Die Staatsanwaltschaft ermittelt - und das bedeutet, dass es zumindest Anhaltspunkte für menschliches Fehlverhalten gibt. Es bestehen kaum Zweifel, dass das Graben eines neuen U-Bahn-Tunnels die Katastrophe ausgelöst hat.
Am Tag nach dem Einsturz des Stadtarchivs in der Kölner Südstadt geht es längst um die Schuldfrage. Wer trägt die Verantwortung für diese Tragödie? "Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Baustellenbereich ursächlich für den Einsturz ist", gibt Stadtdirektor Guido Kahlen ebenso geschraubt wie unumwunden zu.
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Geröllmassen müssen aus der Kölner Innenstadt entfernt werden. (© Foto: AP)
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Der Bau der Nord-Süd-Bahn durch die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die auf gut vier Kilometer Länge durch den Kölner Untergrund getrieben wurde, ist schon lange umstritten. Direkt vor dem eingestürzten Häuserblock hatte die KVB eine sogenannte Gleiswechselkonstruktion vorgesehen: Ein 28 Meter tiefer Schacht war gegraben worden, der so breit ist, dass der Wechsel zwischen den beiden Tunnelröhren möglich wird. In dieses kellerartige Gebäude, eingeschalt durch eine rund ein Meter dicke, eisenbewehrte Betonschicht, waren große Mengen Wasser und Erdmassen eingedrungen, die dem Stadtarchiv im Wortsinne den Boden entzog.
Die Erde unter dem Stadtarchiv rutschte in die Baugrube, das Haus verlor sein Fundament und stürzte vornüber auf die Straße, teilweise in die Grube hinein. "Wir wissen relativ verlässlich, was passiert ist", sagte KVB-Vorstandssprecher Jürgen Fenske, "aber wir können Ihnen noch nicht sagen, warum es passiert ist."
Die Schuldfrage beschäftigt inzwischen auch die Kölner Staatsanwaltschaft. "Wir haben ein Strafermittlungsverfahren wegen Baugefährdung und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet", erklärte Oberstaatsanwalt Günther Feld am Mittwoch. Diese Delikte können mit Freiheitsstrafen von bis zu drei respektive fünf Jahren geahndet werden. Die Ermittlungen richten sich laut Feld derzeit "noch gegen Unbekannt". Von Fahrlässigkeiten wollte am Mittwoch keiner der Verantwortlichen etwas wissen.
Vorwürfe, man habe auf frühere Schäden nicht adäquat reagiert, wiesen Vertreter der Stadt Köln ebenso wie die KVB scharf zurück. Im Rahmen des unterirdischen Schildvortriebs beim U-Bahn-Bau waren zwar bis Mitte 2007 massive Risse an mehreren hundert Gebäuden festgestellt worden, diese hätten aber mit der Katastrophe vom Dienstag nach Aussage der Stadt nichts zu tun. "Das Unglück hat keine Ursachen, die im Gebäude begründet sind, sondern im Untergrund", sagte Kulturdezernent Georg Quander. Nach Aussage von Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff wäre am Dienstag auch ein kompletter, noch unversehrter Neubau eingestürzt.
Eberhard Illner, der ehemalige Abteilungsleiter des Historischen Stadtarchivs, hat hingegen schwere Vorwürfe erhoben. Die Warnungen der Hauseigentümer, so Illner, seien "grob fahrlässig" ignoriert worden. "Da muss ein Ingenieur richtig einen an der Klatsche haben, wenn man solche Hinweise nicht ernst nimmt." Kölner Verkehrs Betriebe wie Stadt dagegen argumentieren, dass die eingesetzten, unabhängigen Gutachter mehrfach zu dem Ergebnis gekommen seien, dass die Setzrisse an den Gebäuden, die durch die Erdbewegungen entstanden seien, "statistisch nicht relevant" seien.
