Ex-FBI-Agent Joe Navarro Emotional gestört, paranoid - oder gar ein menschliches Raubtier?

Auch so ein Psychopath: Kiefer Sutherland in "Ort der Wahrheit", einer filmischen Reminiszenz an "Bonnie und Clyde" mit einem Schuss "Pulp Fiction". Doch echte Psychopathen sind beileibe nicht immer als solche zu erkennen.

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  • Die emotional instabile Persönlichkeit: Menschen, "sprunghaft wie Aprilwetter". Eben noch himmelhochjauchzend, gleich darauf zu Tode betrübt. Sie könnten talentiert, charmant und verführerisch sein - und im Handumdrehen feindselig, impulsiv, irrational. Nicht launisch sei die passende Vokabel für solche Extremtypen, sondern: gefährlich. Denn sie gefährdeten nicht nur sich und ihre Beziehungen durch ihren Überschwang. Um sich lebendig zu fühlen, würden sie zum Manipulator und Aggressor. Hintergrund für die Störung seien oft ein instabiles Elternhaus, Drogenerfahrungen oder Missbrauch.
  • Die paranoide Persönlichkeit: Typ einsiedlerischer Nachbar, der im Keller lebt und überall Feinde sieht. Oder der Schüler, der den halben Tag lang im Internet surft und von einer neuen Weltordnung träumt, die er am liebsten selbst herbeiführen will - notfalls mit Gewalt. Paranoide Menschen würden im Gegensatz zu den Narzissten oft für seltsam gehalten, weil sie krude Ansichten pflegten und die Welt in Freund und Feind aufteilten, wobei letzteres überwiege, schreibt Navarro. Ihr inneres Alarmsystem sei überaktiv. Wie der ursprünglich brillante Wissenschaftler, dem niemand zuhören wollte, und der sich in eine miefige Hütte zurückzog, um Briefbomben zu verschicken - der "Unabomber" Ted Kaczynski.
  • Die dissoziale Persönlichkeit: Navarro nennt sie "das Raubtier". Ihm selbst hätten sich einst die Nackenhaare aufgestellt, als er als 17-jähriger Polizist unerwartet einem Einbrecher in seine "reptilienhaft kalten Augen" gesehen habe - vielen Menschen würde es mit diesem Typ Mensch ähnlich ergehen. Körperliches Unwohlsein, Magenschmerzen, starke Ermüdungserscheinungen könnten auftreten, schreibt Navarro, sobald man es mit einem menschlichen "Raubtier" zu tun habe - weil diese ihren Opfern die Energie raubten. Mitunter auch Geld, Unschuld, oder gar das Leben. In der Beschreibung der dissozialen Persönlichkeit ist der Autor besonders vehement: "In keiner Beziehung, in keiner Familie mit einem Raubtier gibt es jemals Sicherheit." Denn dieser Persönlichkeitstyp plane sein Leben gezielt danach, andere auszunehmen: "Für Raubtiere ist das Leben ein Spiel, das sich um die Frage dreht: Womit komme ich noch durch? Und so planen und täuschen sie", schreibt Navarro. "Jeder Serienvergewaltiger, Zuhälter, Kinderschänder, Menschenhändler und Mafioso ist ein Raubtier. Ebenso jeder, der sich gezielt ältere Menschen oder Kinder als Opfer sucht." Und auch viele Karrieristen seien "Raubtiere", denn das Wirtschaftsleben, "gerade in der Hochfinanz", fördere ihr aggressives, manipulatives und kaltschnäuziges Auftreten.

Sobald dem Leser all diese unangenehmen Typen präsentiert worden sind, mischt der Autor sie wieder durcheinander. Denn: Es gebe ja noch die kombinierten Persönlichkeitsstörungen, so Navarro, und die seien besonders übel: "Eine ist schlimm, zwei sind schrecklich, drei sind tödlich."