Erstes Treffen des Kardinalsrats im Vatikan "Der Hof ist die Lepra des Papsttums"

Papst Franziskus fordert in einem Interview eine Neuausrichtung der Kurie in Rom. Die an sich wichtige Instanz konzentriere sich zu sehr auf den Vatikan - und zu wenig auf "die Welt, die uns umgibt". Die Worte kommen zu einem denkwürdigen Zeitpunkt.

An diesem Dienstag kommt zum ersten Mal der von Papst Franziskus eingesetzte Kardinalsrat im Vatikan zusammen. Die acht Kirchenmänner, darunter der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, haben den Auftrag, Reformvorschläge für die katholische Kirche und die römische Kurie auszuarbeiten und sie dem Pontifex zu unterbreiten. Ihr Treffen soll drei Tage dauern, weitere Zusammenkünfte in den kommenden Monaten sind geplant.

Vor Beginn des ersten Treffens hat die Zeitung La Repubblica ein Gespräch des Papstes mit dem italienischen Intellektuellen Eugenio Scalfari veröffentlicht, in dem Franziskus die vatikanischen Strukturen hart angreift. (Eine deutsche Zusammenfassung des Gesprächs finden sie auf der Internetseite des Vatikanradios):

"Die Führer der Kirche waren oft narzisstisch, von Schmeichlern umgeben und von ihren Höflingen zum Üblen angestachelt. Der Hof ist die Lepra des Papsttums (...). An der Kurie gibt es manchmal Höflinge, aber insgesamt ist die Kurie etwas anderes. Sie ist eine Art Intendanz, sie verwaltet die Dienste, die der Heilige Stuhl braucht. Aber sie hat einen Nachteil: Sie ist Vatikan-zentriert."

Gegen diesen Missstand soll der Kardinalsrat nun Vorschläge unterbreiten. Konkret lassen sich die anstehenden Reformen in zwei Teile unterscheiden: Zum einen soll es organisatorische und strukturelle Neuerungen geben, die vor allem die Kurie - die Verwaltungszentrale der Kirche in Rom - betreffen. Schon länger gibt es Kritik an verkrusteten Strukturen und der Größe des administrativen Apparats. Es wird erwartet, dass die Reformen in eine schlankere Kurie und eine stärkere Vernetzung der vatikanischen Regierungsarbeit münden werden.

Münchner Erzbischof Marx im Kardinalsrat

Zum anderen sollen die Inhalte der katholischen Kirche dem Leben wieder näher kommen. Franziskus hatte seine Ansichten zuletzt in einem Interview mit mehreren Jesuiten-Zeitschriften kundgetan: Eine Weltkirche könne nicht wie eine kleine Kapelle nur Grüppchen ausgewählter Personen aufnehmen. "Wir dürfen die Universalkirche nicht auf ein schützendes Nest unserer Mittelmäßigkeit reduzieren", verlangte Franziskus, "diese Kirche, mit der wir denken und fühlen, ist das Haus aller." Die erste Reform müsse sich auf die Einstellung beziehen, die Kirche müsse ein neues Gleichgewicht finden.

Vorsitzender des Kardinalsrats ist Erzbischof Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga aus Honduras. Außerdem mit dabei sind - neben Reinhard Marx - der vatikanische Regierungschef Giuseppe Bertello als einziges Kurienmitglied, der emeritierte Erzbischof von Santiago de Chile, Francisco Javier Errázuriz Ossa, Erzbischof Oswald Gracias aus Mumbai, Erzbischof Laurent Monsengwo Pasinya aus Kinshasa, Erzbischof Sean Patrick O'Malley aus Boston und Erzbischof George Pell aus Sydney.

Der Vatikan hatte bereits im Vorfeld darauf verwiesen, dass die Kardinäle Berater des Papstes seien und selbst keine Entscheidungen fällen könnten. Sie sind zur Diskretion aufgerufen, was die Inhalte ihrer Beratungen angeht.

Reform der Vatikanbank

Zusätzlich zum Kardinalsrat hat Papst Franziskus bereits eine Kommission für wirtschaftliche und Verwaltungsfragen im Vatikan eingesetzt. Diese wird sich auch mit dem vatikanischen Geldinstitut IOR beschäftigen, das in der Vergangenheit wegen seiner Intransparenz und zahlreicher Intrigen in die Kritik geraten war. Unmittelbarer Anlass für den Einsatz der Kommission waren Ermittlungen der italienischen Behörden wegen des Verdachts auf Geldwäsche. An diesem Dienstag hat die IOR nun den ersten Rechenschaftsbericht seit Beginn ihres Bestehens vorgelegt - demnach hat die Bank ihren Gewinn 2012 im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht. Auf 86,6 Millionen Euro.