Angst vor dem Super-GAU Die Welt bangt mit Japan

Die Lage in Japan bleibt chaotisch, die Opferzahlen steigen unaufhaltsam: Mehr als zehntausend Menschen werden vermisst. Rund um den Krisen-Meiler Fukushima sind inzwischen 140.000 Menschen evakuiert worden - und noch immer ist unklar, ob eine Kernschmelze im Gange ist.

Alle Entwicklungen im Newsticker.

Am Samstag herrscht Unsicherheit über die Lage im Katastrophengebiet in Japan: Dem Land droht nach dem schwersten Erdbeben in seiner Geschichte eine Atomkatastrophe. Die Opferzahlen steigen stündlich: Die Behörden gehen inzwischen von 1.800 Todesopfern aus, fast 10.000 Menschen werden vermisst. Die Entwicklungen im Newsticker.

16:04 Uhr

Erste konkrete Zahlen zur Strahlung am Krisen-Meiler Fukushima: In der Nähe des Blocks 1 seien am Samstag 1.015 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden, berichtete der japanische Fernsehsender NHK unter Berufung auf die Präfektur Fukushima auf seiner Internetseite. Diese Strahlendosis ist doppelt so hoch wie der Grenzwert, bei dem die Betreiber von Atomkraftwerken den Notfall erklären und die Regierung informieren müssen.

16:56 Uhr

Offizielle Stellungnahme zum Reaktorunglück: Japans Atombehörde stuft den Vorfall im AKW Fukushima-1 weniger schlimm ein als die Zwischenfälle im US-Kernkraftwerk Three Mile Island 1979 und in Tschernobyl 1986. Das Ereignis wird auf der von Null bis Sieben laufenden Skala für nukleare Ereignisse (INES) demnach mit Vier bewertet - als "Unfall". Die höchste Stufe wurde bisher nur beim Super-GAU von Tschernobyl vergeben.

17:26 Uhr

Die Agentur Jiji schreibt, dass es sich bei den drei gemeldeten Strahlenopfern nicht um Anwohner, sondern Arbeiter des AKW Fukushima handele. Die Strahlenopfer würden laut Reuters Dekontaminationsmaßnahmen unterzogen.

18:25 Uhr

In Japan ist es Nacht: Die Agentur Kyodo meldet, die Zahl identifizierter Todesopfer und Vermisster belaufe sich nunmehr auf mindestens 1800. Nach Polizeiangaben sind 687 Todesopfer identifiziert worden. Weit höhere Totenzahlen werden befürchtet: Allein in der Hafenstadt Minamisanriku gelten weiterhin zehntausend Menschen als vermisst. Insgesamt muss also für fast 12.000 Menschen derzeit das Schlimmste befürchtet werden. Bisher konnten nach Angaben des Regierungschefs Naoto Kan etwa 3000 Menschen aus den Trümmern gerettet werden.

18:40 Uhr

Angela Merkel spricht nach der Lagebesprechung in Berlin zur atomaren Bedrohung in Japan: "Wir sehen, dass wir ein Stück weit Demut und Ehrfurcht vor der Natur haben müssen." Das Ausmaß der Leiden und Schäden sei enorm, "fast nicht fassbar". Sie sicherte Unterstützung zu: "Wir stehen an der Seite Japans." Die Geschehnisse in Japan seien "ein Einschnitt für die Welt". Wenn ein Land mit hohen technischen Standards eine solche Katastrophe nicht verhindern könnte, dann dürfe auch Deutschland nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. "Die Sicherheit der Atomkraftwerke ist oberstes Gebot", sagte Merkel.

19:06 Uhr

Merkel lässt die deutschen Kernkraftwerke überprüfen. Zwar halte sie die friedliche Nutzung der Atomkraft weiter für vertretbar. Doch sei es "unbestritten, die Geschehnisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt", sagte die Kanzlerin. Danach "kann auch Deutschland nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Der Sicherheit der Bevölkerung müsse sich alles andere unterordnen.

19:39 Uhr

Das Auswärtige Amt geht Hinweisen nach, wonach sich ein deutscher Kernenergietechniker im Katastrophengebiet rund um das japanische Atomkraftwerk Fukushima aufhalten könnte. Man stehe mit dessen Angehörigen in engem Kontakt, sagte eine Sprecherin am Samstag der dpa. Zuvor hatte sich eine Frau bei der Agentur gemeldet, deren Mann für den französischen Atomkonzern Areva in dem Unglücksreaktor Fukushima gearbeitet haben soll.

21:31 Uhr

Noch immer ist die alles entscheidende Frage unklar: Ist es im Atomkraftwerk in Fukushima zu einer Kernschmelze gekommen? Laut Nachrichtenagentur Kyodo hat die Atomsicherheitskommission eingeräumt, dass der Reaktor teilweise geschmolzen sei - doch offizielle Bestätigungen stehen nach wie vor aus. Die AKW-Betreiberfirma Tepco pumpt nun Meerwasser in den überhitzten Reaktor, um die Lage in den Griff zu bekommen, wie Kyodo News unter Berufung auf den japanischen Regierungssprecher Yukio Edano berichtet.

22:06 Uhr

Die Bundesregierung ringt immer noch um die richtige Haltung in der nun aufflammenden Atom-Debatte. In den Tagesthemen bezeichnet Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) die Kernenergie als Auslaufmodell. "Wir betrachten sie als Brücke, das heißt, sie ist ein Auslaufmodell", erklärt er. Die Ereignisse dieser Tage hätten bewusst gemacht, "dass wir eine andere Energieversorgung brauchen."

22:13 Uhr

Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ist mittlerweile wieder eine Verringerung der Radioaktivität am Katastrophenreaktor festgestellt worden. Nach einem anfänglichen Anstieg hätten die Behörden nun eine Abschwächung in den vergangenen Stunden beobachtet, teilt die Behörde in Wien mit.

22:15 Uhr

Wie die IAEA zugleich bekanntgibt, wurden bislang rund 140.000 Menschen aus den Regionen rund um die beiden betroffenen japanischen Atomkraftwerte evakuiert. Und das ist noch nicht alles: "Die kompletten Evakuierungsmaßnahmen wurden noch nicht abgeschlossen", teilt die Behörde mit.