Ermittlungen im Enthüllungsskandal "Vatileaks" Kammerdiener des Papstes festgenommen

Wer hat den italienischen Medien vertrauliche Informationen aus dem Kirchenstaat zugespielt? In einem seit Wochen schwelenden Enthüllungsskandal hat die vatikanische Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Es soll sich um einen Bediensteten von Papst Benedikt XVI. handeln.

In einem seit Wochen schwelenden Enthüllungsskandal hat die vatikanische Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Sprecher des Kirchenstaates erklärten zunächst, eine Person sei festgenommen worden und im Besitz vertraulicher Dokumente gewesen. Über die Identität werde man Stillschweigen bewahren, solange die Ermittler des Vatikans darauf bestünden.

Die Nachrichtenagenturen Reuters und Ansa berichteten unter Berufung auf Vatikankreise, es handele sich um den Kammerdiener des Papstes. Der Mann, der in der Wohnung von Benedikt XVI. im Apostolischen Palast arbeite, habe in dieser Vertrauensstellung Zugang zu den streng abgeriegelten Privaträumen des Kirchenoberhauptes und sei mit den Vorgängen dort bestens bekannt. Er bediene den Papst bei Tisch, begleite ihn im Papamobil und überreiche Würdenträgern, die das Kirchenoberhaupt aufsuchen, den Rosenkranz.

In dem in Anlehnung an das Enthüllungsportal Wikileaks "Vatileaks" genannten Skandal waren italienische Medien Anfang des Jahres mit Interna versorgt worden. Teilweise handelte es sich um persönliche Briefe an den Papst. In einigen Unterlagen ging es um Vorwürfe der Korruption, des Missmanagements, der Vetternwirtschaft und um Kritik an der Führung der Vatikanbank.

Der Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi, war am Donnerstag entlassen worden. Der Bankmanager, der mehr Transparenz in die Geschäfte der Vatikanbank bringen sollte, habe trotz wiederholter Mahnungen "bestimmte Aufgaben von vordringlicher Wichtigkeit nicht ausgeführt", teilte der Vatikan am Freitag nach der Aufsichtsratssitzung vom Vortag mit. Offiziell hieß es, es gehe um Mängel in der Führung des Instituts. Doch spekuliert wird auch über einen Zusammenhang mit "Vatileaks".

Papst Benedikt XVI. hatte mehrere Ermittlungsverfahren angeordnet, die unter anderem von der vatikanischen Polizei und von einer Kardinalskommission geleitet wurden.

Nach Angaben aus seinem Umfeld hat der Papst "betrübt und geschockt" auf die neuesten Enthüllungen in der Affäre reagiert. Die Festnahme eines Verdächtigen, sei eine "schmerzhafte" Entwicklung, zitierten ihn italienische Medien unter Berufung auf einen Vertrauten.