Fassungslosigkeit in Eilenburg: Die neunjährige Corinna ist von einem Sexualtäter missbraucht und ermordet worden. Zum Tatablauf ist weiterhin nichts bekannt - 80 Polizisten sind mit dem Fall befasst.

Das Entsetzen über den Tod der kleinen Corinna ist im sächsischen Eilenburg am Donnerstag fast körperlich zu spüren. "Gott warum?", fragt jemand auf einem weißen Zettel, der an der verwitterten Tür des Hauses klebt, in dem Corinna wohnte. Seit Mittwochabend ist klar: Die Neunjährige ist tot, die Ermittler gehen von einem Sexualverbrechen aus. Vom Täter gibt es noch keine Spur. Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Hans Strobl wurde ein Verfahren wegen des Verdachts auf Mord und Vergewaltigung eingeleitet.

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Die Eilenburger gedenken der kleinen Corinna. (© Foto: dpa)

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"Das war so ein liebes Mädchen. Höflich, zurückhaltend, hat immer gefragt, ob sie mitspielen darf", sagt eine junge Mutti aus der Nachbarschaft. Mit ihrer sechsjährigen Tochter ist sie zum Haus Corinnas gekommen. Gemeinsam zünden sie dort eine Kerze an und legen Blumen nieder.

Heruntergekommenes Idyll

Das Sechsfamilienhaus im nördlichen Stadtzentrum der 17 000-Einwohner-Stadt wirkt am Donnerstag verlassen und heruntergekommen. Auf dem Hof, auf dem Corinna gespielt hatte, sind grüne Wäscheleinen gespannt. Eine Garnitur weißer Plastikstühle lehnt ordentlich um einen runden Tisch.

Vor dem schmucken Renaissance-Rathaus Eilenburgs wächst unterdessen ein Blumen- und Lichtermeer. Fast im Minutentakt kommen Nachbarn, Bekannte, Spielkameraden und gedenken Corinnas. "Du bleibst immer in unserem Herzen", steht auf einem Blatt Papier, das neben einem Hasen, einer Kuh und einem Säbelzahntiger aus Plüsch liegt.

Jungen und Mädchen aus der Kinder- und Jugendarche, einem offenen Treffpunkt in Eilenburg, fassen sich bei den Händen und denken an ihre Freundin Corinna. Viele Kinder schluchzen. "Ihr könnt ruhig weinen", sagt eine Betreuerin, die selbst mit den Tränen ringt.

"Hilflos, machtlos, sprachlos"

Auch Eilenburgs Bürgermeister Hubertus Wacker legt einen Blumenstrauß vor die Rathaustreppe. Er kämpft um Worte: "Man ist so hilflos, machtlos, sprachlos. Es ist erschreckend, wenn das eine Stadt so direkt betrifft. Man fährt plötzlich mit ganz anderen Augen durch die Straßen." Wacker kannte den Lebensgefährten von Corinnas Mutter. "Er ist bei uns in der freiwilligen Feuerwehr." Er könne alle Eltern und Großeltern verstehen, die sich nun Gedanken machen, sagt Wacker. Hoffentlich werde das Verbrechen bald aufgeklärt.

An vielen Straßenecken in Eilenburg stehen am Donnerstag Polizeiautos. Ermittler in Overalls mit weißen oder blauen Handschuhen ziehen von Hauseingang zu Hauseingang, untersuchen Mülltonnen, überwachen die Abfuhr von Glascontainern. Zwei ältere Frauen beobachten das Geschehen. "Schlimm ist das. Schlimm. Hoffentlich kriegen sie den", sagte die eine und meint den Täter. Ihre Bekannte ist sicher: "Den kriegen sie schon." Die Polizei richtete indes eine aus 80 Beamten bestehende "Soko Corinna" ein, sagte Kriminaldirektor Jürgen Georgie bei einer Pressekonferenz.

Corinna ist das dritte Kind in drei Jahren, das in Sachsen getötet wurde. 2007 sorgte der Tod Mitjas (9) aus Leipzig für Fassungslosigkeit, vor fast genau einem Jahr im August 2008 fiel Michelle (8) ihrem Mörder auf dem Heimweg ebenfalls in Leipzig in die Hände. Und nun verschwand Corinna am Dienstag beim Spielen vom Hof.

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