Ein Anruf bei ... Der Mann, der einem Kunstwerk ein Knöllchen verpasste

Vorderräder im Halteverbot? Macht 30 Euro: Wurm-Kunst mit Knöllchen.

(Foto: ZKM)

Ein Ordnungsbeamter in Karlsruhe hängt einen Strafzettel an eine Installation des Künstlers Erwin Wurm. Im Interview mit der SZ erklärt er, warum er die Aufregung nicht versteht.

Von Martin Zips

Herr M., 54, ist einer von 18 Vollzugsbediensteten im kommunalen Ordnungsdienst der Stadt Karlsruhe. Da er Verwarnungen schreibt, möchte er seinen Namen nirgends in der Zeitung lesen. International bekannt geworden ist er trotzdem.

SZ: Herr M., was ist Ihre Aufgabe als Vollzugsbediensteter?

M.: Ich sorge für die öffentliche Sicherheit und Ordnung hier. Im Gegensatz zum gemeindlichen Vollzugsdienst verteile ich Knöllchen nur bei größeren Verstößen.

Der an die Wand gelehnte Autotransporter des Österreichers Erwin Wurm, den hielten Sie für einen größeren Verstoß?

Nein. Das war als kleine humoristische Aktion gedacht. Eine Schmunzeleinlage, die ich mir gemeinsam mit meinem Kollegen am vergangenen Freitag ausgedacht habe. Wir wollten den Menschen zum 300. Stadtgeburtstag einfach nur ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Erwin Wurm: Sagte Ihnen der Name schon vorher was?

Ich war mal im Karlsruher ZKM, im Zentrum für Kunst und Medientechnologie. Dort stand auch so ein verbogenes Auto von ihm.

Wurm gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Künstlern. Zu seiner Spezialität gehört es, Alltagsgegenstände lustig zu verändern.

Es würde mich freuen, wenn Herr Wurm auch an meiner Aktion Gefallen fand.

Herr M., Sie stehen mit Ihrer Aktion in der Tradition des Düsseldorfer Hausmeisters, der einst einen Fettklumpen von Joseph Beuys entfernte.

Ich hätte nicht gedacht, dass mein kleiner Scherz derart große Kreise zieht. Auch internationale Medien haben darüber berichtet. Dies ist mein erstes Interview. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, vor lauter Aufregung wegen der Sache. Glücklicherweise steht das Ordnungsamt und der OB ganz hinter mir.

Das wäre ja auch noch schöner.

Der Ordnungsamtsleiter hat gerade sogar gelacht, als er mich gesehen hat.

Waren Sie schon als Schüler lustig?

Wir haben mal einen frechen Mitschüler mit zwei Schals an einem Kleiderbügel festgebunden und zehn Minuten in der Garderobe hängen lassen. Das war schon lustig, gab aber fast einen Schulverweis.

Wer bezahlt die Verwarnung jetzt?

Die muss niemand bezahlen. Wir haben den Auftrag später wieder gelöscht.

Und was ist aus dem Knöllchenpapier geworden?

Das habe ich wieder vom Kunstwerk abgenommen. Nach zirka zwei Stunden. Es handelte sich nur um eine befristete Aktion.

Wissen Sie was, Herr M.? Auch mit Ihrem Knöllchen haben Sie Kunst geschaffen. Denn jeder Mensch ist ein Künstler. Sagt Beuys. Würden Sie Wurm heißen, so wär' Ihr Zettel Zehntausende Euro Wert.

Ich muss gleich echt mal nachsehen, wo der ist.

Interessieren Sie sich auch privat für Kunst?

Aus Italien habe ich mir mal ein paar handgemalte Bilder mitgebracht.