Das extreme Sommerwetter zeigt immer drastischere Folgen
(SZ vom 22.7.2003) Athen/Rom/Paris/Madrid (dpa/AP/AFP) - Stürme und Hitze haben in Europa mindestens vier Menschen das Leben gekostet. Drei Urlauber aus Deutschland ertranken am Sonntag in bis zu vier Meter hohen Wellen vor der Küste der griechischen Touristeninsel Kreta. Eine 28-jährige Spanierin kam wegen Wassermangels bei einem Ausflug in der Hitze auf Mallorca ums Leben. In Frankreich und Spanien flackerten immer wieder Waldbrände auf.
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Schwere Gewitterregen lösten im norditalienischen Trento Überschwemmungen und Erdrutsche aus, mehrere Häuser mussten am Montagmorgen evakuiert werden. Trotz einzelner Gewitter und Regenfälle im Norden finden die Hitzewelle und die schwere Dürre in Italien kein Ende. Der Pegelstand des Po ist so niedrig wie seit 100 Jahren nicht mehr. Mit Wasser aus Alpenseen wollen die Behörden nun norditalienische Flüsse auffüllen und so Stromerzeuger, Industrie und Landwirtschaft versorgen.
In Deutschland drohten vor allem im Süden und in der Mitte am Montag erneut Gewitter. Gewitterstürme mit heftigen Niederschlägen hatten bereits am Sonntagabend Keller voll laufen lassen und den Verkehr behindert. Im Ruhrgebiet und in Niedersachsen rückte die Feuerwehr zu vielen Einsätzen aus. Bei Unfällen wurden während des Gewitters drei Menschen verletzt, zwei bei der Notlandung eines Heißluftballons. Die Dürre setzt auch in Deutschland Bauern, Bahn und Schifffahrt unvermindert unter Druck. Am Wochenende waren Strecken zwischen Hamburg und Lübeck wegen verformter Gleise gesperrt worden.
Der Wasserstand der Elbe bei Dresden sank auf 88 Zentimeter - zwei Meter sind normal, die Schifffahrt liegt brach. Wegen des niedrigen Wasserstands kam auch die Donau-Schifffahrt zwischen Wien und der slowakischen Grenze fast vollständig zum Erliegen. Durch die andauernde Sommerhitze kommen zahlreiche Patienten wegen Kreislaufbeschwerden in die Notaufnahmen der Kliniken.
In Frankreich herrscht - auch nach Eindämmung des gewaltigen Feuers im Südosten - akute Waldbrandgefahr. Auf Korsika kämpften Feuerwehrleute gegen einen sich ausbreitenden Brand nördlich von Ajaccio, der über 2000 Hektar Wald und Gebüsch vernichtete. Auch im Hinterland der Côte d'Azur und in den Pyrenäen nahe der spanischen Grenze flackerten immer wieder Brände auf.
In 40 Départements wurden Wassersparmaßnahmen verordnet. Auch in Spanien reißt die Serie von Waldbränden nicht ab. In Kroatien brannten weiterhin Wälder unweit der zum Weltkulturerbe zählenden Stadt Dubrovnik an der Adriaküste. Die Polizei nahm einen mutmaßlichen Brandstifter fest, der für die schlimmsten Feuer seit mehr als einem Jahrzehnt verantwortlich gemacht wurde.
Von dem ungewöhnlich heißen Wetter profitiert immerhin ein Trend: die Anlage künstlicher Strände in Großstädten. In Berlin, Paris und Düsseldorf hat man die Flussufer dazu genutzt, vorübergehend Urlaubslandschaften zu schaffen. Entlang der Seine, an Abschnitten der Spree in Berlin und am Medienhafen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt wurde tonnenweise Sand aufgeschüttet, Liegestühle, Strandbars und Palmen vermitteln Ferienatmosphäre.
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