Deutscher Bus verunglückt "Blutende Verletzte rannten umher"

Sekundenschlaf oder eine Unfallkette - warum ein deutscher Bus bei Wien verunglückte, bleibt unklar. Den Rettungskräften bot sich ein verheerendes Bild.

Sechs Tote, mehr als 30 Verletzte. Das ist Bilanz eines schweren Busunglücks in der Nähe von Wien. Es ist der schlimmste Busunfall auf Österreichs Straßen seit fast zehn Jahren.

"Das ganze Gepäck ist durcheinandergeflogen,wir finden kaum Papiere", sagte ein Einsatzleiter am Unfallort in Niederösterreich.

(Foto: Foto: AP)

Den Rettungskräften bot sich bei ihrem Eintreffen am Unfallort in der Nacht zu Montag ein Bild des Schreckens. "Verletzte (...) rannten auf der Autobahn blutüberströmt umher", hieß es in einem Bericht der Freiwilligen Feuerwehr in Mödling, aus dem die österreichische Nachrichtenagentur APA zitierte. "Andere Menschen lagen aufgrund von deren schweren Verletzungen auf der Fahrbahn."

Der Reisebus mit Münchner Kennzeichen war gegen Mitternacht auf der Autobahn A 21 bei Heiligenkreuz offenbar mit einem Lastwagen und einem Sattelschlepper zusammengestoßen.

Was genau zu dem schrecklichen Auffahrunfall führte, ist noch unklar. Über einen eingeschlafenen Busfahrer wird genauso spekuliert wie über einen vorangegangenen Unfall der beiden Lastwagen, in den der Bus dann hineinraste.

Schwierige Identifizierung

Die Ermittlungen dazu könnten noch Tage dauern, sagte Konrath. Berichte über eine eisglatte Fahrbahn wurden dementiert. Die Straße sei staubtrocken gewesen, sagte ein Sprecher des Autobahnbetreibers.

In dem deutschen Überlandlinienbus, der vom Kosovo nach München unterwegs war, saßen ersten Erkenntnissen zufolge 42 Personen. Der Busfahrer und fünf Menschen aus den ersten Reihen starben. Der rumänische Fahrer des ersten Lastwagens verletzte sich nur leicht, der slowakische LKW-Fahrer und sein Beifahrer schweben nach Polizeiangaben in Lebensgefahr. Insgesamt erlitten 37 Menschen Verletzungen, 20 davon schwere.

Die Identifizierung der Toten und Verletzten gestaltete sich schwierig. "Das ganze Gepäck ist durcheinandergeflogen, wir finden kaum Papiere", sagte der stellvertretende Leiter der Landesverkehrsabteilung Niederösterreich, Willy Konrath.

Opfer lebten in Deutschland

Die Opfer kamen nach Vermutung der Polizei überwiegend aus dem Kosovo. "Hinweise auf deutsche Staatsbürger haben wir derzeit nicht", sagte der stellvertretende Leiter der Landesverkehrsabteilung Niederösterreich, Willy Konrath. Die meisten Buspassagiere wohnten aber nach ersten Zeugenaussagen in der Bundesrepublik. Für Angehörige der Opfer gibt es eine Telefonhotline.

Ein Großaufgebot von Rettungskräften war bei dem schlimmsten Busunfall Österreichs seit Jahren im Einsatz. Ein Kriseninterventionsteam hatte die psychologische Betreuung der überlebenden Passagiere übernommen. Die Verletzten wurden in mehrere Krankenhäuser gebracht. Die Autobahn blieb noch bis zum Vormittag gesperrt.

Nach Informationen der österreichischen Nachrichtenagentur APA ist der Unfall das schlimmste Busunglück im Alpenland seit fast zehn Jahren. Ein ähnliches Ausmaß hatte zuletzt ein Crash im Mai 2001 in Tirol; damals war ein Bus mit Ausflüglern auf die Gegenfahrbahn geraten. Acht Menschen starben an den Unfallfolgen, 53 wurden verletzt.

Im Video: Bei einem Unfall eines deutschen Reisebusses und zwei Lkw in der Nähe von Wien sind den Rettungskräften zufolge sechs Menschen getötet worden.

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