Drittes Reich: Hundetraining Bismarckdogge, besonders begnadet

Kann man sich den Unterricht etwa so vorstellen wie in Professor Habakuk Tibatongs Tiersprechschule auf der Insel Titiwu, wo Urmel aus dem Eis, Wawa der Waran und Seele-Fant an ihrer Aussprache feilen? So ähnlich, aber auf einer höheren fachlichen Ebene: "Tierkommunikation und Tierpsychologie wurden damals erstaunlich ernst genommen", sagt Autor Bondeson, der fünf Jahre lang für sein Werk in historischen Fachzeitschriften recherchierte. In der Staatsbibliothek Berlin fand der Mediziner eine ganze Reihe von Quellen, die über angeblich hochbegabte Hunde berichteten.

Frauchen mit Hund mitten im Training: Mit menschlicher Stimme soll Jagdhund Don gesagt haben: "Hunger! Kuchen haben!"

(Foto: aus dem Buch "Amazing Dogs" von Jan Bondeson, Amberley Publishing)

Kurwenal, ein Dackel aus Weimar, soll mit Menschen kommuniziert haben, indem er ein spezielles Bellen für jeden Buchstaben benutzt habe. Ein Jagdhund namens Don konnte angeblich die menschliche Stimme nachahmen und sagen: "Hunger! Kuchen haben!" Ein anderer Hund soll auf die Frage "Wer ist Adolf Hitler?" mit "Mein Führer" geantwortet haben. Airedale-Terrier Rolf soll sich mit seinem Frauchen Paula Moekel unterhalten haben, indem er mit seinen Pfoten eine Art Morse-Alphabet auf eine Papptafel geklopft habe. Rolf soll auf diese Weise Gedichte verfasst haben, er beschäftigte sich auch mit Fragen der Religion, der Politik und der Philosophie.

Solche Begabungen wollte die Tiertrainerin Margarete Schmidt fördern. Sie hatte ihr Institut nach Asra benannt, einer intellektuell besonders begnadeten Bismarckdogge. Zu den Fächern, die Asras Mitschüler lernten, gehörten laut einem Prospekt der Schule, "dass die Tiere nicht nur addieren, subtrahieren, multiplizieren, dividieren, sondern auch die Uhrzeiten wissen." Max Müller, Veterinärmediziner an der Universität München und glühender Anhänger der Nazis, glaubte an die Sprachförderung für Hunde und bescheinigte der Asra-Schule ein hohes wissenschaftliches Niveau.

Dennoch zweifeln Fachleute heutzutage daran, dass Gespräche oder gar Gedankenübertragung mit Hunden möglich sind. Manche gut trainierte Kandidaten wie der Border-Collie Rico, der bei "Wetten, dass. . .?" vor einigen Jahren die Zuschauer verblüffte, bringen es tatsächlich auf 250 Wörter, aber sprechen können sie nicht. "Ich habe mal versucht, mit den Neufundländern eines Freundes zu kommunizieren", erzählt Jan Bondeson, "das sind zwar nette Tiere, verstanden haben sie mich aber ganz sicher nicht."