Entscheidung des Vatikan Papst Johannes Paul II. wird heiliggesprochen

Papst Franziskus will seinen Vorvorgänger Papst Johannes Paul II. heiligsprechen - gerade mal acht Jahre nach dessen Tod. Das dafür notwendige Dekret hat der Papst jetzt unterschrieben. Auch ein anderer Pontifex soll heiliggesprochen werden: Papst Johannes XXIII. Er ist für die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils bekannt.

Papst Johannes Paul II. wird heiliggesprochen. Papst Franziskus hat am Freitag das dafür notwendige Dekret unterschrieben. Die Heiligsprechung könne "bis Jahresende" vollzogen werden, hieß es aus dem Vatikan.

Der Vorvorgänger von Franziskus war im Jahr 2005 gestorben. 2011 wurde er bereits von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen, nachdem der Vatikan anerkannt hatte, dass er mit der Heilung einer Nonne von der Parkinson-Krankheit ein erstes Wunder vollbracht habe.

Voraussetzung für eine Heiligsprechung - und damit die offizielle Verehrung in der katholischen Weltkirche - ist jedoch noch ein zweites Wunder.

Das Wunder, das jetzt bestätigt wurde, betraf eine Frau aus der Stadt San José in der Provinz Cartago in Costa Rica. Floribeth Mora Díaz war vor der Seligsprechung des Papstes mit Kopfschmerzen in das Calderón Guardia Hospital gekommen. Die Mediziner diagnostizierten eine gefährliche Gefäßerweiterung. Daraufhin wandte sich die Frau eigenen Angaben zufolge im Gebet an den verstorbenen Papst, der ihr sogar gesagt habe, sie bräuchte keine Angst zu haben.

Ihre Familie hatte eine Übertragung der Seligsprechung in einem Stadion der Stadt verfolgt und sich in Gebeten erneut an den Papst gewandt. Am nächsten Tag, so berichtete die Patientin dem mexikanischen Sender Televisa, habe sie vom Bett aus eine Zeitung mit dem Papst auf dem Titel gesehen. Johannes Paul II. habe sie aufgefordert, aufzustehen. Und von diesem Zeitpunkt an sei es ihr wieder gut gegangen.

Die Ärzte konnten keine Spur des Aneurysmas mehr finden. Der Neurochirurg Alexandro Vargas Román erklärte danach der Zeitung La Nación, er habe für das Verschwinden keine wissenschaftliche Erklärung. Dies und die Gebete zum Pontifex waren der Grund, weshalb der Vatikan das Ereignis als mögliches Wunder untersucht hat.

Zäher Widerstand gegen die kommunistischen Machthaber

Johannes Paul II., mit bürgerlichem Namen Karol Wojtyla, wurde 1920 in Wadowice bei Krakau geboren. Ab 1953 war er Professor für Moraltheologie, 1964 wurde er zum Erzbischof von Krakau ernannt und nahm dann am Zweiten Vatikanischen Konzil teil, das als Schritt der Kirche in Richtung Moderne gilt. 1967 wurde er zum Kardinal ernannt. Als Geistlicher in Polen leistete er zähen Widerstand gegen die kommunistischen Machthaber.

Nach dem Tod Johannes Paul I. wurde Wojtyla als erster Pole zum Papst gewählt. Er nahm den Namen Johannes Paul II. an und war der erste Nicht-Italiener auf dem Heiligen Stuhl seit 1523.

Auch ein anderer ehemaliger Pontifex soll bei derselben Zeremonie heiliggesprochen werden: Papst Johannes XXIII., der von 1958 bis 1963 amtierte. Er ist wegen der Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus geachtet und wurde wegen seiner Bescheidenheit und Volksnähe auch "il papa buono", der gute Papst genannt.

Infobox Heiligsprechung

Die Heiligsprechung ist in der katholischen Kirche eine feierliche Erklärung des Papstes über das vorbildlich christliche Leben eines Menschen und über seine endgültige Aufnahme zu Gott. Nach dieser "Kanonisation", die während eines Festgottesdienstes vollzogen wird, darf die betreffende Person weltweit verehrt werden.

Der Heiligsprechung geht ein kirchlicher Prozess voraus, der über mehrere Instanzen führt. Dabei muss nachgewiesen werden, dass durch die Fürsprache des oder der Betroffenen tatsächlich Wunder geschehen sind. Nicht notwendig ist das allerdings bei Menschen, die als Märtyrer, also wegen ihres Glaubens, gestorben sind. Diese können ohne Wunder heiliggesprochen werden. Vor einer Heiligsprechung steht die Seligsprechung, für die ebenfalls ein bestätigtes Wunder notwendig ist.

In der Kirche wurden anfangs die Heiligen ohne förmlichen Prozess anerkannt. Weil es dabei zu Übertreibungen und Parteilichkeiten kam, zog der Papst den Vorgang an sich. Der erste von einem Papst Heiliggesprochene war Bischof Ulrich von Augsburg im Jahr 993. Das Gesamtverzeichnis der Seligen und Heiligen der katholischen Weltkirche ("Martyrologium romanum") nennt rund 7.000 namentlich bekannte Selige und Heilige.

1881 wurde er als Angelo Giuseppe Roncalli geboren. Im Jahr 2000 wurde Johannes XXIII. seliggesprochen. Zu seinem 50. Todestag dieses Jahr würdigte ihn Papst Franziskus mit den Worten: "Der Petersplatz war damals zu einer Open-Air-Kirche geworden, Tag und Nacht kamen Gläubige aller Altersgruppen und sozialer Klassen hierhin, um für die Gesundheit des Papstes zu beten. Die ganze Welt hatte in Papst Johannes einen Hirten und einen Vater erkannt. Hirte, weil Vater".

Beim Zweiten Vatikanischen Konzil versammelten sich alle katholischen Bischöfe, um Beschlüsse zur Ausrichtung der katholischen Kirche zu treffen. Zukunftsweisende Punkte waren dabei unter anderem der verstärkte Dialog mit Andersgläubigen, die Reform des Gottesdienstes und der Sakramente sowie die Einführung der Volkssprache statt des Lateinischen als Liturgie-Sprache.