DHL-Erpresser DHL-Erpresser meldet sich zurück

Der Paketdienstleister DHL wird seit Monaten um einen Millionenbetrag in Bitcoins erpresst.

(Foto: dpa)

Vor sechs Wochen wurde bekannt, dass der Paketdienstleister DHL erpresst wird. Der Täter ist noch nicht gefasst, dafür aber neuer Umschlag aufgetaucht. Wieso dauert es so lange, den Fall zu lösen?

Von Kerstin Lottritz

Ein Umschlag, in dem sich Drähte und Schwarzpulver befanden. Mehr Fakten über die erneute verdächtige Postsendung, die am Freitag in einer Bankfiliale in Berlin-Steglitz eingegangen ist, gibt die Polizei nicht bekannt. Aber, so betonen die Ermittler, sie seien sich sicher, dass der Absender wieder der DHL-Erpresser sei, der seit November schon zwei Paketbomben verschickt hatte. "Wir gehen von einem Sachzusammenhang aus", sagt Mario Heinemann, Sprecher der Brandenburger Polizei, die die Ermittlungen führt. Er bestätigt, dass die Kombination aus Drähten und Schwarzpulver durchaus Menschen hätte verletzten können.

Am Freitag hatte ein Post-Briefträgter eine Versandtasche in einer Berliner Bankfiliale abgegeben. Ein Bankmitarbeiter war beim Öffnen des Umschlags misstrauisch geworden, als er Drähte darin erblickte und alarmierte daraufhin die Polizei. Anfang Dezember hatte ein DHL-Bote in einer Apotheke in Potsdam eine Paket mit einer darin enthaltenen Bombe abgegeben. In der Sendung hatten die Ermittler einen mit einem QR-Code verschlüsselten Erpresserbrief gefunden. So wurde bekannt, dass der Paketdienstleister DHL um eine Millionensumme in der Digitalwährung Bitcoin erpresst wird. Zuvor war Anfang November eine Paketbombe an ein Geschäft in Frankfurt an der Oder geschickt worden.

Um die Ermittlungen war es in den vergangenen Wochen ruhig geworden. Nun hat sich der Erpresser mit der dritten Sendung zurückgemeldet. Die Polizei betont den Zusammenhang, doch wie ähnlich sich die drei Fälle tatsächlich sind, das lässt der Polizeisprecher unbeantwortet. Auch will Heinemann nicht verraten, ob sich in dem neuesten Umschlag wieder ein QR-Code befand, der zu einem Erpresserschreiben geführt hatte.

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Nach dem Fund der Paketbombe in Potsdam waren Experten noch davon ausgegangen, dass der Täter schnell gefasst wird. Frank Roselieb, geschäftsführender Direktor des Instituts für Krisenforschung in Kiel, hatte damals der Süddeutschen Zeitung gesagt, dass er keine ausgebufften Profis hinter der Tat vermutet. Die würden einer Bombe nämlich kein Schreiben beilegen, das sich zurückverfolgen ließe.

Die Ermittler sehen das anders. "Erpressungslagen sind immer Langzeitlagen", sagt Polizeisprecher Heinemann. Das sei auch im Sinne der Täter, die immer einen komplizierten Weg suchen würden, um nicht entdeckt zu werden. Zusätzlich erschwere es die Ermittlungen, wenn Informationen an die Öffentlichkeit gelängen. "Je mehr Infos herausgegeben werden, desto schwieriger wird es, den Täter zu finden."

Auch der Paketdienstleister DHL äußert sich nur verhalten zum Fall. "Wir arbeiten eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen und unterstützen sie, wo wir können. Aber wir können und möchten das nicht kommentieren", sagte eine DHL Sprecherin angesprochen auf den Fund in Berlin.

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Derzeit untersuchen Experten des Brandenburger Landeskriminalamts den am Freitag gefundenen Umschlag. Mit einem Ergebnis der Auswertung wird nicht vor Anfang der kommenden Woche gerechnet. Die Ermittler erneuerten ihre Warnung an die Bevölkerung, die Polizei zu alarmieren, wenn man ein verdächtiges Paket erhalten würde.