Abscheu und Faszination: Katalonien erwägt ein Verbot des Stierkampfs - auch weil manche Patrioten ihn als Symbol des ungeliebten spanischen Zentralstaats sehen.
Dem Stierkampf droht die estocada, der Todesstoß. Jedenfalls in Katalonien, der ebenso renitenten wie wirtschaftsstarken Region im Nordosten Spaniens. Mehr als 180.000 Katalanen haben ein Volksbegehren unterzeichnet, das die Abschaffung des tödlichen Spektakels fordert. An diesem Freitag wird das Regionalparlament in Barcelona darüber entscheiden, ob ein entsprechender Gesetzesantrag ausgearbeitet wird.
Einer der berühmtesten Züchter Spaniens deutet die schwindende Attraktivität des Stierkampfes als Angst der Menschen, den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren. (© Foto: dpa)
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"Prou!" (Basta!) nennt sich die Initiative, die im Gewand des Tierschutzes daherkommt, aber auch nationalistische Zwischentöne kennt. In Madrid gilt als ausgemacht, dass die sehr auf ihre Eigenständigkeit bedachten Katalanen den Stierkampf vor allem deshalb verbieten wollen, weil ihnen das Todesspektakel als spanisches und damit unkatalanisches Symbol gilt.
Viele Medien in Madrid machen deshalb Front gegen die Stierkampfgegner und unterstellen ihnen separatistische Bestrebungen. Derartige patriotische Empörung war nicht zu verzeichnen, als 1991 die Regierung der Kanarischen Inseln die Stierkämpfe untersagte. Sie waren damals zusammen mit dem TV-Hit Hahnenkampf verboten worden.
"Ich gehe wieder hin"
Der Abscheu, der den Stierkampf begleitet, ist nicht gar so alt wie das Spektakel an sich. Aber fast. Schon im 19. Jahrhundert wandten sich Reisende wie Hans Christian Andersen angewidert ab.
Andere Künstler hingegen - Hemingway, García Lorca, Picasso - erlagen selbst der Faszination. Auch wenn ihnen ihr Kopf eigentlich etwas anderes ganz diktierte: "Eine Barbarei. Aber wenn sie morgen wieder ist: Ich gehe wieder hin", schrieb Kurt Tucholsky.
Auch heute melden sich beiderseits der Barrikaden prominente Kulturleute zu Wort. Die Stierkampfgegner haben Philosophen, Filmemacher, Schriftsteller und sogar Silikonwunder wie Pamela Anderson mobilisiert; die Lobby der Fiesta-Befürworter wird von Rockstars, Fußballern und Schriftstellern wie dem Peruaner Mario Vargas Llosa angeführt.
Sie appellierten an den liberalen Charakter Kataloniens: Nicht weniger als "die Freiheit selbst, eine weitere Fraktion der Freiheit, der Freiheit von uns allen" stehe auf dem Spiel, heißt es in ihrem Manifest, das auch von einer erklecklichen Zahl an Tierärzten unterzeichnet wurde. Als gelte es, an das berühmte Tierschutz-Argument für den Stierkampf zu gemahnen.
Sympathie für den Stierkampf sinkt
Ohne Fiesta würde kein Stierbesitzer mehr den wilden Zuchtstieren das jahrelange, sündhaft teure Leben auf saftigen Weiden finanzieren, das der Begegnung mit dem Tod in der Arena vorangeht. Die aufopferungsvolle Hege sei allemal besser als das Dahinvegetieren eingepferchter Ochsen, die irgendwann im Schlachthof landen.
Dass die Stierkampfindustrie laut aufschreit, versteht sich von selbst. Zumal sie fürchten muss, dass die Debatte die Attraktivität des Stierkampfes weiter schwinden lässt. Umfragen zufolge nimmt die Zahl der Anhänger ohnehin schon stetig ab, in Barcelona füllt sich die Monumental-Arena nur bei den ergreifenden Auftritten des mythischen José Tomás, des kühnsten und besten Toreros der Gegenwart.
Eduardo Miura, einer der berühmtesten Züchter Spaniens, sieht in der abnehmenden Sympathie für den Stierkampf ein Zeichen der Zeit. Die heutige Gesellschaft suche "ein angenehmeres, bequemeres" Leben. "Man fürchtet den Tod und will nicht erkennen, dass er Teil des Lebens ist."
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 18.12.2009/jobr)
Bundespräsident Gauck in Israel
Fast 1.500 Stierkämpfe finden jährlich statt. 31.000 Tiere werden alleine in Spanien auf die Quälerei in den Arenen vorbereitet. Und dabei verdienen die Züchter kräftig - der EU sei dank. Denn die greift den Züchtern mit sogenannten Sonderprämien für männliche Rinder unter die Arme. Gelder, die eigentlich als Ausgleichszahlungen für den gesunkenen Marktpreis von Rindern gedacht waren. Auch Kampfstierzüchter können diese Bestandsprämien beantragen. Nach Berechnungen einer dänischen Zeitung unterstützt die EU die spanischen Stierkämpfe mit 8,2 Millionen Euro. Stierkampf ist grausamer Tiermord. Wer dafür Geld ausgibt, wird mitschuldig !
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Ich persönlich möchte mir keinen Stiekampf ansehen und habe danach überhaupt kein Verlangen. Und wenn die Katalonier das verbieten wollen sollen sie es gerne tun.
Allerdings bezweifel ich, dass es dem Tierschutz wirklich hilft und ich halte den Stierkampf in Anbetracht von allem, was Tieren in ihrer gewerblichen Nutzung so angetan wird für eine der angenehmeren Sachen. Ein Kampf dauert nicht länger als 20 Minuten pro Tier- und davor hatten die Stiere wirklich ein schönes Leben. Das ist sicher mal besser als nie eine Weide zu sehen und vor dem Schlachtakt, der selbst sicherlich auch eine ganze Zeit dauert, noch 48 Stunden (oder so) in einem Tiertransport durch die Gegend gefahren zu werden. Wenn es also um Tierschutz gehen sollte, dann könnte man die überlangen Europatransporte von Schlachtvieh gleich (zahlenmäßig viel relevanter) mitverbieten...
Aber das wird wohl nicht geschehen.
Wo man mit Kleinstaaterei in diesem Jahrhundert landet, sieht man etwa an der deutschen Bildungspolitik. So etwas ist nicht mehr zeitgemäß, genau wie der Stierkampf auch.
Wenn die Spanier ihn mehrheitlich nicht wollen, soll man ihn verbieten. Persönlich halte ich ihn ebenfalls für Tierquälerei.
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