Vier Monate waren Jonas, Benjamin, Miriam und Lisa verschwunden. Der eigene Vater hatte die vier Kinder aus Niedersachsen entführt - jetzt wurden sie in Ägypten aufgespürt. Der spektakuläre Fall ist die Geschichte eines Mannes, dessen Glaube sich radikalisierte - und seine Familie ins Unglück stürzte. Eine Spurensuche.
136 Tage musste Katja Hüls um das Leben von Jonas, Benjamin, Miriam und Lisa bangen. Der eigene Vater hatte sie aus dem niedersächsischen Hermannsburg verschleppt, bis er mit ihnen am Mittwoch in Ägypten aufgespürt wurde. Die vier Kinder im Alter von vier bis neun Jahren sind mittlerweile wieder zurück in Deutschland. Nach ersten Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft geht es ihnen gut.
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Die Chronologie der Entführung: Klicken Sie in die Grafik für eine vergrößerte Darstellung. (© SZ-Graphik)
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Die Mutter zeigte sich über den Ausgang des Entführungsdramas erleichtert: "Ich bin überglücklich und unendlich dankbar, dass meine Kinder wieder bei mir sind", ließ sie mitteilen. Axel Hüls wurde festgenommen und sollte noch am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden.
Christliche Radikalisierung
Der Glaube des Vaters hat die Kinder in die dramatische Lage gebracht, vermutet sein Umfeld. Bereits 2005, Jonas und Benjamin waren gerade ein und zwei Jahre alt, tritt Axel Hüls aus der Kirche aus. Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche, von Kritikern ohnehin schon als konservativ angesehen, sei dem gelernten Krankenpfleger plötzlich zu liberal gewesen, wie sich Pastor Hans-Heinrich Heine von der Großen Kreuzgemeinde in Hermannsburg erinnert.
Seine Töchter Miriam und Lisa lässt Hüls demnach gar nicht mehr taufen. Seiner Frau verbietet er, in den Sonntagsgottesdienst zu gehen. Auch Auto fahren darf sie bald nicht mehr. Hüls habe gern aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser zitiert, sagt Pastor Heine: "Die Weiber seien untertan ihren Männern als dem Herrn."
Ehemalige Freunde beschreiben ihn als "sehr dominanten Charakter". Vor zwei Jahren trennt sich seine Frau von ihm. Ein Gericht spricht ihr später das Sorgerecht zu. Die richterliche Entscheidung widerspricht Hüls' "radikalem Frauenbild". Darin, glaubt Pastor Heine, könnte der Grund liegen, warum er schließlich seine Kinder entführt. "Er hat als Mann allein die Entscheidung getroffen, wie die Kinder zu leben haben."
Am Ostermontag 2011 klingelt Hüls an einem schlichten Reihenhaus am Ortsrand von Hermannsburg. Seit sich seine Frau Katja von ihm getrennt hat, lebt die Altenpflegerin hier mit ihren Kindern. Miriam und Lisa sitzen oft auf der roten Schaukel im Garten hinter dem Haus, Jonas und Benjamin kicken auf das graue Fußballtor. Heute sollen die vier mit ihrem Vater eine Radtour machen. Katja winkt noch kurz, dann sind die Kinder fort.
Um halb zwei will die Mutter sie in der Wohnung ihres Ex-Mannes abholen, so hat sie es mit ihm ausgemacht. Als Katja Hüls in der Harmsstraße ankommt, sind er und die Kinder aber nicht da. "Ich habe schon nach einer halben Stunde gedacht, er ist weg mit den Kindern", erzählt sie später bei Stern TV. Dass Axel Hüls die Pässe, Geburtsurkunden und Sparbücher der Kinder mitgenommen hat, bemerkt sie erst später. Sie ruft die Polizei.
Der Vater und die vier Kinder sind da schon nicht mehr in Deutschland: Sie waren um 12:30 Uhr mit einer Condor-Maschine vom Flughafen Hannover abgehoben. Ziel ist Ägypten. Flug DE1852 landet um 16:45 Uhr Ortszeit auf dem Internationalen Flughafen von Hurghada, dem größten Touristenort am Roten Meer. Jeden Tag planschen hier Hunderte Deutsche mit ihren Kindern am weißen Sandstrand, übernachten in einem der Dutzenden Hotels. Hier fällt Hüls mit seinen Kindern nicht auf.
Zu den wenigen Sehenswürdigkeiten gehören die koptische Kirche in der Sulaiman-Mazhar-Straße sowie zwei christliche Klöster etwas außerhalb, in der Wüste. Eine deutsche Lokalzeitung schreibt später, irgendwo hier habe Axel Hüls Kontakt mit christlichen Fundamentalisten aufgenommen. Das Geld für die Reise habe er von den Konten der Kinder abgehoben.
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Ich finde, dass ist das schlimme wenn man seinen Glauben falsch auslegt und ihn für seine eigenen manipulativen Zwecke missbraucht.
Ich bin immer der Meinung jeder soll selbst entscheiden, was er glauben möchte.
Ich finde es nicht richtig, Kindern von klein auf irgendwas einzutrichtern, wo sie noch gar nicht selbst entscheiden können, ob sie das auch wirklich wollen. (Unabhängig von diesem Artikel.)
Was bitte ist ein christlicher Fundi?
jemand, der sich an das hält, was Jesus sagt!
Sicherlich nicht, dass ein Vater seine Kinder entführen soll.
Jesus hätte gesagt: Liebe deine Frau wie dich selbst. Nimm dich nicht so wichtig! Sei sanftmütig!
Also war und ist dieser verrückte ein Verwirrter. Sicherlich aber falsch ist die Wortwahl christl. Fundamentalist. Das ist Mobbing. und Lüge. Typisch SZ!
So liest sich zumindest der Artikel. Aber noch sind die Kinder nicht zu Hause und was passiert mit dem Vater. Er wird wohl bestraft werden. Wird er eingesperrt? Wie lange? Und was ist, wenn er dann irgendwann wieder raus ist?
Also diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.
""Alles unter dem Motto Gott richtet es schon da brauche ich nicht mehr denken.""
Das tut er zwar, aber man muss mitdenken und logisch folgerichtig dann handeln.
Dass die Frau dem Manne untertan sein soll hat Gott schon dem Adam gesagt. hihi :o))
Dieser Kommentar ist wieder einer Ihrer Schlechteren.
Fast alle überzeugten Christen die ich kenne, denken eher mehr als weniger! Sie fragen sich eher als nicht Religiöse, ob das, was sie tun, auch im Sinne ihres Glaubens ist.
Nicht immer kommen sie dabei zu dem selben Schluss, den die Kirche offiziell vertritt, denn letztlich ist es etwas, was man zwischen sich, seiner Gemeinde, seiner Umgebung und nicht zuletzt auch Gott ausmachen muss!
Von meiner Kirche würde ich mir auch weit mehr Liberalität wünschen, die ausdrücklich auch konservativere Ansichten für den einzelnen Gläubigen zulässt - aber nicht vorschreibt!
Aber gerade dieser Fall zeigt ja, dass Kirchen mit einer Struktur sehr wohl vor einer übersteigerten Radikalisierung schützen können!
Radikale Christen gibt es im Bereich der "Freikirchen" sehr viel häufiger als etwa bei den Katholiken oder Orthodoxen!
Paging