Esskultur Französischer Promikoch attackiert britische Croissant-Esser

Ein gerade gebogenes Croissant - ganz was Schlimmes aus französischer Sicht

(Foto: Robert Haas)

Es geht um die Form der Hörnchen - und um Marmelade.

Jean-Christophe Novelli sollte wissen, was schmeckt. Der französische Promikoch rühmt sich damit, mit 19 der Hauskoch des Bankiers Élie de Rothschild geworden zu sein. 1983 zog er nach Großbritannien. Seitdem ist er auch ein Beobachter der britischen Küche - und ihm gefällt nicht alles, was er sieht.

Da ist die Entscheidung der britischen Supermarktkette Tesco, die Form seiner Croissants anzupassen. Verkauft wird seit Freitag nicht mehr die traditionell gekrümmte Form - sondern eine Version, die gerade gestreckt ist. Dann sei es für die Kunden nämlich leichter, Marmelade aufs Croissant zu schmieren. Das hätten sich viele Briten gewünscht.

Die Nachfrage für die sichelförmige Variante sei gesunken, sagte Harry Jones, der für Tesco die Croissants einkauft. "Wir haben mit unseren Kunden gesprochen und fast 75 Prozent haben uns gesagt, dass sie die geraden Croissants bevorzugen."

Eine Entscheidung, die Koch Novelli nicht nachvollziehen kann. Franzosen würden niemals Butter oder Marmelade auf ihr Hörnchen schmieren, kommentiert er die Tesco-Entscheidung. "Ein Croissant ist etwas, dass du in eine Tasse Schokolade oder Kaffee dippst", zitiert der Guardian den Koch. "Ich habe in meinem ganzen Leben niemanden aus Frankreich getroffen, der sein Croissant mit Marmelade isst."

Vielleicht hätte Tesco für seine Kunden das Wörterbuch Oxford Dictionary auslegen müssen, um den Konflikt zu entschärfen. Darin wird erklärt, woher Croissants ihren Namen haben: vom französischen Wort für Sichel.