Von Astrid Bischof

Einst verlor Klaus Störtebeker bei seiner Hinrichtung den Kopf, jetzt ist der Schädel wieder weg: Er wurde aus dem Hamburgmuseum gestohlen.

Er ist der einzige bekannte deutsche Pirat. Berühmt ist er heute vor allem wegen einer spektakulären, bluttriefenden Grusellegende: Dem Piratenführer Klaus Störtebeker soll vom Hamburger Bürgermeister vor der Hinrichtung zugesagt worden sein, dass alle Männer seiner Meute überleben dürften, an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbeigehen konnte. An elf Männern soll der Geköpfte dann vorbeigelaufen sein, bevor ihm der Henker ein Bein stellte. Nach dem Sturz des Piraten soll der Bürgermeister allerdings sein Versprechen gebrochen haben, so dass dann doch alle Seeräuber nach ihrem Führer geköpft wurden.

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Der Schädel, der dem Piraten-Führer Klaus Störtebeker zugeschrieben wird und bisher im Hamburgmuseum ausgestellt wurde, ist verschwunden. (© Foto: dpa)

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Nun ist der Schädel des legendären Seeräubers Klaus Störtebeker gestohlen worden. Lange Jahre war er im Museum für Hamburgische Geschichte zu sehen, jetzt ist er weg. "Wir sind alle sehr bestürzt über den Diebstahl", schreibt Museumsdirektorin Lisa Kosok auf der Homepage des Hamburgmuseums. "Der legendäre und geheimnisvolle Schädel aus dem 15. Jahrhundert ist eine Reliquie der Hamburger Geschichte, eine der Hauptattraktionen unseres Hauses." Sie ruft die Hamburger Bevölkerung zur Mithilfe auf.

Kosok glaubt, dass der Kopf leicht von anderen Köpfen zu unterscheiden ist: Er sieht nicht weiß, sondern bräunlich aus. Außerdem weist er ein Nagel-Loch in der Schädeldecke auf. "Wir werden einen Fahndungsaufruf nach dem Kopf starten", sagt Museumdirektorin Lisa Kosok. Es sei denkbar, dass es sich um einen "bösen Scherz" handle wie dass die Tat auf das Konto eines besonders von dem Piraten begeisterten Sammlers gehe, sagte Kosok. "Es gibt viele Möglichkeiten. Es gibt viele Spuren, denen man nachgehen muss."

Der Nagel stammt davon, dass der Kopf des Freibeuters nach dessen Hinrichtung am 20. Oktober 1400 zur Abschreckung an einen Pfahl in der Einfahrt des damaligen Hafens auf dem Grasbrook genagelt wurde. Störtebeker war zusammen mit etwa 30 seiner Männer geköpft worden. Darum ist nicht erwiesen, dass es sich tatsächlich um den Kopf des Piratenanführers handelt.

Wie das Ausstellungsstück aus dem Museum entwendet wurde, gibt den Angestellten Rätsel auf. "Es gab keinen Einbruch in das Haus", sagt eine Sprecherin des Hamburgmuseums. "Der Schädel war nicht videoüberwacht, war aber in einer Vitrine, die man nicht ohne Weiteres öffnen kann." Der Störtebeker-Kopf sei nicht versichert gewesen. Das Museum hat jetzt eine Belohnung von bis zu mehreren Tausend Euro für die Wiederbeschaffung des Totenschädels ausgesetzt.

"Trotz der Ungewissheit über die tatsächliche Identität des Schädels gehört er zu den ältesten Objekten im Museum für Hamburgische Geschichte und stellt einen unschätzbaren Wert dar", erläutert der Archäologe und Mittelalter-Experte Ralf Wiechmann auf der Museumshomepage. In Europa gebe es nur noch sehr wenige Exponate dieser Art. 2004 scheiterte endgültig der Versuch, DNA-Material aus den Knochen zu gewinnen und für einen Abgleich mit potenziellen Nachfahren zu verwenden. "Dieser Weg war leider eine Sackgasse, so dass das Mysterium um den Kopf noch ungelöst ist", sagte Wiechmann.

Der 600 Jahre alte Schädel wurde 1878 beim Bau der Speicherstadt auf dem Grasbrook entdeckt. Seitdem gehört der archäologisch wertvolle Knochenfund zur Sammlung Hamburgischer Altertümer. Seit 1922 wird er im Hamburgmuseum am Holstenwall präsentiert, neben einer im Jahr 2004 angefertigten Rekonstruktion des Gesichtes. Diese wird im Museum weiterhin gezeigt. Zwischen 8000 und 13.000 Besucher wollen im Monat Störtebekkers Schädel sehen.

Das Museum hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Der Diebstahl wurde bereits am 9. Januar festgestellt. Aus ermittlungstaktischen Gründen kann jedoch erst jetzt die Öffentlichkeit informiert werden.

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(sueddeutsche.de/dpa/abis/fvk)