Borussia Dortmund Anklage wegen versuchten Mordes nach Anschlag auf BVB-Bus

Beim Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hatte es drei Explosionen gegeben.

(Foto: dpa)

Der 28-jährige Sergej W. soll im April den Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt haben.

Von Hans Leyendecker

Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat den 28-jährigen Sergej W. wegen versuchten Mordes angeklagt. Der Deutschrusse soll im April den Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt haben. W. hatte zuvor mit Optionsscheinen auf einen Absturz der BVB-Aktie spekuliert. Er war wenige Tage nach dem Anschlag festgenommen worden.

Die Ermittlungen wurden von Spezialisten des Bundeskriminalamts (BKA) durchgeführt. Die Ergebnisse der Besonderen Aufbauorganisation "Pott" sind in fast siebzig Ordnern zusammengefasst.

Aus Sicht der BKA-Beamten steht fest, dass W. der Täter war. Die Indizienkette haben sie in einem detailreichen Abschlussbericht aufgelistet.

Zunächst hatten die Kriminalbeamten für den Generalbundesanwalt in dem Fall ermittelt. Die Ermittlungen waren ursprünglich von Karlsruhe übernommen worden, weil am Tatort in Dortmund drei Bekennerscheiben aufgetaucht waren. Darin wurde ein radikal-islamistisches Tatmotiv behauptet. Dies war eine Spur, die offenbar von W. gelegt worden war, um die Ermittler in die Irre zu führen. Das Vokabular war eine Mischung aus der linken, der rechten und der islamistischen Szene. Dadurch stand früh fest, dass der Täter aus keinem dieser Milieus stammt.

Das Motiv Geldgier kam früh ins Spiel und damit war auch die Bundesanwaltschaft wieder raus. Ein Staatsschutzdelikt von besonderer Bedeutung, das für Ermittlungen der Bundesanwaltschaft die Voraussetzung ist, lag nicht vor. Der Fall wurde Mitte Mai an die Staatsanwaltschaft Dortmund abgegeben. Gut drei Monate später, Anfang dieser Woche, war die Anklage fertiggestellt. Das Landgericht Dortmund muss jetzt entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird. Es ist nicht damit zu rechnen, dass ein Prozess noch in diesem Jahr beginnen wird. Sergej W. hat weder gestanden, noch den Tatvorwurf bestritten. Er schweigt.

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