El Salvador Frau erleidet Totgeburt - und wird wegen Mordes zu 30 Jahren Haft verurteilt

Teodora de Carmen Vásquez mit Justizbeamtinnen nach der Anhörung über eine Revision ihres Urteils in San Salvador.

(Foto: AFP)
  • Direkt nach ihrer Niederkunft 2008 wurde Teodora del Carmen Vásquez in El Salvador verhaftet.
  • Ein Gericht verurteilte sie wegen Mordes an dem Kind - sie selbst sagt, sie habe eine Fehlgeburt erlitten.
  • Ihr Berufungsantrag nach zehn Jahren Haft wurde jetzt abgeschmettert - Vásquez muss wohl weitere 20 Jahre hinter Gittern bleiben.

"Teodora del Carmen Vásquez war bei der Arbeit, als sie plötzlich starke Schmerzen spürte. Sie konnte noch den Notarzt rufen, dann verlor sie das Bewusstsein und erlitt eine Fehlgeburt. Während sie blutüberströmt dalag, kam die Polizei, legte ihr Handschellen an und nahm sie wegen Mordverdachtes fest."

So beschreibt Amnesty International den Fall einer heute 36-jährigen Frau aus El Salvador, die 2008 zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde - wegen Mordes an dem Kind. Nun, nach zehn Jahren im Gefängnis, hat ein Gericht ihren Berufungsantrag gegen die Strafe abgelehnt.

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Hintergrund ist das Abtreibungsgesetz in ihrem Land, das als strengstes weltweit gelten kann: Die Staatsanwaltschaft warf Vásquez seinerzeit einen Schwangerschaftsabbruch vor - das ist in El Salvador wie auch im Nachbarstaat Nicaragua ausnahmslos verboten. Ob die Schwangere vergewaltigt wurde, Gefahr für ihre Gesundheit oder ihr Leben besteht - das alles spielt dabei keine Rolle. Die Strafe für einen Schwangerschaftsabbruch beträgt in El Salvador normalerweise acht Jahre, aber in vielen Fällen werden die Frauen wegen Mordes angeklagt. Dann beträgt die Haftstrafe 30 Jahre.

Die damals 26-jährige Vásquez beteuerte wie schon in erster Instanz, dass sie eine Fehlgeburt erlitt, ihre Anwälte machten geltend, dass das Baby als Totgeburt zur Welt gekommen sei. Erst nach ihrer Festnahme habe man Vásquez außerdem in ein Krankenhaus gebracht. Das Gericht berief sich auf den Obduktionsbericht der Regierung, demzufolge das Baby lebendig zur Welt gekommen und anschließend erstickt worden sei.

Das nun ergangene Urteil des Berufungsgerichts, dass ihre Haftstrafe für weitere 20 Jahre in Kraft bleibt, wurde von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International scharf kritisiert.

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Erst in der vergangenen Woche hatte der UN-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein bei einem Besuch in El Salvador an Präsident Salvador Sánchez Cerén appelliert, den Strafrechtsartikel bei Schwangerschaftsabbruch nicht anzuwenden und alle Fälle von verurteilten Frauen neu zu verhandeln. Mindestens 17 Frauen sitzen derzeit in El Salvador wegen ähnlicher Fälle in Haft.