Von Peter Burghardt

Rund um Buenos Aires lodern 300 Feuer - Bauern haben sie gelegt, um nicht umpflügen zu müssen. Nun verschwindet die argentinische Hauptstadt unter einer ätzenden Dunstglocke.

Es ist schon einige Jahrhunderte her, dass ein Ort am Rio de la Plata den schönen Namen Buenos Aires bekam. Gute Lüfte, der Wind am Fluss stand damals günstig. Unterdessen wird auch Argentiniens Hauptstadt von Autos und Dieselbussen verpestet, doch das ist derzeit unerheblich.

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Dunstglocke über Buenos Aires. (© Foto: AFP)

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Vielmehr verschwindet das Paris Südamerikas bereits zum zweiten Mal binnen zweier Wochen unter einer ätzenden Dunstglocke, die Brandstifter in der Provinz geschaffen haben. Der Qualm von 70.000 Hektar brennenden Feldern verschleiert den Himmel, Fernstraßen, Häfen und Flughafen wurden gesperrt.

Die Metropole wird ausgeräuchert, dabei ist seit einiger Zeit das Rauchen von Zigaretten streng reglementiert. Der Gestank abgefackelter Büsche kriecht in Augen, Lungen und Klamotten. Angesichts von Atembeschwerden und brummenden Köpfen werden viele der 13 Millionen Einwohner des Großraums zunehmend unruhig.

Ausgerechnet im wasserreichen Flussdelta des Paraná nördlich von Buenos Aires brennt eine Fläche von der Größe Hamburgs. Manche Funktionäre gaben am Freitag zu, dass die fast 300 Feuer teilweise außer Kontrolle geraten seien. Die graubraune Fahne reicht bis nach Uruguay, Satellitenbilder sehen dramatisch aus.

Vor ihrer vorübergehenden Schließung wurden manche Routen mangels Sicht noch gefährlicher als sonst, bei Verkehrsunfällen starben sieben Menschen. Die ungewöhnliche Trockenheit im sonnigen südamerikanischen Frühherbst und eine unvorteilhafte Windrichtung verstärken das Desaster, das Wetter ist allerdings nicht schuld daran.

Die Regierung beschuldigt Großbauern, mit denen sie ohnehin seit Monaten im Clinch liegt. Es sei unverantwortlich, dass "einige Leute einfach Land anzünden, um es nicht umpflügen zu müssen", schimpft Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner. "Wir haben es mit einer von Menschen gemachten Katastrophe zu tun", assistiert Innenminister Lorentio Randazzo.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen vorsätzlicher Umweltzerstörung und Gesundheitsschädigung. Auf den abgefackelten Ländereien soll offenbar Soja angebaut werden, Argentiniens Exportschlager. Großgrundbesitzer und das Kabinett streiten seit Monaten um Exportbeschränkungen und Sojaexzesse. Gleichzeitig scheinen die Behörden unfähig zu sein, die Brände zu bändigen. Die angekündigten Löschflugzeuge wurden lange nicht gesehen, die Politik hofft auf himmlische Hilfe. Man brauche 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und andere Winde, berichten Experten.

Malos Aires, kann man da nur sagen. Schlechte Lüfte.

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(SZ vom 19.04.2008/grc)