Ermittlungen zu prominentem Pädophilen-Ring Scotland Yard glaubt wichtigem Zeugen in Pädophilie-Skandal

  • Scotland Yard geht davon aus, dass es im Großbritannien der Siebziger- und Achtzigerjahre einen Ring prominenter Pädophiler gab, die zahlreiche Kinder missbraucht haben sollen.
  • Nun hat sich ein Zeuge geäußert, der den Männern zigfache Vergewaltigung vorwirft - und Mord an mindestens drei Jungen. Die Ermittler glauben dem Mann.
  • Mehrere Politiker könnten an den Straftaten beteiligt gewesen sein.

Ein Zeuge namens "Nick"

Es gibt keine Beweise, keine Toten, keine Spuren mehr - dennoch glaubt Scotland Yard den Angaben eines Mannes mit dem Decknamen "Nick". Der Mann hat seine Geschichte nicht nur den Ermittlern erzählt, sondern ist auch in mehreren britischen Medien zu Wort gekommen, unter anderem bei der BBC. Was er erzählt, klingt ungeheuerlich.

Die Anschuldigungen: Vergewaltigung, Folter, Mord

Nick berichtet von einem Pädophilenring, der in den Siebziger- und Achtzigerjahren in London und Umgebung aktiv gewesen sein soll. Er selbst sei als Kind und Jugendlicher zwischen 1975 und 1984 von den Männern missbraucht worden. Es habe sich um bekannte Politiker gehandelt, um einen Minister des Thatcher-Kabinetts zum Beispiel und weitere Mitglieder des Establishments.

Dreimal sei er dabei gewesen, als andere Kinder getötet wurden. Ein Junge sei beim Sex von einem Mann erwürgt, ein anderer absichtlich mit dem Auto überfahren worden.

Zusammenhang mit früheren Ermittlungen

Die Polizei in London hat bereits vor zwei Jahren mit den Ermittlungen zu einem prominenten Pädophilen-Ring begonnen. Journalisten hatten dem Labour-Politiker Tom Watson entsprechende Informationen zugetragen, dieser machte die Anschuldigungen öffentlich. Untersucht wurden infolgedessen zweifelhafte Sexpartys im Elm Guest House im Südwesten Londons. Mindestens zwei ehemalige Opfer meldeten sich. Mehrere Männer wurden inhaftiert. Die Ermittlungen weiteten sich in den folgenden Monaten immer weiter aus.

Scotland Yard sucht Zeugen und Opfer

Nun sucht die Polizei weitere Zeugen und Opfer des mutmaßlichen Pädophilenrings. Die Gruppe sei sehr gut organisiert gewesen, Chauffeure hätten die Kinder abgeholt, manchmal direkt von der Schule, und hätten sie in Privatwohnungen gefahren, manchmal auch in Hotels und andere Etablissements, zitiert die BBC den Zeugen Nick. Zentral bei den Ermittlungen ist nun eine Wohnung in einem Appartementhaus namens Dolphin Square im Londoner Stadtteil Pimlico nahe dem Parlament.

Die Leute, die sie gefahren hatten, die nebenan in den Hotels wohnten oder in der Nachbarschaft der Appartments, müssen etwas mitbekommen haben, sagt Nick, der heute in seinen Vierzigern ist.

Nick hat der Polizei bereits die Vornamen einiger anderer Jungen genannt, hat mehrere ehemalige Politiker identifiziert, die damals dabei gewesen sein sollen. Die Ermittler glauben dem Mann, sagt der stellvertretende Polizeipräsident Steve Rodhouse. Erfahrene Beamte aus zwei verschiedenen Einheiten, darunter mehrere Experten für Missbrauchsfälle, hätten mit Nick gesprochen. Alle hätten seine Aussagen als glaubhaft eingestuft. Wenn die Anschuldigungen tatsächlich stimmen, schreibt der Guardian, handle es sich um einen der schlimmsten Skandale in der jüngeren Geschichte Großbritanniens.