Explosion im Bergwerk Mindestens 166 chinesische Kohlearbeiter vermisst

Blutige Unglücke gehören in Chinas Bergwerken zum Alltag. Die Regierung gibt privaten Kohleminen die Schuld, doch diesmal explodierte ein staatliches Bergwerk.

Von Von Kai Strittmatter

Mindestens 166 Kohlearbeiter wurden am Sonntagabend nach einer erneuten großen Explosion in einem chinesischen Kohlebergwerk noch vermisst. Die Explosion ereignete sich am Sonntagmorgen um 7.20 Uhr in der Grube Chenjiashan in der nordwestchinesischen Provinz Shaanxi.

Eine Angehörige wartet weinend vor dem Eingang zur Mine auf Neuigkeiten von den eingeschlossenen Bergarbeitern.

(Foto: Foto: Reuters)

127 Arbeiter, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks nahe des Grubeneingangs aufgehalten hatten, konnten das Bergwerk rechtzeitig verlassen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. 41 wurden ins Krankenhaus gebracht.

Über die Überlebenschancen der Eingeschlossenen wurde bis zum Sonntagabend nichts bekannt, Xinhua zufolge befinden sie sich in einer Entfernung von 8000 Metern zum Grubeneingang. Chinas Staatsfernsehen CCTV zeigte Bilder von Rettungswagen und Angehörigen vor den Werkstoren. KP-Generalsekretär Hu Jintao forderte die Retter auf, "sämtliche effektiven Maßnahmen" zu ergreifen.

6000 Tote im Jahr

Chinas Kohlebergwerke zählen zu den gefährlichsten der Welt, fast täglich ereignen sich tödliche Unfälle. Im vergangenen Jahr kamen Regierungsangaben zufolge mehr als 6000 Kumpel ums Leben, das in Hongkong herausgegebene regierungskritische "China Labor Bulletin" schätzt die Dunkelziffer weit höher und spricht von bis zu 20000 Todesopfern im Jahr.

Chinas staatliche Behörde für Sicherheit am Arbeitsplatz hat sich des Themas mehrmals angenommen und strengere Sicherheitsmaßnahmen versprochen, doch lassen die Fortschritte immer noch auf sich warten.

Die Regierung hat in der Vergangenheit öfters den vielen kleinen, privaten Kohleminen im Land die Schuld an der Vielzahl von Unglücken gegeben. Doch sowohl die Explosion vom Sonntag als auch das letzte große Unglück vor einem Monat in der Daping-Mine in Henan mit 148 Todesopfern fanden in staatlichen Bergwerken statt.

Erst zwei Tage vor der Explosion hatte die Provinzregierung von Shaanxi strengere Inspektionen angekündigt und die Schließung aller Minen angedroht, die nicht ausreichend belüftet werden.

Viele in der Vergangenheit wegen Sicherheitsmängeln geschlossene Minen nahmen in jüngster Zeit jedoch - meist mit Billigung der lokalen Behörden - die Produktion wieder auf, um dringend verlangten Brennstoff zu fördern für das von einer Energiekrise heimgesuchte Land.