Detonation Selbstmordattentat in Istanbul: Auswärtiges Amt dementiert Berichte über verletzte Deutsche

  • Auf der beliebten Istiklal-Straße in Istanbul sind bei einer Explosion mehrere Menschen gestorben und weitere verletzt worden.
  • Türkischen Medien zufolge handelt es sich um einen Selbstmordanschlag. Fünf Verdächtige wurden festgenommen.
  • Das Auswärtige Amt rät Deutschen, ihre Hotels nicht zu verlassen.

Bei einem Selbstmordanschlag in der wichtigsten Einkaufsstraße Istanbuls sind am Samstag Dutzende Menschen verletzt und vier Menschen getötet worden. Unter den Toten war auch der Attentäter selbst. Er soll sich vor einem Gebäude der Bezirksregierung in der Nähe des großen Demirören Shoppingcenters in die Luft gesprengt haben. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Türkische Sicherheitskräfte haben fünf Verdächtige festgenommen.

Unter den Verletzten sollen auch zwölf ausländische Staatsbürger sein. Der Sender CNN Türk berichtete zunächst auch von einer verletzten Person aus Deutschland. Das Auswärtige Amt in Berlin hat das aber inzwischen dementiert. Die US-Regierung bestätigte am Abend, dass zwei US-Bürger getötet wurden. Türkische Medien berichteten dagegen, bei den Todesopfern handele es sich um drei Israelis und einen Iraner.

Die türkische Polizei hat die Istiklal-Straße nach dem Attentat weitgehend abgesperrt. Mehrere Krankenwagen sind vor Ort.

(Foto: REUTERS)

Regierung macht die PKK verantwortlich

Ein Regierungsmitarbeiter machte die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK oder Verbündete dieser Organisation für den Anschlag verantwortlich. Demnach soll der Attentäter eigentlich ein anderes Ziel gehabt haben, sei dann in Panik geraten und habe die Bombe schon früher gezündet. Nach SZ-Informationen durchsuchte die Polizei die Nachbarschaft nach dem Anschlag nach weiteren Attentätern.

Die Istiklal-Straße ("Unabhängigkeitsstraße") ist eine der bekanntesten und am meisten frequentierten Straßen Istanbuls. Sie befindet sich im Stadtteil Beyoğlu und führt vom Tünel-Platz über den Galatasaray-Platz zum Taksim-Platz. Sie ist etwa 1,4 Kilometer lang und seit Beginn der 1990er Jahre eine Fußgängerzone. Tagsüber gehen dort viele Menschen einkaufen, nachts ist die Straße eines der Zentren des Istanbuler Nachtlebens.

Es herrscht ein Gefühl "absoluter Verwundbarkeit"

Die angespannte Sicherheitslage hat in den vergangenen Tagen in Istanbul dazu geführt, dass viele Menschen aus Angst vor weiteren Anschlägen zu Hause bleiben, berichtet SZ-Korrespondent Mike Szymanski. Viele meiden größere Menschenansammlungen.

Auch der amerikanische Journalist Noah Blaser sagt, die ansonsten belebte Einkaufsstraße sei bei einem Besuch am Freitagabend ungewöhnlich ruhig gewesen. "Viele der nahegelegenen Bars waren leer", so Blaser, der seit mehreren Jahren in Istanbul lebt. Trotzdem habe es in den letzten Tagen nicht auffällig viele Sicherheitsvorkehrungen an der Istiklal-Straße und dem nahegelegen Taksim-Platz gegeben: "Ein paar Polizisten in Zivil, die leicht als solche erkennbar waren. Mehr nicht."

Im Moment herrsche bei vielen Menschen ein Gefühl "absoluter Verwundbarkeit" vor, sagt Blaser. Der letzte Anschlag vor einer Woche fand im Zentrum Ankaras statt, erst im Februar war ein Militärkonvoi im Regierungsviertel angegriffen worden. "Viele denken jetzt: Wenn es dort passieren kann, kann es überall passieren."

Facebook und Twitter funktionieren nur noch sehr langsam

Das Gefühl der Unsicherheit werde zusätzlich dadurch verstärkt, dass ausländische Vertretungen zuletzt besser über die Sicherheitslage informiert zu sein schienen als die türkische Regierung selbst. Sowohl die deutsche als auch die amerikanische Botschaft hatten Sicherheitswarnungen über konkrete Anschlagspläne herausgegeben, die türkische Regierung hatte diese als "nicht verifizierte Wahrnehmungen" zurückgewiesen, die die türkische Öffentlichkeit "negativ beeinflussen".

Auswärtiges Amt ruft zur Vorsicht auf

Das Auswärtige Amt hat die Bundesbürger am Wochenende zu Achtsamkeit in Istanbul aufgerufen. Das Außenministerium rät auch jetzt deutschen Touristen in der türkischen Metropole, zunächst in ihren Hotels zu bleiben. Dort sollten sie sich über die Medien und die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts informiert halten, teilte das Ministerium mit. Anweisungen der türkischen Sicherheitskräfte sei unbedingt Folge zu leisten.

Seit dem Sommer vergangenen Jahres tobt in der Türkei wieder der Krieg gegen die Terroristen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Südosten des Landes. Im Dezember 2015 hatte das Militär eine Großoffensive gestartet und eine Kurdenhochburg nach der anderen in den Würgegriff genommen.

Zuletzt hatte es in der Türkei mehrere Anschläge gegeben. Vergangenen Sonntag waren bei einem Autobombenanschlag in Ankara 37 Menschen getötet worden, zu dem sich eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK bekannte, die Organisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK). Die TAK ging 2004 aus der PKK hervor und verübte Anschläge in mehreren Städten. Die Gruppe hatte sich schon im Februar zu einem Anschlag auf einen Militärkonvoi in Ankara bekannt. Im Januar hatte in Istanbul ein Selbstmordattentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen. Die Tat wurde der dschihadistischen Miliz Islamischer Staat (IS) zugerechnet, die auch immer wieder Anschläge in der Türkei verübt.