Entscheidung in Rostock Landeskirchen fusionieren zur Nordkirche

In Norddeutschland fallen evangelische Kirchengrenzen: Vertreter aus Nordelbien, Mecklenburg und Pommern beschließen mit großer Mehrheit den Zusammenschluss. In den nächsten Jahren soll jede siebte Stelle in Leitung und Verwaltung wegfallen.

Der gemeinsamen evangelischen Landeskirche im Norden steht nichts mehr im Wege. Die Mitglieder der Synoden aus Nordelbien, Mecklenburg und Pommern stimmten am Samstag in Rostock für die Fusion der drei Einzelkirchen zur fünftgrößten evangelischen Landeskirche Deutschlands, zur Nordkirche.

Gerhard Ulrich, Bischof der Nordelbischen Kirche und Vorsitzender der Gemeinsamen Kirchenkommission, hat sein Ziel erreicht: die Zusammenlegung der drei norddeutschen Landeskirchen.

(Foto: dpa)

Von 255 Synodalen stimmten 227 für die Fusion, damit war die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit deutlich erreicht. Auch bei den Einzelabstimmungen in den drei Landessynoden wurde jeweils die festgelegte Zwei-Drittel-Mehrheit geschafft. Erstmals kommt es damit in Deutschland zur Vereinigung von einer Westkirche mit zwei Ostkirchen.

Die Nordkirche ist mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern die fünftgrößte evangelische Landeskirche in Deutschland. Bischofssitz wird Schwerin, Kiel der Standort des Landeskirchenamts. Der offizielle Start der neuen Kirche soll an Pfingsten im Dom zu Ratzeburg gefeiert werden.

Mit der Entscheidung der Synodenmitglieder geht ein langer Weg zu Ende, der im September 2000 mit einem Kooperationsvertrag der drei Kirchen begonnen hatte. Wesentlicher Antrieb für die Fusion waren die sinkenden Mitgliederzahlen der Ostkirchen und die schwindende finanzielle Basis für die Arbeit. In den vergangenen Jahren hatten sich aus finanziellen und seelsorgerischen Gründen auch andere evangelische Kirchen zusammengeschlossen. Ein Beispiel ist die Fusion der Kirchenprovinz Sachsen und der Thüringer Landeskirche zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland 2009.

Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses in Rostock standen die Synodalen spontan auf und sangen "Großer Gott, wir loben Dich". Der Bischof der nordelbischen Kirche, Gerhard Ulrich, zeigte sich erleichtert. Er betonte, dass die auf der verfassungsgebenden Synode angesprochenen kritischen Punkte - etwa die Furcht vor einem Übergewicht Nordelbiens in der neuen Kirche - sehr ernst genommen würden. "Wir brauchen gerade die kritischen Geister." In den kommenden Jahren sollen 15 Prozent der Arbeitsplätze in Leitung und Verwaltung abgebaut werden - das wäre jede siebte Stelle. Ein Kirchensprecher versicherte, dass diese Einsparungen ohne Kündigungen erreicht werden sollen.