Einbürgerungs-Fragebogen "Der Anspruch ist zu hoch"

Die Idee unterstützt er, allein das Wie behagt ihm nicht: Der Frankfurter Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki findet den hessischen Einwanderungstest zu anspruchsvoll. Er sei sich nicht einmal sicher, ob er ihn selbst bestehen würde.

"Wohl nur teilweise, ganz sicher bin ich mir da nicht", sagte Reich-Ranicki in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Einbürgerungstest Einbürgerungs-Fragebogen

Man bedenke: Selbst ein Reich-Ranicki hat bei dem Test Probleme.

(Foto: Foto: AP)

Zumindest als er 1958 aus Polen nach Deutschland kam, hätte er nicht alle Fragen beantworten können. "Fragen, die den Sport betreffen, hätte ich mit Sicherheit nicht beantworten können. Heute wird nach dem 'Wunder von Bern' gefragt und heute weiß ich, was das ist: Die deutsche Mannschaft wurde 1954 Fußball-Weltmeister, und niemand hatte damit gerechnet. Damals wusste ich es nicht. Dabei lag die Sache erst vier Jahre zurück."

Reich-Ranicki nannte noch ein anderes Beispiel: "Nehmen wir die Frage 67: 'Wie heißt die Vertretung der deutschen Länder auf Bundesebene?' Ich weiß es nicht. Ist es vielleicht der Bundesrat? Schon möglich, aber sicher bin ich mir nicht."

Zu der Frage nach einem Bild der Kreidefelsen auf Rügen von Caspar David Friedrich sagte Reich-Ranicki: "Ein schönes Bild, ja. Aber muss man das wissen?"Die Fragen seien zu kompliziert. "Wenn man bedenkt - und das muss man ja bedenken -, dass diese Fragen ja auch von Putzfrauen und Pförtnern beantwortet werden sollen, dann sind sie freilich falsch ausgewählt, dann ist der Anspruch zu hoch."

Im Prinzip sei das Verfahren mit dem Fragebogen allerdings nicht falsch. "Das ganze Verfahren ist wohl genauso sinnvoll, wie der Fragebogen, den man ausfüllen muss, wenn man den Führerschein haben will. Niemand beherrscht alle Verkehrsregeln, aber die meisten Menschen bestehen die Prüfung, weil sie vom Fahrlehrer entsprechend vorbereitet wurden".