Mit rekonstruierten Internet-Fotos ist Interpol einem Mann auf die Spur gekommen, der zahlreiche Kinder vergewaltigt haben soll. Es handelt sich um einen kanadischen Lehrer.

Mit einer Fotoserie im Internet ist Interpol einem weltweit gesuchten Kinderschänder auf die Spur gekommen. Nach Informationen aus drei Kontinenten handelt es sich um einen 32 Jahre alten Kanadier, der in Südkorea Englisch lehrt und derzeit in Thailand vermutet wird, teilte die Polizeiorganisation mit. Interpol rief den Verdächtigen am Montagabend auf, sich zu stellen. "Die Polizei der ganzen Welt jagt ihn", sagte Interpol-Generalsekretär Ronald K. Noble.

Der gesuchte Kinderschänder "Vico" auf einer Überwachungskamera in Bangkok. (© Foto: AFP)

Anzeige

Für die weltweit erste Internetfahndung hatte Interpol Bilder des "Vico" genannten Mannes ins Netz gestellt. Der Mann hatte sein Gesicht auf den Originalfotos zwar digital unkenntlich gemacht; Spezialisten des Bundeskriminalamtes (BKA) hatten daraus jedoch ein identifizierbares Bild rekonstruiert. Mehr als 350 Zeugen hatten sich bei Interpol nach Beginn der Internetfahndung gemeldet.

"Vico" hatte zwölf verschiedene Jungen zwischen sechs und zehn Jahren in Vietnam und Kambodscha sexuell missbraucht und dies auf 200 Bildern festgehalten. Die Bilder zirkulierten seit Jahren im Internet. Weltweit stehen laut Interpol Pornofotos von 10.000 bis 20.000 Kindern im Internet.

Name, Geburtsdatum und Passnummer des Verdächtigen seien ermittelt, erklärte Interpol. Die Behörden Südkoreas und Thailands hätten herausgefunden, dass "Vico" am vergangenen Donnerstag von Seoul nach Bangkok geflogen sei. Der Mann sei am 11. Oktober in Bangkok eingereist, bestätigte der Interpol-Verbindungsmann in Thailand, Apichart Suriboonma. Das von Überwachungskameras aufgenommene Foto seiner Ankunft wurde von der Polizei für die Fahnung veröffentlicht. Am Flughafen in Bangkok wird von jedem Einreisenden ein Bild gemacht.

Die Polizei gehe davon aus, dass der Mann noch im Land sei, sagte Apichart. Die Fahndung laufe in den einschlägigen Orten, die von Pädophilen oft aufgesucht werden. "Wir konzentrieren uns auf die Touristenorte, zum Beispiel Pattaya und Phuket, dort ist es einfach, Kinder zu finden", sagte er. "Vor allem dort werden Kinder zu Opfern."

Thailand ist seit Jahren eines der beliebtesten Reiseziele von Pädophilen und anderen Sextouristen. Kinder werden für wenig Geld oft von ihren eigenen Familienangehörigen angeboten. Die Regierung hat die Fahndung und Strafen in den vergangenen Jahren verschärft. Seitdem sind viele Kinderschänder in Nachbarländer wie Kambodscha ausgewichen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(dpa)