Explizite Videos in Bin Ladens Versteck Pornografie und Propaganda

Einsame Nächte in Abottabad: US-Soldaten sollen bei der Durchsuchung von Bin Ladens Versteck eine "große Menge" Pornos gefunden haben. Oder versucht die US-Regierung, den toten Terrorchef in den Augen seiner Anhänger zu diskreditieren?

Was ist der "Schatz an Informationen", den die Navy Seals laut dem amerikanischen Präsident Barack Obama in Osama Bin Ladens Versteck in Pakistan fand? Bislang wurde der Fund von Anschlagsplänen für einen neuen 11. September vermutet oder die noch immer wichtige Rolle des Übervaters des Terrors in der in der praktischen Vorbereitung von neuen al-Qaida-Terrorakten. Nun sollen US-Soldaten in dem Gebäude auch Pornos gefunden haben - behaupten zumindest Kreise in der amerikanischen Regierung.

Besaß der eitle Terrorchef auch eine Pornosammlung? Osama Bin Laden, hier in seinem pakistanischen Versteck.

(Foto: AP)

Doch so richtig gerne redet auch die Beamten des prüden Amerika nicht darüber: Behördenvertreter wollen im Gespräch mit der New York Times anonym bleiben, Details gibt es fast keine. Im Schlafzimmer des Anwesens in Abottabad, in dem Bin Laden erschossen wurde, habe man "unzüchtige Bilder" entdeckt, die Paare beim Sex zeigen, sagte ein - ebenfalls anonymer - Regierungsmitarbeiter dem Sender CBS. Der Nachrichtenagentur Reuters berichteten Regierungsquellen von "modernen, elektronisch aufgenommenen Videos". Der US-Sender ABC vermeldete, eine "große Menge" pornografischen Materials sei in einer Holzkiste im Schlafzimmer des Al-Qaida-Chefs gefunden worden.

Nachprüfen kann die Behauptung niemand. Veröffentlicht wurden die Pornos nicht. Die US-Regierung achtet seit Bin Ladens Tod penibel darauf, welche Informationen sie an die Öffentlichkeit lässt und welche nicht. Auch Fotos des toten Bin Ladens dürfen nur ausgewählte Senatoren hinter verschlossenen Türen sehen.

Seit US-Soldaten den Terrorchef Anfang Mai erschossen, tobt eine Propagandaschlacht: Während Islamisten Rache schwören (und sie auch Umsetzten mit Anschlägen wie in Pakistan) oder zunächst bestritten, dass Bin Laden überhaupt getötet wurde, versucht die Regierung Barack Obamas, ihn als Terrorchef darzustellen, der bis zu seinem Tod hochgefährlich blieb. So geht laut Pentagon aus dem sichergestellten Material hervor, dass Bin Laden sich von seinen Anhängern Anschläge in den USA gewünscht habe, am Unabhängigkeitstag und am 10. Jahrestag des Terrors vom 11. September.

Die Diskreditierung des Gegners

Gleichzeitig streut die US-Regierung Informationen, die Bin Laden in den Augen seiner Anhänger diskreditieren sollen. Schon die Veröffentlichung von Videoschnipseln aus dem Gebäude im pakistanische Abottabad soll Bin Laden als eitel erscheinen lassen: Auf den Aufnahmen betrachtet sich der Terrorist selbst im Fernsehen. Als er einen Text für eine Videobotschaft übt, verspricht er sich mehrmals und wirkt verwirrt. Die nun gestreuten Informationen über die Pornosammlung des Terrorchefs dürfte demselben Zweck dienen. Diesmal soll er als Heuchler dargestellt werden, der Züchtigkeit predigte und sich dann in seinem Versteck den vermeintlichen Lastern hingab.

Sollten die Pornos tatsächlich existieren, widerläuft sie Bin Ladens nach außen propagierter Ideologie: Der gab sich schließlich auch als Anwalt der Frauen. Zuviel nackte Haut gebe es im Westen zu sehen, schrieb der Terrorchef in seinem "Brief an das amerikanische Volk", in dem er 2002 die angeblichen Vergehen der USA auflistete: "Eure Nation beutet Frauen aus wie Konsumprodukte oder als Werbeträger. Ihr seid eine Nation, die den Handel mit Sex in all seinen Formen betreibt, direkt oder indirekt." Die propagierte Befreiung der Frau sei in Wirklichkeit gar keine - sondern verschleiere nur die Ausbeutung. Diesen Satz könnte auch Alice Schwarzer geschrieben haben. Die angeblichen Funde in Abottabad würden jetzt jedoch Bin Ladens eigene Doppelmoral enthüllen.

Im Sinne der "Reinheit" solle Amerika den "unmoralischen Taten" abschwören, schrieb Bin Laden 2002. Dazu gehöre neben Homosexualität, Glücksspiel und Drogen auch Sex zwischen Unverheirateten.

Bei der Razzia in Pakistan wurden ein Journal mit handschriftlichen Eintragungen, fünf Computer, zehn Festplatten und 110 USB-Sticks sichergestellt. Die Daten werden nun unter Leitung der CIA ausgewertet.

Werden wir je davon erfahren, was wirklich in Abottabad gefunden wurde? Eine Weisheit bleibt jedoch: Die Kritiker der Elche sind meistens selber welche.