Die Polizei sucht weiter fieberhaft nach der Bankiersgattin Maria Bögerl - und bestreitet, dass es in dem Entführungsfall zu einer schwerwiegenden Panne kam.
Nach der Sendung Aktenzeichen XY...Ungelöst mit dem dramatischen Appell der Familie des Entführungsopfers hat die Polizei mehr als 100 neue Hinweise erhalten. "Mittlerweile haben wir rund 1050 Hinweise, aber weiterhin fehlt jede Spur zur Entführten", sagte ein Polizeisprecher auf DAPD-Anfrage. Der Ehemann und die beiden Kinder der entführten 54-jährigen Maria Bögerl appellierten unter Tränen an die Täter, Menschlichkeit zu zeigen und sie freizulassen.
Die Polizei sucht nach der entführten Bankiersgattin Maria Bögerl. (© Foto: dpa)
Anzeige
Der 24-jährige Sohn der Entführten sagte in dem Fernsehbeitrag an die Täter gerichtet: "Wir flehen Sie an, die für uns alle so qualvolle Situation positiv zu beenden. Bitte lassen Sie uns wissen, wo sich unsere Mama befindet!" Die 27-jährige Tochter bat die Entführer, "ein Zeichen" zu geben, anzurufen, eine E-Mail oder einen Brief zu schreiben. Der Ehemann Thomas Bögerl sagte: "Ich appelliere an Ihre Menschlichkeit."
Die Polizei sucht weiterhin Zeugen, die zum Zeitpunkt der Geldübergabe Beobachtungen an der Autobahn 7 gemacht haben. Außerdem erhofft sich die Sonderkommission Hinweise über die Herkunft einer Deutschlandflagge, die zur Markierung bei der geplanten Geldübergabe verwendet worden war. Die Belohnung für den entscheidenden Hinweis beträgt 100.000 Euro.
Ein Erfolg der Sendung ist noch nicht absehbar. Doch schon am Schluss der Live-Übertragung aus München konnte Moderator Cerne den ersten möglicherweise sachdienlichen Hinweis bekanntgeben: Ein Besucher des Klosters, in dem der Wagen gefunden worden war, hatte dort am Freitagnachmittag Fotos geschossen - bevor die Polizei das Auto gegen 19 Uhr entdeckte. Ob auf den Fotos Personen zu sehen sind, die mit der Entführung zu tun haben, oder ob es sich nur um Hinweis XY handelt, wird sich herausstellen.
Aktenzeichen XY hatte laut ZDF durchschnittlich 6,46 Millionen Zuschauer - so viele wie seit 1999 nicht mehr.
Geld zurückgelegt
Darüber, was nach der Deponierung des Lösegelds am Mittwoch, 12. Mai, geschah, gibt es unterschiedliche Angaben. Die Bild-Zeitung hatte von einer "Panne" berichtet: Der Müllsack mit dem Geld sei nach 16 Stunden von der Autobahnmeisterei eingesammelt worden, später aber von Polizeibeamten erneut an den Ort zurückgelegt worden.
Zunächst erklärte ein Polizeisprecher auf DAPD-Anfrage, die Polizei habe das Geld nach gut 16 Stunden von der Autobahnmeisterei abholen lassen. Am Nachmittag korrigierte die Polizei diese Angaben jedoch: Mitarbeiter der Autobahnmeisterei seien der Polizei zuvorgekommen, indem sie den Müllsack bei einer "routinemäßigen Kontrolle" abgeholt hätten. "Die geplante Abholung des Geldes durch die Polizei stand aber unmittelbar bevor", betonte ein Sprecher.
Thomas Bögerl hatte mit dem Entführer beim Telefonat am Vormittag des 12. Mai vereinbart, die Kripo nicht einzuschalten. Als das Geld aber nicht abgeholt wurde, informierte er sie.
Nach Ansicht des Kriminalpsychologen Prof. Rudolf Egg haben die Entführer der Bankiersfrau keinen Plan B. Die Tat sei "schlicht geplant" worden, sagte er der Nachrichtenagentur dpa: "Der oder die Täter melden sich vermutlich deshalb nicht mehr, weil sie nach der gescheiterten Übergabe keinen zweiten Plan haben."
