Von Birgit Lutz-Temsch

Die dramatischen Meldungen über verzweifelte Hilferufe von drei Polarforschern aus dem arktischen Eis sind falsch: Zwar sitzt das Team fest, doch besteht keine Lebensgefahr.

Die Nachrichtenagentur AFP hatte am Montagmorgen eine Meldung verbreitet, nach der drei britische Abenteurer, zwei Männer und eine Frau, im Eis festsäßen und nur noch Nahrung für einen Tag übrig hätten. Darüber hinaus seien sie verletzt. "Es geht um das blanke Überleben", zitiert die Agentur den Briten Pen Hadow, der die Expedition leitet.

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Der britische Polarforscher Pen Hadow testet im Vorfeld der Expedition einen speziellen Taucheranzug aus. (© Foto: Reuters)

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Die Briten waren am 28. Februar im Rahmen ihrer Mission Catlin Arctic Survey im Eis ausgesetzt worden, am 80. Breitengrad, bei etwa 140 Grad westlicher Länge - also nördlich von Kanada. Nachfragen von sueddeutsche.de beim Unterstützungsteam der Gruppe haben ergeben, dass zu keiner Zeit eine Rettung aus dem Eis geplant war.

"Dem Team geht es so gut, wie es einem jetzt gerade in der Arktis gutgehen kann", sagt Gaby Dean von Catlin Arctic Survey in London. "Die drei sitzen im Zelt und warten auf den Versorgungsflug. Das einzige Problem ist das Wetter, das in den vergangenen Tagen so schlecht war, dass das Flugzeug nicht fliegen konnte." Lediglich einer der drei habe leichte Erfrierungen an einer Zehe, "aber nicht dramatisch", so Dean.

Derzeit ist es in diesen Breiten nur wenige Stunden am Tag hell, es gibt also jeweils nur ein kurzes Zeitfenster. Zudem können sich die Wetterbedingungen während des sechsstündigen Flugs vom kanadischen Resolute zum Standort des Teams jederzeit wieder ändern. Weil die Vorräte des Teams langsam dahinschmolzen, haben die Drei beschlossen, im Zelt auf den Nachschub zu warten. Dadurch sinkt der Kalorienbedarf, der bei Touren wie diesen bei etwa 6000 pro Tag liegt, auf weniger als die Hälfte.

Der Nachteil des Wartens: Durch die südwärts verlaufende Eisdrift hat das Team bereits viel Strecke verloren: Die arktische transpolare Eisdrift bewegt sich in einem Zick-zack-Muster von Sibirien nach Grönland - wer den Nordpol erreichen will, muss ständig gegen diese Strömung ankämpfen, und geht am Ende eine wesentlich weitere Strecke als die Luftlinie von seinem Ausgangspunkt zum Pol. Auf dieser Luftlinie hat das Catlin Arctic Survey Team bislang lediglich 25 Kilometer zurückgelegt - 930 liegen noch vor ihm.

Auch das beunruhigt die Londoner Unterstützungsgruppe aber nicht: "So ist das eben in der Arktis", sagt Dean, "die Dinge laufen nie nach Plan. Man kann in der Arktis keinen Plan machen. Außerdem haben wir ohnehin damit gerechnet, dass die zurückgelegte Distanz zu Beginn nicht riesig sein wird, weil es nur wenige Stunden am Tag hell ist." Dean zeigte sich zuversichtlich, dass die momentane Pause das Erreichen des Pols gegen Ende Mai, bevor das Eis dünner wird, nicht gefährdet.

Bei Catlin Arctic Survey geht es nicht vorrangig darum, den Nordpol zu erreichen - das haben alle drei Teammitglieder bereits in der Vergangenheit geschafft. Vielmehr wollen die drei auf dem etwa 1000 Kilometer langen Weg mehr als 50 verschiedene Arten der Messung vornehmen und Eis- und Wasserproben nehmen.

Das Team will damit einen Beitrag zu der spärlichen Datenlage über den Zustand des arktischen Meereises leisten. Diese Daten sind in der Regel schwer zu bekommen und mit immensen Kosten verbunden, weil die Distanzen im arktischen Ozean groß und die Verhältnisse, wie sich nun wieder gezeigt hat - schwierig sind.

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(sueddeutsche.de/hai)