Interview von Freund der vergewaltigten Inderin "Ich zittere vor Qualen"

Seine Freundin wurde brutal vergewaltigt, er musste es mit ansehen. Nun hat sich der 28-Jährige, der die Gruppenvergewaltigung in Indien miterleben musste, erstmals öffentlich geäußert - und erhebt schwere Vorwürfe gegen Passanten und die Polizei.

Der Freund der nach einer Gruppenvergewaltigung gestorbenen 23-jährigen Inderin hat sich knapp drei Wochen nach der Tat erstmals öffentlich geäußert. "Ich habe zuerst gegen die Männer zu kämpfen versucht und sie später immer wieder angefleht, sie in Ruhe zu lassen", sagte der Mann der Nachrichtenagentur AFP. "Die Grausamkeit, die ich gesehen habe, hätte niemand jemals sehen dürfen", ergänzte der 28-Jährige.

Die Medizinstudentin war am 16. Dezember in Delhi bei der Rückkehr von einem Kinobesuch mit ihrem Freund in einem Bus von sechs Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange traktiert und schließlich aus dem fahrenden Bus geworfen worden. Sie wurde so schwer verletzt, dass sie vor einer Woche starb.

Ihr Freund, der verprügelt und ebenfalls aus dem Fahrzeug geworfen wurde, erlitt einen Beinbruch und weitere Verletzungen. Die Tat löste in Indien Empörung und Entsetzen aus und führte zu einer heftigen Debatte über sexuelle Gewalt.

"Ein Passant hat meiner Freundin nicht einmal seine Jacke gegeben"

Dem Freund zufolge kam niemand zu Hilfe, als beide nach ihrer einstündigen Tortur verletzt auf der Straße lagen. "Ein Passant hat uns gefunden, aber meiner Freundin nicht einmal seine Jacke gegeben, wir haben auf Rettung durch die Polizei gewartet", sagte er.

Auch dieser warf der Mann Versäumnisse vor. Seine Freundin sei in eine Klinik gebracht worden, wo auf ihren mentalen Zustand keine Rücksicht genommen worden sei. "Mich haben sie wie eine Sache behandelt, sie wollten den Fall lösen, noch bevor ich behandelt wurde", sagte der Mann.

Zum Hergang des brutalen Zwischenfalls sagte der 28-Jährige, er habe den Bus zunächst gar nicht besteigen wollen. "Aber meine Freundin war spät dran, und so sind wir eingestiegen, was der schwerste Fehler war - danach lief alles außer Kontrolle", führte er aus.

"Sie hatten uns eine Falle gestellt"

Der Fahrer des Busses habe als erster lüsterne Bemerkungen von sich gegeben, später hätten die anderen fünf Vergewaltiger eingestimmt. Er habe dann verlangt, den Bus anzuhalten, doch die Männer hätten daraufhin die beiden Türen verriegelt, sagte der Freund.

Der indischen Nachrichtenseite Zeenews sagte der 28-Jährige, die Gruppe hätte alles geplant gehabt. "Sie hatten uns eine Falle gestellt - und waren wahrscheinlich schon vorher kriminell. Sie haben mich mit einem Knüppel geschlagen und meine Freundin zu einem Sitz nahe der Fahrerkabine gezerrt", sagte er. Dort hätten die sechs Männer die Freundin "vergewaltigt und auf die schlimmstmöglichen Arten an den intimsten Stellen des Körpers geschlagen".

"Ich kann gar nicht sagen, was ich fühle, wenn ich daran denke", sagte der Freund. "Ich zittere vor Qualen", fügte er hinzu. Gegen fünf Täter war am Donnerstag Mordanklage erhoben worden. Der sechste soll noch minderjährig sein und könnte vor ein Jugendgericht kommen.