Drogenhandel im Görlitzer Park Ruppig und struppig wird der Görli immer bleiben

Dass nichtsdestotrotz andere Wege existieren, das soll den Verkäufern im Park nun auch Katharina Oguntoye vermitteln. Die 54-jährige Deutsche hat einen nigerianischen Vater und die ersten Jahre ihrer Kindheit in dessen Heimatland gelebt. Seit 16 Jahren betreibt sie in der Görlitzer Straße den interkulturellen Verein Joliba und hilft in Berlin lebenden afrikanischen Familien.

Joliba hat einen Flyer entworfen, der an die Dealer verteilt werden soll. In vier Sprachen wird darauf erklärt, dass die Männer bitte keine Jugendlichen ansprechen sollen und keine zu großen Gruppen an den Parkeingängen bilden und sich freundlich und respektvoll verhalten sollen. Auf der Rückseite weist Joliba auf sein Angebot hin: Beratung, Deutschkurse, Computerbenutzung, Nähmöglichkeiten.

"Viele afrikanische Männer nähen gerne", sagt Oguntoye. Sie ist in den letzten Tagen gemeinsam mit einem ghanaischen Sozialarbeiter durch den Park gegangen. "60 Leute haben wir angesprochen - fast alle haben positiv darauf reagiert, dass sich überhaupt jemand für sie interessiert. Fast alle haben gesagt, dass sie gern Deutsch lernen wollen, die meisten würden gerne arbeiten." Mehrere kamen danach in die Vereinswohnung zum Gespräch. Eine ähnliche Erfahrung hat auch Andreas Teuchert beim Anlegen des kleinen Gartenstücks im Park gemacht. Drei von den am Parkeingang stehenden Männern hätten beim Buddeln mitgeholfen und würden nun regelmäßig gießen.

Selbst wenn das Dealen - durch welche Maßnahmen auch immer - weniger oder ganz aufhören würde, ruppig und struppig wird der Görlitzer Park wohl immer bleiben. Teuchert findet: "Es ist auch eine Qualität dieses Ortes, dass hier gesellschaftliche Widersprüche sichtbar sind." Eine Haltung, die diejenigen Anwohner, die den Park gern als Erholungsgebiet und nicht als Beobachtungsfeld für soziale Missstände nutzen möchten, wahrscheinlich nicht teilen werden.