Erdbeben in Nepal Die Katastrophe nach der Katastrophe

Land in Trümmern

Nach der Erdbebenkatastrophe in Nepal fehlt es vor allem an Essen und sauberem Trinkwasser. Die Wut auf die Regierung wächst. mehr... Bilder
  • In Nepal sind inzwischen genügend internationale Rettungskräfte eingetroffen, um den Erdbebenopfern zu helfen. Die Regierung in Kathmandu bittet, dass nicht noch mehr Teams anreisen.
  • Helfer sorgen sich dort vor allem um die Situation der Kinder, die von der Katastrophe traumatisiert sind.
Von Oliver Klasen

Vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal, bei dem 5000, möglicherweise sogar 10 000 Menschen getötet wurden, wird die Zeit für glückliche Fügungen langsam knapp. So wie die eines Schülers, der in den Hügeln nahe der Hauptstadt Kathmandu 55 Kinder aus einem Waisenhaus befreite oder die eines Mannes, der aus einem Trümmerberg gerettet wurde, nachdem er 82 Stunden dort eingeschlossen war.

Immerhin: Genügend Helfer aus insgesamt 15 Nationen haben sich inzwischen in Kathmandu eingefunden - so viele, dass die nepalesische Regierung darum gebeten hat, dass keine weiteren ausländischen Rettungsteams mehr anreisen. Wer auf dem Weg sei, möge kommen, die anderen sollten besser fernbleiben, sagte UN-Einsatzkoordinator Jamie McGoldrick. Noch drastischer drückt es Ram Kumar Dahal aus, der Chef von Nepals staatlichem Katastrophenmanagement: "Wir wollen nicht, dass Nepal zur Müllkippe für Hilfsgüter und Teams wird", sagt er.

Der Flughafen von Kathmandu, der nur über eine Start- und Landebahn verfügt, kann die zahlreichen Hilfsflüge kaum bewältigen. Die Fluglotsen arbeiten bereits in 16-Stunden-Schichten, zeitweise kreisen acht Maschinen über der Stadt und warten auf die Landegenehmigung. Zudem sitzen viele der ausländischen Hilfsteams, die es bis Kathmandu schafften, immer noch dort fest, weil die Straßen in abgelegenere Gebiete zerstört sind.

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Unmut über schlechtes Krisenmanagement

Das Problem ist, die Helfer und die Hilfsgüter zu den Menschen zu bringen, die Hilfe am dringendsten benötigen. "Die einheimischen Rettungskräfte bemühen sich. Man sieht viel Polizei und Militär auf der Straße. Aber angesichts des gewaltigen Ausmaßes der Katastrophe ist die Regierung hier überfordert", sagt Elitsa Dincheva, als deutsche Mitarbeiterin der SOS-Kinderdörfer derzeit in Nepal.

Zerstörte Gebäude in Bhaktapur - und die Verzweiflung der Menschen.

(Foto: Getty Images)

In der Bevölkerung regt sich Unmut über das schlechte Krisenmanagement. Die Polizei in Kathmandu löste am Mittwoch Medienberichten zufolge eine Demonstration von etwa 200 verzweifelten Menschen auf, die eine Zufahrtsstraße blockierten.

Besonders der Mangel an sauberem Trinkwasser wird immer mehr zum Problem. Was die Helfer jetzt am meisten fürchten, ist eine "Katastrophe nach der Katastrophe", wie Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland, es ausdrückt. Denn verschmutzes Wasser und die teilweise katastrophalen hygienischen Bedingungen könnten schnell zur Ausbreitung von Krankheiten führen. "Vor allem für die durch Mangelernährung bereits geschwächten Kinder ist das lebensgefährlich", so der Unicef-Chef.

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Etwa acht Millionen Menschen sollen von der Katastrophe betroffen sein, davon etwa 1,7 Millionen Kinder. Genauso dringend wie die lebensrettenden Maßnahmen seien daher Hilfen für Kinder, die durch das Unglück ihre Eltern verloren haben und jetzt auf sich allein gestellt sind, betonen Hilfsorganisationen.

"In den ersten Tagen nach dem Beben ging es vor allem darum, die schlimmste Not zu lindern. Wir haben den Menschen Wasser, Essen und Medikamente gegeben", sagt SOS-Kinderdorf-Mitarbeiterin Dincheva. "Jetzt hat die zweite Phase der Hilfe begonnen, in der wir uns um traumatisierte Kinder kümmern und Familien unterstützen, deren Haus zerstört wurde." Das Team der SOS-Kinderdörfer, das in Nepal mit insgesamt 800 Mitarbeitern sehr gut vernetzt ist, hat an mehreren Orten "Nothilfe-Kitas" eingerichtet. Dort werden Minderjährige betreut, deren Eltern mit schweren Verletzungen im Krankenhaus liegen.

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