Ein englischer Lord soll eine Frau belästigt haben. Nun stand er vor Gericht. Mister Bean hätte an der Verhandlung seine Freude gehabt.
Einen Mann wie Sir Stephen Richards lediglich als eine Säule der Gesellschaft zu bezeichnen, wäre fast schon eine Beleidigung.
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(© Foto:)
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Schließlich ist der Mann mit einem Jahresverdienst von knapp 200 000 Pfund (300 000 Euro) Lordrichter am Londoner Appellationsgericht, er war bis vor kurzem Vorsitzender des Beirates des noblen Kings College London, wurde von der Königin zum Ritter des Reiches geschlagen, ist seit 31 Jahren mit derselben Frau verheiratet und stolz auf drei erwachsene Kinder sowie auf sein schmuckes Einfamilienhaus im teuren Vorort Wimbledon.
Eine Säule nur? Lachhaft. Sir Stephen ist eher ein Atlas, auf dessen Schultern das Gewölbe des britischen Establishments ruht.
Daher wirkte es denn auch wie ein besonders gelungener Sketch des Komikers Mister Bean, als Sir Stephen auf der Anklagebank des Amtsgerichtes des Bezirkes Westminster Platz nahm und seinem Aktenkoffer feierlich ein Exemplar jener Unterhosen entnahm, die er nach eigenen Worten im allgemeinen trägt: Calvin Klein, schwarz, Slips, nicht Shorts, kein Feinripp und ohne Eingriff - ganz schön flott mithin für einen Herren von 56 Jahren.
"Wenn ich pinkeln würde, würde ich beide Hände benutzen"
Flott, und letztlich auch entlastend: Denn seine Lordschaft erläuterte mit unbewegter Miene, dass er wegen Passform und körperbetontem Schnitt des Kleidungsstückes gemeinhin beide Hände brauche, um seine Männlichkeit gegebenenfalls daraus hervorzukramen:
"Wenn ich pinkeln würde, würde ich beide Hände benutzen", gab er zu Protokoll. Das sei "die natürliche Art es zu tun", fügte er hinzu, und somit auch der Beweis dafür, dass er gar nicht getan haben konnte, weswegen er angeklagt sei:
"Absichtlich seine Genitalien mit dem Ziel entblößt zu haben, dass jemand sie sieht und davon alarmiert oder bedrängt wird" - wie es etwas gewunden die Anklageschrift formulierte.
Zweimal im vergangenen Oktober soll der Richter in einem überfüllten Vorortzug zwischen Wimbledon und Waterloo die Hose geöffnet und einer Mitreisenden den Penis entgegengereckt haben.
Sir Stephens Verteidigung beschränkte sich freilich nicht nur darauf nachzuweisen, dass er rein technisch nicht zum Exhibitionismus in der Lage gewesen sein konnte, ganz abgesehen davon, dass diese Operation - beidhändig durchgeführt und dicht umstellt von Pendlern in einem vollen Waggon - "absurd riskant" gewesen sei.
Vielmehr beziehe er keinerlei "Befriedigung" durch die Zurschaustellung intimer Körperzonen: "Ich habe keinen Wunsch, mich auf so ein Verhalten einzulassen. Ich bin ein glücklich verheirateter Mann", bekräftigte der Richter.
Die mutmaßlich belästigte Frau hatte zunächst angenommen, dass dem "präsentablen" und "sehr netten" Herrn im Zugabteil unabsichtlich etwas aus der Hose gerutscht sei. Erst bei einem zweiten Vorfall einige Tage später sei sie misstrauisch geworden und habe den Mann mit ihrem Mobiltelefon fotografiert.
Für Sir Stephen zahlte es sich letzten Endes aus, dass er seine saubere Wäsche in aller Öffentlichkeit herumzeigte: Er wurde freigesprochen.
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(SZ vom 14.6.2007)
Bundespräsident Gauck in Jerusalem
Das sind diese "Ehrenmänner", die mir so suspekt sind.
Gut zu wissen - das Wort "Gemächt" verstößt also nicht gegen die Netiquette ;)
Und wo bleibt das mit dem Mobiltelefon der mutmaßlich belästigten Frau gemachte Foto?