Diebe graben Tunnel in Berliner Bank "Das geht so in Richtung des klassischen Bergbaus"

Ringt sogar Fachleuten Respekt ab: der Tunnelbau der Berliner Bankräuber.

(Foto: dpa)

Die Idee hatten sie wohl aus einem Film: Unbekannte drangen in den Tresorraum einer Bank ein - mithilfe eines selbst gegrabenen 30 Meter langen Tunnels. Tunnelbauer Helmut Maak erklärt im Interview, warum die Arbeit der Berliner Bankräuber Respekt verdient.

Von Martin Zips

SZ: Herr Maak, haben Sie schon Fotos vom Tunnel der Berliner Bankräuber gesehen? Da waren doch Fachleute am Werk, oder?

Maak: Entschuldigen Sie, aber ich komme gerade vom Schneeschippen. In der Oberpfalz hat es geschneit.

Aha. Sie gelten als Vater des längsten deutschen Tunnelbauwerks, des mehr als zehn Kilometer langen Landrückentunnels. Haben Sie schon mal erwogen, sich in Ihrer Freizeit selber in den Tresorraum einer Bank zu graben?

Nein, das habe ich nicht. Aber was die Bankräuber da in Berlin geschaffen haben, das verdient schon Respekt. Das geht so in Richtung des klassischen Bergbaus, wenn man keine Großgeräte für den Vortrieb einsetzt oder einsetzen kann. Gut, in Berlin gibt es Sandboden - da könnte man sich bei kleinen Querschnitten kurzzeitig sogar darauf verlassen, dass das Gewölbe auch ohne Abstützung hält. Die gewählte Abstützkonstruktion allerdings verleiht dem Projekt zusätzliche Sicherheit.

Klingt recht technisch. Ist der Bau eines kurzen Tunnels eigentlich leichter als der Bau eines langen Tunnels?

Nur, was die Logistik des Aushubs angeht und die Versorgung der unterirdischen Baustelle mit Baustoffen, Arbeitsgerät und Frischluft.

Ach so.

Ansonsten ist nicht die Tunnellänge das Ausschlaggebende, sondern die Tragfähigkeit des Gebirges, wie wir den Boden nennen. Dass das in Berlin funktionieren kann, haben schon die zahlreichen Fluchttunnel gezeigt, die hier während der DDR-Zeit erfolgreich gegraben wurden.

Und in Köln? Da ist das anders, oder? In Köln wackelt doch sofort der Dom.

Das hat auch damit zu tun, wer hinter einem Bauprojekt steht. Oft sind für die Vergabe von Aufträgen Manager verantwortlich, die überhaupt keine Ahnung von der Herstellung eines Bauwerks haben. Man sollte aber zumindest wissen: Der billigste Anbieter ist nicht immer der beste.

Logisch. Wie wurden Sie Tunnelbauer?

Eigentlich hatte ich vor, Elektrotechnik zu studieren. Man sagte mir aber, dass das Leben als Bauingenieur noch reizvoller sei. Die Auseinandersetzung mit den Kräften der Natur macht mir noch heute Spaß, zum Beispiel beim Schneeschippen. In Sachen Tunnelbau habe ich am meisten von den Österreichern gelernt.

Nicht von den Schweizern?

Die Schweizer übertreiben manchmal ein wenig. Die machen mehr, als man müsste.

Die Berliner Bankräuber haben sogar eine Betonmauer durchbohrt. Ist es denn möglich, dass da wirklich niemand den Lärm vernommen hat?

Schall geht nur schwer durch gewachsenen Boden und es gibt für kleine Querschnitte auch vibrationsarme Bohrgeräte.

Bitte?

Sicher haben die Räuber tagsüber und extrem leise gearbeitet. Fachleute eben, vielleicht aus dem Osten. Die hätten ihr Geld auch im Tunnelbau verdienen können.