Diätguru Dukan droht Entzug der Approbation Der Arzt, dem die Frauen ihre Figur anvertrauen

Die Kilos sollen schwinden und das möglichst schnell? Carole Middleton, Mutter von Kate und Pippa, schwört wie andere Promis bei akutem Abspeckbedarf auf die "Dukan-Diät". Doch das rigide Abnehmprogramm eines französischen Arztes ist höchst umstritten. Nun droht dem Namensgeber sogar der Verlust der Approbation - weil er vorgeschlagen hat, schlanke Schüler im Zeugnis zu belohnen.

Von Johanna Bruckner

Wenn Mutter und Tochter den Sloane Square in London entlangschlendern, vorbei an den Flagshipstores der Edeldesigner, soll mancher Carole Middleton schon mit ihrer jüngeren Tochter verwechselt haben. Und Pippa Middleton wurde von der britischen Boulevardpresse immerhin zur "Royal Hotness" ernannt.

In akuten Fällen, wenn zum Beispiel die ältere Tochter Kate den nächsten Thronfolger Großbritanniens ehelicht, schwört die jugendlich wirkende Mittfünfzigerin auf die sogenannte Dukan-Diät, benannt nach dem französischen Mediziner Pierre Dukan. Mit dessen Vier-Stufen-Plan hat die Mutter der Braut vor der Royal Wedding nach eigener Aussage schon mal in vier Tagen vier Pfund (knapp zwei Kilo) abgenommen. Auch ihre Töchter und andere weibliche Stars wie Jennifer Lopez und Gisele Bündchen sollen sich schon dem rigiden Ernährungsplan des Franzosen unterworfen haben.

Doch die Dukan-Diät ist höchst umstritten - und dem Namensgeber droht im eigenen Land nun sogar der Entzug der Approbation. Ärzteverbände werfen dem Mediziner unverantwortliches Handeln und Profitgier vor.

Dünn zum schulischen Erfolg

Die Ärzte machen gegen ihren Kollegen geltend, er habe sich in der Vergangenheit in fahrlässiger Art und Weise in der Öffentlichkeit geäußert. In seinem jüngsten, Anfang Januar erschienenen Büchlein Lettre ouverte au futur président de la République (Offener Brief an den zukünftigen Präsidenten der Republik) schlägt der 70-Jährige unter anderem vor, Schüler mit Zusatzpunkten im Abitur zu belohnen, die es schaffen, einen Body-Mass-Index (BMI) zwischen 18 und 25 zu halten. Der BMI setzt das Körpergewicht in Relation zur Körpergröße; wer sich im von Dukan vorgeschlagenen Intervall bewegt, gilt als normalgewichtig. Der Index ist jedoch nicht umstritten, weil er beim Gewicht die individuelle Zusammensetzung von Fett- und Muskelmasse eines Menschen unberücksichtigt lässt.

Frankreichs Jugendschützer zeigten sich empört über Dukans Ansinnen: Sie befürchten, sein Plan könne Mädchen und Jungen mit einer Essstörung weiter in die Sucht treiben und gesunde Jugendliche zu gefährlichen Abnehmkuren animieren. Der Ernährungsmediziner hält dagegen, für dünne Schüler ändere sich nichts, während übergewichtige einen Anreiz fürs Abspecken bekämen.

Experten haben Dukans radikale Rosskur schon früher als höchst bedenklich eingestuft. In der sogenannten "Angriffsphase" seiner Diät dürfen nur magere Eiweiß- und fettarme Molkereiprodukte gegessen werden. Ihre Mutter ernähre sich ausschließlich von Krabben und Hüttenkäse, soll Pippa Middleton einmal den Speiseplan ihrer Mutter beschrieben haben. In der "Aufbauphase" ist auch Gemüse erlaubt, allerdings nur solche Sorten, die keine Stärke enthalten. Stärkehaltige Lebensmittel und Obst sind erst wieder in den beiden finalen Phasen vorgesehen.

Dieses Konzept mag zwar den schnellen Abnehmerfolg bringen, doch dass ein rapider Gewichtsverlust à la Carole Middleton meist nicht langfristig ist, dürfte inzwischen gemeinhin bekannt sein. Dazu enthält die Dukan-Diät dem Körper lebenswichtige Nährstoffe vor, langfristig soll sie sogar zu einem erhöhten Krebsrisiko führen und Herzerkrankungen Vorschub leisten. Zu diesem Ergebnis kam 2010 die angesehene französische Lebensmittelagentur Anses. Die British Dietetic Association wählte die Dukan-Diät 2011 auf Platz eins der schlimmsten Promi-Abspeckprogramme.

Trotzdem sind die Ratgeber und Rezeptbücher des Franzosen äußerst erfolgreich. Und der selbsternannte Ernährungsexperte strebt nach Höherem. Sein jüngstes Buch will nichts weniger sein als ein nationaler Ernährungsplan. Ein solcher tut dem Autor zufolge Not: Zwar gehören die Franzosen immer noch zu den schlanksten Europäern, doch Studien haben gezeigt, dass auch in der Grande Nation Übergewicht und Fettleibigkeit zunehmend zum Problem werden. Dukan betont gerne, er habe "weder Geld noch Publicity nötig". Will heißen: Er engagiert sich, weil er sich sorgt. "Ich bin in erster Linie Arzt", sagt er.

Doch Kritiker des Mediziners zweifeln an seiner Uneigennützigkeit. So gibt es auch sein jüngstes Machwerk nicht umsonst: Das nur wenige Seiten starke Diät-Manifest schlägt mit vier Euro zu Buche. Dukan sei mehr Geschäftsmann als Arzt, lautet ein weiterer Vorwurf, den die französischen Ärzteverbände nun vorbringen. Vier Millionen Mal hat sich Die Dukan Diät allein dort verkauft, dazu kommen 30.000 Onlineabonnenten des Programms, wie Le Parisien schreibt. Und in Supermärkten und Apotheken sind etwa 50 Dukan-konforme Diätprodukte und -Präparate erhältlich.

Ein Disziplinarausschuss wird nun darüber entscheiden, ob Dukan seine Zulassung behalten darf. Ihr Mandant müsse sich vor dem Gremium erklären, bestätigte die Anwältin des umstrittenen Mediziners dem Blatt. Eine Vorladung bedeute aber noch keine Verurteilung. Und selbst wenn Dukan seine Approbation verlieren sollte: Seine Programm und seine Produkte werden sich wohl weiter verkaufen, nicht zuletzt an die Familie Middleton.