Evangelische Kirche Landesbischof Bedford-Strohm ist neuer EKD-Ratsvorsitzender

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist neuer EKD-Ratsvorsitzender.

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  • Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat den bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt.
  • Das Kirchenparlament wählte den 54-Jährigen als Nachfolger von Nikolaus Schneider an die Spitze der 23,4 Millionen Protestanten in Deutschland.

Bedford-Strohm folgt Nikolaus Schneider

Heinrich Bedford-Strohm ist neuer Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das Kirchenparlament wählte den Theologie-Professor am Dienstag mit fast 85 Prozent Zustimmung an die Spitze der 23,4 Millionen Protestanten in Deutschland. Vorgänger Nikolaus Schneider hatte sein Amt am Sonntag ein Jahr früher als vorgesehen aufgegeben, um sich um seine erkrankte Frau zu kümmern.

Formal ist der Posten also nur für ein Jahr zu besetzen - die Entscheidung sagt jedoch einiges über die Zukunft des EKD aus. Will das Kirchenparlament den Neuanfang, hieß es vorab, werde es sich wohl für Bedford-Strohm entscheiden. Der ist jetzt 54 Jahre alt, und müsste 2015 ziemlich viel falsch machen, um gleich wieder abgelöst zu werden. Die "Sehnsucht nach Leitung", wie es die Frankfurter Allgemeine formulierte, war offenbar größer als die Empfindlichkeit der Synode.

Wer Bedford-Strohm ist

Auf Bedford-Strohm, der zuvor vom Rat vorgeschlagen worden war, entfielen in der EKD-Synode am Dienstag 106 von 125 Stimmen. Er ist seit 2011 evangelischer Landesbischof in Bayern und damit schon jetzt Repräsentant von etwa 2,6 Millionen bayerischen Protestanten. Dem Rat der EKD gehört er seit einem Jahr an.

Bedford-Strohm steht für einen liberalen, weltoffenen, kommunikativen und ökumenischen Kurs. Seine Qualitäten als Seelsorger sind in München hochgeschätzt. Als Sozialethiker mischte er sich in Bayern öfter auch mal in politische Debatten ein. Und auch wenn es ums Profil des Protestantismus ging, führten längst viele Wege zu ihm.

Als es in der evangelischen Kirche eine kontroverse Debatte über die Lieferung von Waffen an die Kurden gab, flog der Bischof in den Irak, erbat bei Muslimen Toleranz für Christen und ließ seine Landeskirche eine halbe Million Euro für ein Hilfsprogramm im Irak überweisen. Auch in der Asyldebatte für Flüchtlinge machte er sich stark. Öffentlich reden, auftreten, Positionen eloquent vertreten - das kann er wie sonst keiner in der EKD. Und: Er ist der erste Ratsvorsitzende, der selber twittert. Schon seit Jahren postet er seine Fotos, Termine und Gedanken zudem auf Facebook.

Was auf den EKD-Ratsvorsitzenden zukommt

In seinem neuen Spitzenamt, das er zusätzlich zu seiner Funktion als Landesbischof ausüben will, wird Bedford-Strohm Sprachrohr und oberster Repräsentant der evangelischen Kirche sein. Zwar kann der EKD-Chef nicht bis in die 20 eigenständigen Landeskirchen durchregieren - er ist aber wichtiger Kurs- und Impulsgeber.

Wichtig vor dem 500. Reformationsjubiläum 2017 ist auch der Dialog mit den Katholiken. Bedford-Strohm hat einen guten Draht zum Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der seinen Amtssitz ebenfalls in München hat.

Angesichts schrumpfender Mitgliederzahlen wird Bedford-Strohm aber auch innerkirchliche Reformen vorantreiben müssen. Zugleich sucht die Kirche in einer zunehmend glaubensfremden Gesellschaft nach neuen Möglichkeiten, die Menschen zu erreichen. Anderseits werden klare Positionen der Kirche in Fragen wie der Sterbehilfe, der Flüchtlingspolitik oder dem Umgang mit dem Islam verlangt.

"Wir wollen öffentliche Kirche sein. Wir wollen uns in den öffentlichen Diskurs einmischen", sagte Bedford-Strohm nach seiner Wahl. Man wolle sich nicht aufspielen "als die besseren politischen Kommentatoren, sondern aus einer klaren geistigen Motivation heraus zu den Fragen unserer Zeit reden". Bei den großen ethischen Debatten stehe die Kirche in der Pflicht zur Mitgestaltung.