Diskussion in Berlin Homosexualität und Islam - unvereinbar?

Eigentlich wollten Homosexuelle und Muslime in einer Berliner Moschee über Homophobie diskutieren. Nach einem Eklat und Protesten wurde das Treffen verlegt - und zum Ausdruck guten Willens trotz tiefer Gräben.

Von Luisa Seeling

Am Ende wirken alle ein bisschen erleichtert. Das Treffen in Berlin zwischen Muslimen und Homosexuellen, das im Vorfeld für so viel Aufregung gesorgt hat - es hat stattgefunden. Es sind keine Provokateure gekommen, die zwei Security-Kräfte am Einlass des Tagungswerks Jerusalemkirche mussten nicht einschreiten. Die Diskussion über das Verhältnis des Islam zur Homosexualität war freundlich im Ton und vorsichtig in der Sache. Respekt und Akzeptanz, die beiden Worte fallen sehr oft an diesem Abend. Als wollten die Teilnehmer demonstrieren: Seht her, wir sind vielleicht nicht einer Meinung. Aber wir reden.

Dabei war der eher zahmen Veranstaltung ein handfester Eklat vorausgegangen. Am Anfang stand eine Idee des Vereins Leadership Berlin. Im Rahmen des Projekts "meet2respekt" besuchen Imame und Rabbiner Schulklassen mit mehrheitlich muslimischen Schülern; Pfarrer und Imame besuchen christliche Schüler; Schwule und Lesben treffen auf Muslime, um über Homophobie und Islamophobie zu sprechen.

Letzteres sollte diesmal in der Şehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln geschehen, einer der größten Moscheen der Hauptstadt. Ein Rundgang mit anschließendem Gespräch war geplant, an der Organisation beteiligten sich auch der Lesben- und Schwulenverband und der Völklinger Kreis, ein Verband schwuler Führungskräfte. Keine große Sache, eigentlich. Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin, sagt: "Wir wollten das alles gar nicht so hoch hängen." Es wäre nicht der erste Besuch von Lesben und Schwulen in der Moschee gewesen. Der Vorsitzende des Moschee-Vereins, Ender Çetin, hatte keine Einwände. Er pflegt eine Kultur der offenen Tür. Für "meet2respekt" war er schon mehrmals an Schulen im Einsatz.

"Unvorhergesehene Eigendynamik"

Doch dann rollte eine Welle der Empörung heran, Heider spricht von einer "unvorhergesehenen Eigendynamik". Die Anmeldungen für den Termin schossen in die Höhe. Zugleich griffen türkische Medien das geplante Treffen auf. Wie viele Moscheen in Deutschland wird auch die Şehitlik-Moschee von DITIB betrieben, dem deutschen Ableger der türkischen Religionsbehörde. Türkische Zeitungen warfen DITIB vor, Moscheen für "anormale" Homosexuelle zu öffnen und einen Skandal zu provozieren. Im Şehitlik-Gemeindevorstand wurde diskutiert, nach drei Tagen stand fest: Das Treffen wird nicht in der Moschee stattfinden. Nun berichteten deutsche Medien kritisch über die Absage. Ender Çetin saß plötzlich zwischen allen Stühlen.

Nun sitzt der studierte Theologe gemeinsam mit seiner Frau Pınar Çetin, einer Politologin, auf dem Podium. Neben ihm: Barbara John, die dem Beirat der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vorsitzt; Daniel Worat, Vorstand im Völklinger Kreis; Sabine Werth, Gründerin der Berliner Tafel und, wie sie später erzählt, gläubig und lesbisch; Bernhard Heider von Leadership; und Winfriede Schreiber, ehemals Chefin des Brandenburger Verfassungsschutzes, als Moderatorin. Wer hingegen nicht auf dem Podium sitzt: weitere Theologen der DITIB, wie ursprünglich geplant.

Dafür ist Dilek Kolat da, Berlins Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, sie sagt über das geplante Moschee-Treffen: "Ja, ich bin tatsächlich traurig, dass es zu dem Besuch in dieser Form nicht gekommen ist. Aber ich bin auch froh, dass es nicht zum Bruch gekommen ist." Der Wille zum Dialog sei stärker gewesen. Sie wolle sich dafür einzusetzen, dass er fortgeführt wird.