Eisbär Knut Trauer um den Polarprinzen

Fans des verendeten Berliner Eisbären protestieren gegen Zoodirektor Blaszkiewitz - weil Knuts Kadaver nun ins Museum soll.

Von Malte Conradi

Ja natürlich, die Fahrt ist weit von Heidelberg bis vor die Tore des Berliner Zoos. Aber es wird sich lohnen und der Verstorbene hat den Aufwand einfach verdient, da ist die junge Frau sich ganz sicher. Am kommenden Samstag will sie in der Hauptstadt an einer Mahnwache teilnehmen, mit der des verstorbenen Eisbären Knut gedacht werden und, noch wichtiger, protestiert werden soll.

"Extreme Vermenschlichung"? Die Trauer um Knut hält an.

(Foto: dapd)

Nach einer Woche der Trauer, so scheint es, erwacht die Wut in Knuts Fans. Gegen wen sie sich richtet, ist eine ausgemachte Sache: Der Berliner Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz ist der Bösewicht in diesem Berliner Rührstück um einen tragisch verstorbenen Helden. In fast 9000 Einträgen im digitalen Gedenkbuch des Zoos, in eilig erstellten Internetforen und auf Facebook protestieren Menschen nun dagegen, Knuts Körper auszustopfen. Das Boulevardblatt B.Z. lässt seine Leser über die Frage abstimmen, auf Berliner Plätzen sammeln Aktivisten Unterschriften.

Dass von "Ausstopfen" gar keine Rede sein kann, stört die Fans dabei wenig. Zoodirektor Blaszkiewitz hatte lediglich angekündigt, dass Knuts sterbliche Überreste zur Forschung an das örtliche Naturkundemuseum übergeben werden soll - wie bereits hundertfach zuvor praktiziert. Das Museum stellte am Wochenende klar, dass noch gar nicht entschieden sei, was mit dem Kadaver geschehen solle. Nur ein kleiner Teil der wissenschaftlichen Sammlung von mehr als 30 Millionen Exemplaren werde ausgestellt. Und auch die Exponate würden schon lange nicht mehr "ausgestopft". Vielmehr werden Kunststoffkörper mit dem Fell der verstorbenen Tiere überzogen.

Doch ob ausgestopft oder nicht, für die selbsternannten Freunde Knuts ist die Sache klar: Auch nach seinem Tod solle mit Knut noch Kasse gemacht werden, lautet der Tenor in den Gedenkbüchern und Foren. Zoodirektor Blaszkiewitz habe in den vergangenen Jahren Millionen an dem Eisbären verdient und das Tier aus purer Geldgier nicht artgerecht gehalten. Auffällig ist, dass solche Vorwürfe nicht selten von Nutzern kommen, die im selben Eintrag von den zahlreichen Besuchen bei "ihrem Knut" und von ihren Plüsch-Knuts berichten. Ganz unbeteiligt an dem Rummel waren diese Menschen also offenbar nicht.

Blaszkiewitz' Popularität dürfte nicht geholfen haben, dass er in einem Zeitungsinterview feststellte, die Vermenschlichung des prominenten Eisbären habe extreme Züge angenommen. Zuvor hatten Knut-Verehrer eine Todesanzeige im Berliner Tagesspiegel veröffentlicht. "Du hattest das Leben eines Polarprinzen verdient", hieß es dort.

Experten befürchten übrigens, Eisbären könnten in etwa 40 Jahren aussterben, sollte der Klimawandel unverändert fortschreiten.