Von Laura Neuhaus

Nach der Katastrophe ist die Kommunikation auf Haiti weitgehend zusammengebrochen. Das Internet aber funktioniert - auch für die Helfer.

Das Chaos auf Haiti nennen viele Beobachter schon "apokalyptisch": Die Toten liegen auf den Straßen, für viele weitere Verschüttete wird die Rettung zu spät kommen, bei den Überlebenden wächst die Wut - das Land versinkt im Chaos. Es gibt wenig verlässliche Informationen, denn auch die Kommunikationsnetze sind weitgehend zusammengebrochen. Das Internet erweist sich nach der Katastrophe noch als verlässlichstes Medium: um dem Grauen Ausdruck zu verleihen, aber auch um Hilfe zu suchen und zu koordinieren.

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(© Foto: dpa)

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Auch die Hilfsorganisationen nutzen es für ihre Zwecke: Auf ihren Seiten im Internet berichten einige deutsche Hilfsorganisationen sehr ausführlich über ihre Einsätze und ihren Aufbruch in Richtung Haiti. Auf der Homepage der Malteser heißt es zum Beispiel: "Nach einer kurzen Koordinierungsphase wird das Team Richtung Haiti starten - auf welchem Weg ist derzeit noch unklar. Parallel bereiten die amerikanischen Malteser Medikamentenlieferungen vor, die regional beschafft werden."

Malteser, Welthungerhilfe oder Humedica versuchen möglichst aktuell zu berichten. Mit Transparenz und dramatischen Eindrücken soll die Spendenbereitschaft erhöht werden.

"Die Internetverbindung ist sprunghaft da, aber sie ist da."

Das achtköpfige Team der humedica e.V. ist am Freitag in Santo Domingo gelandet - nicht zuletzt dank guter Verbindungen zu lokalen Partnern im Land. Auf ihrer Internet-Seite berichtet die Organisation: "Per E-Mail erreichten uns bereits erste Rückmeldungen von Mitarbeitern befreundeter Organisationen in Port-au-Prince, die das vermutete dramatische Ausmaß des Bebens bestätigen."

In der Dominikanischen Republik konnten die Helfer noch über das ganz normale Handynetz in Deutschland anrufen. Mit Verbindungen in Haiti rechnet dagegen niemand - selbst Satelliten-Telefonverbindungen funktionieren nicht immer.

Das Internet wird deshalb besonders wichtig. "Die Internetverbindung ist sprunghaft da, aber sie ist da." erklärt eine Sprecherin der Hilfsorganisation World Vision. Der Schweizer Projekt-Koordinator der Organisation Urs Bernhard ist bereits im Einsatz und nutzt das Internet-Telefon Skype.

Suche nach Vermissten über das Internet

Fast 14.000 Menschen haben sich auf der Kontaktwebseite des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) für vom Erdbeben in Haiti Betroffene registriert. Auf der Webseite können Einwohner Haitis oder Menschen im Ausland Namen von Angehörigen oder Bekannten eintragen, mit denen sie Kontakt aufnehmen möchten. Gesuchte können sich direkt auf der Internetseite melden und antworten. Die Hilfsorganisation hatte am Donnerstag die Seite (www.icrc.org/familylinks) eingerichtet.

Das Internet wird zur zentralen Nahtstelle für die Kommunikation zur Außenwelt. Auf Facebook gibt es eine Haiti-Gruppe mit mehr als 172.000 Mitgliedern - minütlich treten hunderte neue User ein. Sunny Fong bekundet aus Asien sein Mitgefühl: "Bitte bleibt stark!" Jessica schreibt aus den USA: "Auch, wenn ihr nicht religiös sein solltet, verlierten nicht den Glauben daran das Wunder überall in der Welt passieren können, jeden Tag!"

Die Gruppe dient auch als Forum für Erdbeben-Opfer auf der Suche nach Vermissten. Einige haben dort Fotos ihrer vermissten Verwandten hochgeladen. Mittlerweile gibt es auch Beiträge die von gefundenen Freunden berichten. Nicht nur auf Facebook warnen die User außerdem vor Cyber-Kriminellen, die die Hilfsbereitschaft ausnutzen.

Auf Dauer wird die Nutzung des Internets problematisch

Der Gedanke an finanzielle Unterstützung wirkt weit weg in den Blogs der überlebenden Haitianer. In den Texten geht es darum, die Hoffnung nicht aufzugeben. Schon recht kurz nach dem Beben posten die ersten kurze Lebenszeichen. "Uns geht es gut, wir sind unverletzt!", heißt es in einem Blog einer amerikanischen Familie, die auf der Insel lebt.

Eine andere Internetnutzerin schreibt auf ihrer Seite "Ellen in Haiti" über ihre Erleichterung, all ihre Freunde lebend wiedergefunden zu haben. "BuxmanHaiti" schickt Grüße an seine Freunde über das Internet mit der Hoffnung, dass sie leben und seine Nachrichten vielleicht sogar lesen können.

Nach der Katastrophe ist das Internet wichtigster Kommunikationskanal - für Betroffene, für Menschen, die ihre Anteilnahme ausdrücken wollen, für die Hilfsorganisationen.

Auf Dauer wird die Nutzung dieses Mediums in Haiti aber schwierig werden: Strom ist in der Krisenregion jetzt schon ein kostbares Gut. In seinem Augenzeugenbericht schreibt Hauke Hoops von der Hilfsorganisation CARE "Es wird noch Strom produziert, aber die Leitungen sind zerstört. Es liegen Stromleitungen auf den Straßen und die Menschen gehen über sie hinweg. Wenn sie den Strom jetzt wieder anstellen, werden vielleicht viele Menschen dadurch verletzt."

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(sueddeutsche.de/lmne/grc/gba)