Seinerzeit sei vereinbart worden, "das Schadensbild unter Beobachtung zu halten". Noch im Dezember 2008 sei ein Statiker nach einer Begehung des Stadtarchivs in einem Gutachten zu dem Ergebnis gekommen, "dass keine Gefahr für das Gebäude besteht". Wörtlich heißt es in dessen Gutachten: "Die entstandenen Risse sind unbedenklich. Das Gebäude ist im jetzigen Zustand in statischer Hinsicht ausreichend standsicher. Sicherungsmaßnahmen müssen nicht getroffen werden."
Unabhängig davon stellt allerdings niemand in Abrede, dass die Baumaßnahmen in unmittelbarer Nähe zum Unglücksort das Abrutschen der Erde erst möglich gemacht hat. Auch ein ähnlich fatales Ereignis entlang der Strecke wollte keiner der Beteiligten vollends ausschließen. Es gäbe zwar "kein Indiz dafür, dass anderswo eine Bedrohung besteht", sagte KVB-Vorstandssprecher Jürgen Fenske.
Allerdings gestand Diplom-Ingenieur Ulrich Mann vom projektbegleitenden Ingenieurbüro Zorn, dass es "bei allen technischen Bauwerken ein gewisses Risiko gibt, das nicht komplett ausgeschlossen werden kann". Allerdings habe man im vorliegenden Fall durch Gutachten, Expertisen und fortwährende Untersuchungen "alles Erdenkliche getan, damit solch eine Katastrophe nicht passieren kann", so Fenske. Nun allerdings werde man "alles noch sieben, acht oder neun Mal prüfen", um weitere Schäden zu verhindern.
Einen Baustopp des umstrittenen Milliarden-Projekts, das eigentlich im Jahr 2010 fertiggestellt sein sollte, lehnte Fenske ab. Man habe intern sehr intensiv darüber diskutiert, so Fenske, "aber wir halten das für eher kontraproduktiv". Der KVB-Projektleiter Rolf Papst nannte einen Baustopp gar "unverantwortlich". Das Einbringen von Beton im Bereich des Heumarkts würde die Sicherheit nurmehr verstärken.
Viele Fürsprecher für seine Meinung hat er im Moment nicht. An der Sicherheit zweifelt offenbar auch Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma. Der CDU-Politiker, der am Mittwochmorgen aus seinem vorzeitig abgebrochenen Österreich-Urlaub an den Unglücksort geeilt war, berichtete von grundsätzlichen Zweifeln derartiger Großprojekte. "Wir müssen in Zukunft noch stärker darauf achten, ob so ein Bau möglich ist." Er forderte "eine lückenlose Aufklärung" der Vorkommnisse. Er habe allerdings in der Vergangenheit von Seiten der KVB keine Nachrichten auf eine mögliche Gefährdung bekommen. "Wenn es Hinweise gegeben hätte, hätte ich informiert werden müssen", sagt Oberbürgermeister Schramma. "Das ist nicht geschehen. Daraus schließe ich, dass es zuvor keine bedrohliche Situation gegeben hat."
Soll das Kölner Drama vom Dienstag also unvermeidbar gewesen sein? War es etwa höhere Gewalt? "Man kann niemals alles ausschließen", sagt der KVB-Projektleiter Rolf Papst, "so wie sie auch nicht ausschließen können, dass sie beim Autofahren einen Unfall bauen."
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(SZ vom 5.3.2009/vw)
Trotz Kälte genug Strom
Was sind da eigentlich für böden unter, bzw. bei dem u-bahnbau???
Kann das nicht eigentlich sein, dass durch den Rhein und vorherige Flussbetten viel unterschiedliche böden da sind??? zb. stellen mit sehr viel sand, der dann schneller "rieselt"/nachgibt bei lücken in der wand als zb. festgestampfte tonerde???
mal so eine laienfrage, was einem halt so einfällt....
Weil, falls da alte flussbetten liegen, die zu instabilität neigen, dann ist es ja wirklich SEHR wild, dass die bodenproben nicht in einem dichteren netz gemacht wurden...
würde mich sehr über eine antwort freuen!
besten dank.
der senf.
