Erotischer Weihnachtsmarkt auf St. Pauli Vibratoren aus Holz, allesamt TÜV-geprüft

Wer bei "Santa Pauli" seinen Stand aufbauen darf, wird sorgfältig geprüft. Nicht jeder Aussteller passt, findet Bohnsack. Einem Mann, der Bienenwachskerzen verkauft, hat er lieber abgesagt, das würde nicht funktionieren. Auch die großen Namen der Erotikindustrie haben hier keinen Platz. "Lieber klein, dafür ausgewählt", sagt Bohnsack.

Oh Tannengrau'n

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Er meint Stände wie den von "WaldMichlsHoldi", direkt neben dem Striptease-Zelt. Hier gibt es Vibratoren aus Holz, allesamt TÜV-geprüft, gehobenes Preissegment. Normalerweise bereist Elmar Thüry mit seinem Sortiment große Erotikmessen oder baut seine Stände auf "Christopher Street Days" auf. Vor fünf Jahren kam er zum ersten Mal auf den erotischen Weihnachtsmarkt nach Hamburg. Seitdem kommt er jedes Jahr für vier Wochen wieder.

Über Verkaufszahlen redet Thüry nicht gern, lieber über seine Vibratoren. "Für das Holz verwenden wir keine Weichmacher", lässt er wissen, während er den Dildo von einer Hand in die andere wandern lässt, "welche Frau würde schon Weichmacher wollen?" Zwischen 39 und 109 Euro kosten die Spielzeuge, das beliebteste ist die "Doppelhummel", mit zwei statt einer Kugel am Kopf.

Viele Menschen lassen sich am Stand nur beraten, kaufen dann nachts in Thürys Internetshop ein. Seine Familie kann gut davon leben.

Erotik mit Augenzwinkern

In all den Jahren gab es nur einen kleinen Protest gegen Santa Pauli. Genauer gesagt: Eine Lokalzeitung wollte einen Protest lancieren. Sie hatte bei einem Hamburger Bischof angefragt, der erwartbarerweise die ganze Aktion "eher doof" fand. Das war es dann aber schon wieder. Insbesondere aus Süddeutschland, wo die öffentliche Stimme der Kirchen stärker ist und Bürgerbegehren nur eine Frage der Zeit wären, werden Busreisen gechartert. Anwohner und Touristen mischen sich auf dem Weihnachtsmarkt, ohne dass es eine Gruppe stört.

In diesem Jahr gibt es zwei Neuerungen. Da ist zum einem eine Burlesque-Show aus New York. "Sehr trashig", findet Geschäftsführer Bohnsack, "aber kein Hardcore, das wollen wir den Leuten nicht zumuten." Eine der Tänzerinnen wird ein Leuchtschwert schlucken, eine andere rammt sich zum Schein einen Akkuschrauber in die Nase. Dazu wird sich ausgezogen. Bohnsack hat die Truppe auf Videos gesehen und sofort gebucht.

Die zweite Neuerung: Porno-Karaoke. Im Ü18-Zelt werden abends Porno-Filme gezeigt, sowohl hochwertige als auch richtig schlechte, ohne Ton. Die Zuschauer werden animiert, die Szenen per Mikrofon zu vertonen. Also wird nach Herzenslust gestöhnt. Und viel gelacht. Bohnsack sagt: "Wenn man in der postpubertären Phase hängengeblieben ist, ist das herrlich."

Erotik mit Augenzwinkern - Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt machten es beim "Porno-Bingo" in einer ihrer Fernsehshows nicht anders. Und auch Olivia Jones weiß, was die Besucher von ihr erwarten: "Immer schön unartig bleiben", brummt sie zum Abschied. Damit ist dann wirklich alles gesagt.