Im Tierheim München-Riem werden lebende Geschenke abgegeben - Pfleger raten, die Anschaffung eines Kaninchens gut zu überlegen.
In der Mitte des Stalls steht eine Futterkrippe; darin liegt "Brownie" und knabbert an einer Karotte. Um Brownie herum tummeln sich zahlreiche andere Kaninchen verschiedenster Schattierungen und Musterungen.
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Oft landen verschenkte Hasen im Tierheim. (© Foto: sp)
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Richtig gemütlich sieht es in dem Gehege aus: Der Boden ist kuschelig mit Heu ausgelegt, im Gehege sind zwischen den Hasenhäuschen reich gefüllte Futternäpfe verteilt. Das größte der Häuschen, mit schmucker Holzverzierung, trägt den Namen "Hilton".
Kaninchenleben im Tierheim München-Riem. Doch die Idylle trügt. "Jetzt trudeln langsam die Kaninchen ein, die an Weihnachten verschenkt wurden", sagt Corinna Weber, eine der Pflegerinnen im Tierheim. "Die Leute merken, dass so ein Tier doch Arbeit macht, Zeit und Geld kostet."
Nach den Feiertagen werden die Geschenke dann oft einfach wieder abgegeben. Zwar verlangt das Tierheim eine Aufnahmegebühr für abgegebene Tiere, wenn jemand diese aber nicht bezahlen kann, wird das Tier trotzdem aufgenommen.
Derzeit leben etwa 130 Kaninchen im Tierheim. Das Kaninchenhaus ist zwar schon jetzt überfüllt. Und trotzdem rechnen die Verantwortlichen damit, dass nach Ostern mindestens weitere 70 Tiere zu ihnen kommen werden. Im Erdgeschoss des Tierheims haben die Kaninchen ein großes Auslaufgehege, wo sie sich frei bewegen können.
Werden es dort zu viele, müssen die Neuankömmlinge zuerst im Keller dort warten, bis ein Platz im Erdgeschoss frei wird. Im Keller werden zudem kranke und gerade erst abgegebene Tiere in Quarantäne gehalten. Und auch Zwergkaninchenmütter mit ihren Babys sind hier untergebracht.
Um sie kümmern sich die 13- und 14-jährigen Schülerinnen Fini und Lisa, die freiwillig ihre Osterferien im Tierheim verbringen. Vor zwei Wochen erst sind die sechs Kaninchen zur Welt gekommen, die sich jetzt eng an ihre Mutter Lissi kuscheln und dort Wärme suchen.
Der Osterhase bringt zu Ostern nicht nur Schokoladen-Osterhasen. Viele Eltern verschenken auch einen lebenden Osterhasen. Im Zuge der ersten Begeisterung vergessen viele aber, dass die Haltung der Tiere Geld und Zeit in Anspruch nimmt.
Zudem, rät Tierpfleger Alexander Felbermeir, sollte man vor dem Kauf abklären, ob ein Familienmitglied allergisch auf Kaninchen reagiert. "Die Leute können von uns auch Fellproben bekommen, um austesten zu lassen, ob sie allergisch sind", sagt Felbermeir. Außerdem brauchen Kaninchen einen großen Käfig und viel Auslaufmöglichkeit, am besten im Grünen.
"Die Finger sollte man von den im Handel erhältlichen Getreidemischungen lassen", erklärt Pflegerin Corinna Weber. Da der Kaninchendarm kein Getreide verdauen kann, füttert man am besten ausschließlich Heu und Rohkost. Zudem können sich die Zähne der Tiere an den Körnern nicht ausreichend abreiben.
Enttäuscht sollten die Kinder auch nicht sein, wenn die Kaninchen anfangs etwas zurückhaltend sind und eine Eingewöhnungsphase brauchen. Denn das Kaninchen ist nicht das klassische Kuscheltier, als das viele Menschen es sich vorstellen. Kaninchen haben einen starken Bewegungsdrang, lassen sich nicht stundenlang auf dem Schoß halten, sondern rasen plötzlich los und schlagen Haken. Wenn Kaninchen aggressiv werden, kann der Halter sich auch verletzen.
Kaninchen sind Gruppentiere, sie werden vom Tierheim nur paarweise abgegeben. An jeder Tür eines Geheges hängt ein Zettel, auf dem genau geregelt ist, welches Kaninchen mit welchem abgegeben werden darf. Meistens bestehen die Paare aus einem Weibchen und einem Männchen.
Aber auch gleichgeschlechtliche Paarungen sind nicht ungewöhnlich. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Kaninchens beträgt bei richtiger Pflege um die zehn Jahre, unter Umständen sogar bis zu 12 Jahre. Gerade deshalb sollte, so erklären die Kaninchen-Berater aus dem Tierheim, man die Anschaffung eines Kaninchens genau überlegen.
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(SZ vom 7.4.2007)
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