Die Kölner Behörden ließen es an Vorkehrungsmaßnahmen, eben an vorbereitenden Stützen für das Erdfundament vermissen.
Juristen und Ökonomen hatten in Köln das Sagen und nicht Bauaufsichtsexperten und andere Tef- und Hochbausachexperten.
Köln hat in seiner Finanzkrise und Korruption auf diese Experten verzichtet.
Und vor allem auf ihre Vorschläge, den Untergrund zuerst zu stützen, bevor der Stollen bzw. Tunnel vorangetrieben wird.
Köln steht synonym für die gesamte BRD.
Inzwischen steuern selbst Rechtsanwaltschaften (dahinter ihr Klientel) aus dem In- und Ausland ganze Bundesministerien. Der Staat ist völlig marodiert.
cc.
Juristen und Ökonomen hatten in Köln das Sagen und nicht Bauaufsichtsexperten und andere Bausachexperten.
Köln hat in seiner Finanzkrise und Korruption auf die Experten verzichtet.
Und vor allem auf ihre Vorschläge, die Untergrund zuerst zu stützen, bevor der Stollen bzw. Tunnel vorangetrieben wird.
Köln ist synonym für die gesamte BRD.
Inzwischen steuern Rechtsanwaltschaften (dahinter ihr Klientel) aus dem In- und Ausland ganze Bundesministerien.
cc.
In Amsterdam ist beim Bau eines Bahnhofs der Noord-Zuid-Lijn gleich zwei mal innerhalb weniger Wochen Wasser eingebrochen und hat dafür gesorgt, dass anliegende Häuser absackten und evakuiert werden mussten. Nach dem ersten Zwischenfall wurde offenbar nicht ernsthaft genug nach den Ursachen gesucht.
Dito in Den Haag, wo der Tramtunnel nach Wassereinbruch und entsprechenden Sackungen auch mit Jahren Verspätung fertig wurde.
Glücklicherweise kamen dort keine Menschen zu Schaden.
In beiden Fällen kristallisiert sich aber heraus, dass die Bauaufsicht mangelhaft war. Das ist wohl zum einen extremen Kostendruck (an private auslagern was geht, am besten auch noch die Kontrollinstanzen), zum anderen zu ehrgeizigen Zeitplänen und wohl nicht zuletzt politischer Opportunität geschuldet.
Mal sehen was in Köln rauskommt. Falls es strukturelle Probleme bei Auftragsvergabe und Überwachung gewesen sein sollte, werden wir das eh nicht erfahren. Die Medien interessieren sich ja eh immer nur so lange, wie es spektakulär ist. Oder haben wir jemals gehört, was beim Truderinger Loch rauskam?
zu hören war, hat die Kölner Feuerwehr mitgeteilt, dass im Anschnitt zwischen Sohle und Wand ein Loch entstanden ist, welches das Eindringen großer Wasser- und Schlamm-mengen ermöglicht hat, Das deutet auf ein Versagen der Stahlbetonkonstruktion an der Einspannstelle der Wand im Bereich der Arbeitsfuge hin. Bei 28 m Tiefe des Tunnels kann man von einem Grundwasserstand über der Sohle von ca 20 bis 25 m ausgehen. Allein der Wasserdruck in diesem Bereich beträgt somit zwischen 20 und 25 to / qm . Dazu kommt noch der Erdruck von ca 10 to/qm. Es lasten also ca 30 bis 35 to /qm auf der Konstruktion. Das nur zum Verständnis, welche Kräfte in solch einer Konstruktion beherrscht werden müssen. Da ist eine Wanddicke von 1m nicht überdimensioniert. Erstaunlich finde ich, dass dieser Kollaps der Wand ohne Vorankündigung, also ohne frühzeitig erkennbare Risse und Wasserschäden geschehen sein soll. Als Fazit, entweder ein Berechnungs- bzw. Bewehrungsfehler der Planer oder unkorrekte Ausbildung der Anschlüsse zwischen Sohle und Wand durch die Baufirma. Beides gleich schlimm.
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