Flüchtlinge Kindergarten stellt Syrer nach Elternprotesten nicht ein

  • Ein Kindergarten in der Nähe von Lüneburg teilt in einem Aushang mit, einen Syrer "aufgrund der nachvollziehbaren Sorge einiger Eltern" nicht zu beschäftigen.
  • Die Kita-Leiterin habe damit auf zum Teil heftige Vorbehalte von Eltern reagiert, heißt es.
  • Kirche und Diakonie in Niedersachsen reagieren empört und distanzieren sich von dem Schreiben.
  • Die Anstellung sei jedoch allein am Fehlen eines polizeilichen Führungszeugnisses gescheitert.

"Die Kita-Leitung hat eigenmächtig und unüberlegt gehandelt"

Der Umgang einer evangelischen Kindertagesstätte im niedersächsischen Bleckede mit einem syrischen Flüchtling sorgt für Kopfschütteln und Empörung. Die Kita-Leiterin hatte in einem Aushang mitgeteilt, dass es "aufgrund der nachvollziehbaren Sorge einiger Eltern, einen männlichen Syrer bei uns zu beschäftigen", nun doch keine Anstellung des Mannes geben werde. Die Echtheit des Aushangs ist nach Informationen der Deutschen Welle inzwischen bestätigt.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, die Diakonie in Niedersachsen und der Kirchenkreis Bleckede distanzierten sich deutlich von dem Schreiben. "Die sehr unglückliche Formulierung könnte unterstellen, es bestehe bei männlichen Zufluchtsuchenden generell Anlass zu Sorge vor Übergriffigkeiten", heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Dies sei nicht die Haltung der Kirche. "Die Kita-Leitung hat mit dem Aushang eigenmächtig, unüberlegt und ohne Absprache gehandelt. Sie hat die Folgen ihres Handelns nicht überblickt."

Gescheitert sei die Anstellung am Fehlen eines polizeilichen Führungszeugnisses

Die Kindertagesstätte hatte den Angaben zufolge überlegt, den Flüchtling aus Syrien befristet als Hilfskraft anzustellen. Dabei hätte die Betreuung der Kinder in den Gruppen nicht zu seinen Aufgaben gehört. Die Anstellung sei allerdings allein daran gescheitert, dass der Mann ein polizeiliches Führungszeugnis gebraucht hätte. Dieses könne er aber wegen seines Flüchtlingsstatus nicht bekommen.

Die Initiative dazu, den jungen Mann als Ein-Euro-Hilfskraft anzustellen, sei ursprünglich von der Kita-Leiterin selbst ausgegangen, sagte der Superintendent der Landeskirche Hannover, Christian Cordes. Nach den Angaben von Kirche und Diakonie reagierte sie dann jedoch auf zum Teil heftige Vorbehalte von Eltern. "Offensichtlich hatte die Kita-Leitung das Gefühl, auf eine aufkommende Stimmung der Eltern entschärfend reagieren zu müssen."

Ein Foto des auf den 26. Januar datierten Aushanges sorgte in den sozialen Netzwerken für empörte Kommentare und zog schnell Kreise. "Es gibt eine Reihe von Nachfragen aufgrund der Veröffentlichung", sagte der Sprecher der Landeskirche, Benjamin Simon-Hinkelmann, dem Nachrichtendienst epd.

Die Leiterin der Kindertagesstätte selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.