Von Philipp Crone

Ende der Großtierhaltung: Aufgrund von "artwidrigen Bewegungsweisen" steht dem Zirkus eine Zukunft ohne Elefanten und Tiger bevor.

Mensch und Elefant - ihre Gemeinschaft steht für eine lange Tradition. Der Karthager Hannibal hat sie schon mit über die Alpen genommen, Alexander den Großen hielten sie bei seinen Eroberungen auf.

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Zirkusleben ade? Tierschützer werfen dem Circus Krone "artwidrige Bewegungsweise" bei Elefanten vor. (© Foto: dpa)

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Der Elefant gilt als Zeichen der Macht. Wer soll schon jemandem widerstehen, der das größte Landlebewesen der Erde zähmen kann? Heute wird der Elefant in Tourneen auf der ganzen Welt präsentiert. In der Natur ist er bedroht, im Zirkus spielt er heile Welt.

Er kommt mit dem Zirkus zu den Menschen. Nun sieht es so aus, als würde sich das bald ändern. Denn die Lebensumstände der grauen Kolosse lassen zu wünschen übrig, wie jetzt Europas größtem Zirkus, dem Circus Krone in München, vorgeworfen wird.

Mitarbeiter des Amtes für Veterinär- und Verbraucherschutz Darmstadt hatten Mängel bei Unterbringung und Behandlung der Tiere festgestellt. Beispiel: Es sei eine "artwidrige Bewegungsweise", wenn man die Tiere "zum Kopfstand" zwinge, meinten die Veterinäre. Sie verhängten ein Bußgeld von 2500 Euro.

Dabei sind die natürlichen Bewegungen eines Elefanten doch spektakulär genug, sagt Alex Rübel, Direktor des Züricher Zoos, der eng mit dem bekannten Schweizer Zirkus Knie zusammenarbeitet: "Die Tiere stellen sich zum Beispiel bei der Nahrungssuche oft auf die Hinterbeine, um an Blätter in den Bäumen heranzukommen." Bei der Dressur im Zirkus Knie würden nur natürliche Verhaltensweisen trainiert, sagt Rübel.

Die Schritte gegen Krone sind aber nur ein Vorbote dessen, was dem Zirkus, diesem nostalgischen Schauspiel der Alltagsunterhaltung, noch drohen wird: das Ende der Großtierhaltung. Wie schnell das gehen kann, zeigt das Beispiel Österreich. Dort ist seit 2007 nach einer Debatte mit der EU-Kommission der Auftritt von Wildtieren in Zirkussen vollständig verboten. Vier Jahre zuvor hatte das der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) schon in Deutschland versucht - erfolglos.

Partnerschaften zwischen Zoos und Tierparks

Das Wichtigste sei, dass die Tiere genügend Auslauf hätten, sagt Zoodirektor Rübel. Tierschutzorganisationen beanstanden beim Cirkus Krone die Unterbringung auf engem Raum und die Haltung der Tiere mit Fußfesseln. Peter Dollinger, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Zoodirektoren, sagt dazu: "Man muss die Tiere ja fixieren können, um ihnen zum Beispiel die Nägel zu schneiden.

Allerdings sollten sie Fußfesseln nicht zehn Stunden, sondern nur eine pro Tag tragen müssen." Es sei aber grundsätzlich möglich, Elefanten und andere Wildtiere artgerecht zu halten. "Aber es gibt insgesamt mehr schlechte als gute Zirkushaltung." Er rechnet damit, dass es in zehn Jahren zwar noch Elefanten im Zirkus geben wird, "aber viel weniger als heute".

Und so ein Elefant kostet. Eine Million Euro pro Jahr, schätzt Felix Weber, Direktor des Tierparks Goldau in der Schweiz. "Die Zirkusbetreiber werden sich in Zukunft auf ganz wenige Tiere und Arten spezialisieren müssen", sagt Weber. Für die könnten sie dann leichter eine artgerechte Unterbringung garantieren als derzeit, wo noch die Fülle das Angebot attraktiv machen soll: Löwen, Tiger, Flusspferde, Kamele und eben Elefanten.

Weber vermutet, dass es stattdessen schon in zehn Jahren Partnerschaften zwischen Tierparks und Zirkussen geben wird. "Da treten dann Tiere an einem festen Ort als Attraktion auf." Der Elefant wird also bald nicht mehr zum Menschen, sondern der Mensch zum Elefanten kommen müssen.

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(SZ vom 27.12.2008/cag)