötet, der tötet die ganze Menscheit. Wer eine Seele rettet, rettet die ganze Menschheit." Wedaddy sagt, er sei stolz, die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen zu haben und appelliert an die Einigkeit der Nation.

17:41 Uhr

Der Bostoner Kinderchor singt das Lied "Up to the mountain". Während eine jugendliche Solistin zunächst nur mit Klavierbegleitung die erste Strophe vorträgt, laufen einem Mädchen im Chor Tränen über die Wangen.

17:53 Uhr

(Foto: dpa)

Bischof John M. Borders III von der Baptisten-Kirche in Mattapan liest aus dem Matthäus-Evangelium. Dann lauschen die Teilnehmer der Trauerfeier andächtig der Darbietung des Cellisten Yo-Yo Ma. Michelle Obama hält die Augen geschlossen. Als die Musik verstummt, nickt der Präsident zustimmend.

18:02 Uhr

Dann ergreift Gouverneur Deval Patrick das Wort. Auch in seiner Ansprache überwiegt die Dankbarkeit. Für Polizisten und Feuerwehmänner, Sanitäter und Ärzte und Freiwillige Helfer. Als er Bürgermeister Menino seinen Dank ausspricht, brandet spontan Beifall auf. Menino hatte sich selbst zum Zeitpunkt der Explosionen im Krankenhaus befunden und sich kurze Zeit später selbst aus der Klinik entlassen. Immer wieder beginnen die Menschen in der Kirche zu klatschen. Als der Gouverneur die Kanzel verlässt, brandet Beifall auf.

18:11 Uhr

Barack Obama umarmt seinen Vorredner Deval Patrick. Dann beginnt der Präsident seine Rede mit: "Hallo Boston!" Der Präsident skizziert, wie schön der Tag am Montag in Boston begonnen habe. Wie sich Tausende Menschen in Vorfreude an der Route des Marathons versammelten. "Ein schöner Tag um in Boston zu sein."

Boston, so zitiert Obama den Schriftsteller Don Marquis, sei die perfekte Stadt der Anmut. Boston sei die perfekte Stadt für ein Rennen. Aber aus der Feier sei eine Tragödie geworden. Obama dankten den Einwohnern der Stadt für "ihren Mut, ihre Anmut, ihre Gnade". Er wolle eine einfache Botschaft mitteilen, er sei nur einer von denen, die zutiefst berührt sind, weltweit nähmen die Menschen Anteil.

18:19 Uhr

(Foto: dpa)

Barack Obama betont seine eigene Verbindung zu Boston. "Ihr habt mich als jungen Rechtsstudenten empfangen, und auch meine Frau Michelle." Nur Wenige hätten damals in Harvard seinen Namen richtig aussprechen können, sagt der Präsident und bringt die Menschen in der Kirche für einen kurzen Moment zum Lachen. Boston sei ein Teil seines Herzens und ein Zuhause. Seine Gedanken seien bei den vielen Menschen, die verletzt im Krankenhaus lägen. Bei den Läufern und Zuschauern, deren Beine durch die Bomben verletzt wurden. "Ihr werdet wieder laufen", sagt Obama. Beifall brandet auf.

18:32 Uhr

Bei der Trauerfeier zeigt sich Obama entschlossen und kämpferisch. "Boston, ihr erinnert uns daran: Weitermachen, durchhalten, nicht müde werden, nicht zusammensinken. Selbst wenn unser Herz schmerzt, versuchen wir die Stärke zu finden, von der wir nicht wussten, dass wir sie besitzen", so der Präsident. "Wir laufen das Rennen zuende. Wir tun dies, weil es unsere Natur ist und weil wir wissen, dass hinter der nächsten Ecke ein Fremder uns vielleicht anfeuert. Auf der schwierigsten Meile wird irgendjemand uns anfeuern."

Im nächsten Jahr, so zeigt sich Obama überzeugt werde der Marathon wieder stattfinden. "Massen werden hier wieder stehen, die Weltöffentlichkeit wird ihre Blicke auf die Stadt richten und die Läufer des 118. Boston-Marathon anfeuern. Darauf wette ich." Applaus in der Kathedrale.

"Die heilige Schrift lehre uns, das Rennen zuende zu laufen, das vor uns liegt. Gott möge denen Liebe schenken, die von uns gegangen sind, ihre Familien trösten und über das Land wachen." Mit diesen Worten beendet Obama seine Ansprache. Es folgt ein Schlussgebet.

19:25 Uhr

Im Anschluss an die Gedenkfeier fährt Präsident Obama in eine Klinik, um mit Opfern des Anschlags zu sprechen.