Es sei gut möglich, dass sie bei der verabredeten Geldübergabe gestört wurden, sagte der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden. "Sie ist der heikelste Punkt bei einer Entführung, weil die Täter hier aus dem Verborgenen heraustreten müssen." Die meisten Entführungen scheiterten genau daran.
Die Übergabe an der Autobahn 7 bei Heidenheim, im Müllbeutel unter einer Deutschlandfahne, sei zudem "nicht sehr clever" geplant gewesen. Andere Entführer würden da durchdachter zu Werke gehen. Die Vorgehensweise der Täter bedeute eher ein höheres Risiko für die 54-jährige Heidenheimerin, die am Mittwoch vergangener Woche aus dem Haus der Familie entführt worden war. "Mit planvoll handelnden Tätern ist es schon deshalb leichter, weil man mit ihnen kommunizieren kann."
Werde das Opfer bei der Suche in den Wäldern rund um die vereinbarte Übergabestelle nicht gefunden, seien neue Anhaltpunkte wichtig. "Einfach nur irgendwo zu suchen, ist nicht zielführend." Egg hält es für sehr wahrscheinlich, dass jemand hinter dem Verbrechen stehe, der die Verhältnisse der Heidenheimer Familie kennt oder den etwas mit der Sparkasse verbindet.
Das müsse aber nicht bedeuten, dass er der Familie von Maria B. bekannt sei. "Der Kreis der möglichen Täter ist sehr groß." Dass sich in dem Entführungsfall derzeit nichts mehr bewegt, wertete der Psychologe als besorgniserregendes Zeichen. Eine Woche sei natürlich vor allem für die Familie sehr lang. Aussichtslos sei die Lage deshalb aber nicht. "Sie kann natürlich noch gefunden werden."
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
- Thema
- Entführung RSS
- TV-Appell an Entführer von Bankiersgattin "Bitte, bitte, bitte!" 20.05.2010
- Entführte Bankiersgattin Letzte Chance Aktenzeichen XY 19.05.2010
- Entführte Bankiersgattin Fahndung mit Hochdruck 17.05.2010
- Entführung "Bitte geben Sie uns Mama zurück" 14.05.2010
- Video-Appell: Mircos Eltern wenden sich an Täter 27.09.2010
- Natascha Kampusch: "3096 Tage" "Nichts ist nur schwarz und nur weiß" 06.09.2010
- Bub aus Eichenau Ein Kind in den Mühlen der Justiz 14.03.2011
(sueddeutsche.de/DAPD/dpa/pfau/dmo)
Kanzlerin Merkel und die Macht
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
wohl die Abwägung treffen, ob man als Betroffener primär die Rettung des Opfers oder die Festnahme der Täter im Auge hat.
Leider haben fast alle Fälle in der Vergangenheit gezeigt, dass die Polizei durch dilletantisches Vorgehen die Opfer gefährdet.
Man darf sich als Betroffener keiner Illusion hingeben. So sehr, die Polizei bemüht ist, dass Opfer unversehrt zu retten, hat doch die Ergreifung der Täter erste Priorität.
Die Gläubigkeit der Bürger an die Fähigkeiten der Polizei führen deshalb leider immer wieder zu vermeidbaren Opfern.
Man kann als Betroffener nie ausschließen, dass die Täter die Kommunikation der Opfer beoabachten. Deshalb ist es für mich nicht verwunderlich, dass das Lösegeld nicht abgeholt wurde. Offenbar waren die Täter über das Einschalten der Polizei infomiert.
So traurig es klingen mag, aber der Rat müßte lauten: Retten sie zuerst ihre Angehörigen und übergeben sie dann alle Informationen der Polizei.
Was nützt ihnen ein geschädigtes Opfer, wenn die Polizei das Erfolgserlebnis eines aufgeklärten Verbrechens vorweisen kann.
Und nur daran ist sie primär interessiert.
"Mittlerweile haben wir rund 1.050 Hinweise"
--------
Klar, massig Leute sind scharf auf die 100.000 EUR.