Entführungsfall Bögerl "Es gibt keinen Trost"

Die Familie der ermordeten Bankiersfrau Maria Bögerl bereitet die Trauerfeier vor - und erhofft sich von einer neuen "Aktenzeichen XY"-Folge den entscheidenden Hinweis auf den Entführer. Die Lösegeld-Übergabe wirft indes Fragen auf.

Fast eine Woche nach dem Fund der Leiche der entführten Maria Bögerl gedenken die Menschen in zwei Gottesdiensten der Frau des Heidenheimer Sparkassenchefs. Ihre Angehörigen werden an diesem Mittwoch mit einer Trauerfeier von der ermordeten Bankiersfrau Abschied nehmen, teilte die Familie in einer Anzeige mit.

Die Polizei erhofft sich Hinweise durch die erneute Ausstrahlung des Entführungsfalls Bögerl in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY...ungelöst am Mittwoch - unter Anwesenheit des Leiters der ermittelnden Sonderkommission.

(Foto: AP)

"Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann", steht darin, und: "Es gib keinenTrost, nur die Liebe zur dir." Unterzeichnet ist die Anzeige von Ehemann Thomas, 56, Tochter Carina, 27 und Sohn Christoph, 24 und weiteren Angehörigen.

Für die Heidenheimer gibt es am Mittwochmorgen einen Gottesdienst zum Gedenken an Maria Bögerl in der Bonifatiuskirche im Stadtteil Schnaitheim, dem Wohnort der Familie. Ein weiterer Gottesdienst ist für Donnerstag in der Kapelle in Nietheim geplant - in der Nähe des Leichenfundorts, sagte der Pfarrer der katholischen Gemeinde.

Das Leid der Familie muss umso quälender sein, als immer noch eine heiße Spur zum Täter fehlt. Nun wird der Fall erneut in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY...ungelöst ausgestrahlt. Am 19. Mai hatten sich der Ehemann und die beiden Kinder der Entführten bereits in einem bewegenden Appell an den oder die Entführer gewandt. Noch ist unklar, ob Maria Bögerl zu jenem Zeitpunkt bereits tot war.

Bei der Sendung am kommenden Mittwoch wird der Leiter der Sonderkommission "Flagge", Hartmut Schröppel, Gast im Studio sein, wie eine Sprecherin des Senders mitteilte. Er will sich zum aktuellen Stand der Ermittlungen äußern. Die Polizei erhofft sich unter anderem weitere Hinweise auf einen mit Phantombild gesuchten Zeugen.

Die Polizei fahndet weiter nach diesem Unbekannten, der am Tag der Entführung in der Nähe des Hauses der Familie Bögerl gesehen wurde. Seit der Veröffentlichung des Fotos sind mehr als 600 Hinweise eingegangen - der entscheidende fehlt aber bislang.

(Foto: dpa)

Seit Veröffentlichung des Fotos am vergangenen Dienstagabend ist die Zahl der Hinweise auf mehr als 600 Hinweise gestiegen. Sie werden derzeit von den rund 80 Beamten der Sonderkommission ebenso ausgewertet wie die zahlreichen Gegenstände, die die Polizei bei der Suche rund um den Leichenfundort entdeckt hat.

Die gescheiterte Lösegeldübergabe wirft unterdessen laut einem Bericht der Stuttgarter Nachrichten weitere Fragen auf. So soll der Ehemann darauf bestanden haben, die 300.000 Euro selber zu besorgen - anstatt auf Geld zurückzugreifen, das Banken in solchen Fällen zur Verfügung stellen, berichtete das Blatt. Deshalb soll Bögerl auch um einen zeitlichen Aufschub gebeten haben. Das Lösegeld wurde zu spät am vereinbarten Ort abgelegt.

"Der Betrag wurde besorgt"

Der Witwer Thomas Bögerl widersprach am späten Abend der Darstellung, er habe am Entführungstag seiner Frau, dem 12. Mai, darauf Wert gelegt, das geforderte Lösegeld selbst bereitzustellen. "Ich habe nie darauf bestanden, das Lösegeld selbst zu besorgen. Der Betrag wurde besorgt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen", sagte er der Zeitung.

Ermittler schlössen nicht mehr aus, dass der Entführer sich getäuscht fühlte und mit Maria Bögerl die Flucht ergriff oder sie wenig später tötete, schreibt die Zeitung weiter. Die Polizei wollte dies nicht kommentieren.