Kevins Stiefvater ist verurteilt, aber das genauso wichtige Verfahren gegen zwei Sozialarbeiter stockt.
Der Kevin-Prozess ist zu Ende. Der erste Prozess. Kevin aus Bremen erlitt in den wenigen Monaten seines Lebens 24 Knochenbrüche. Wie viele davon ihm sein Stiefvater Bernd K. zufügte, in welchem Zustand sich der Mann dabei befand, ob er es tatsächlich bedauert, was er getan hat - das alles rückt nun wieder in den Hintergrund. Die Schwurgerichtskammer II am Bremer Landgericht hat ihr Urteil gesprochen, zehn Jahre Haft für Bernd K.
Der Ziehvater von Kevin, Bernd K., erwartet im Schwurgerichtssaal des Landgerichts in Bremen seinen Urteilspruch. (© Foto: dpa)
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Die persönliche Tragödie einer gescheiterten Stiefvater-Sohn-Beziehung ist strafrechtlich eingeordnet worden. Doch der Fall Kevin ist damit längst nicht abgeschlossen. Die Verurteilung von Bernd K. ändert nichts an dem Grundproblem, das diesen Fall ins Bewusstsein des ganzen Landes gerückt hatte: Wieso durfte Bernd K. überhaupt so lange die Verantwortung für ein Kind tragen, wenn er schon seinem eigenen Leben nicht gewachsen war? Welche Lehren verlangt Kevins Tod?
Die Staatsanwaltschaft hat die Anklagen gegen den Vormund von Kevin und gegen den Sachbearbeiter des Jugendamts bereits fertig. Fahrlässige Tötung durch Unterlassen lautet der Vorwurf, aber wann der Prozess gegen die beiden Sozialarbeiter beginnt, ist noch offen. Offiziell heißt es, das Gericht habe die Verhandlung gegen Bernd K. abwarten wollen. Inoffiziell aber erfährt man: Die drei Schwurgerichtskammern in Bremen sind derart überlastet, dass sie diesen Prozess, den man "Kevin II" nennen könnte, einfach nicht unterbringen. Haftsachen gehen vor. Möglich wäre die Einrichtung einer Hilfsstrafkammer, was aber Geld kostet.
Es sollte dies wert sein. Die Schuld der Verantwortlichen und die Dimension des Behördenversagens müssen aus vielerlei Gründen geklärt werden. Dabei geht es am wenigsten darum, Beamte an den Pranger zu stellen oder gar die gesamte Sozialarbeit im Kinder- und Jugendschutz als unfähig zu brandmarken. Aber es ist in den Amtsstuben nicht zuletzt durch das Versagen bei Kevin eine große Unsicherheit entstanden.
Zeit seines Lebens hatte Kevin eine Akte beim Jugendamt, unzählige Male war er als Problemkind eingestuft worden war, Ärzte, Familienhelfer und Polizei machten besorgt Meldung, und der Leiter eines Kinderheims schaltete sogar den Bürgermeister ein, damit Kevin nicht eine Nummer unter vielen blieb. Das Amt aber schickte das Kind immer wieder in seine kaputte Familie zurück.
Bei den Kinderschutztagen, die vergangenes Wochenende in Kevins Stadt, in Bremen, stattgefunden haben, hat der Bundesvorsitzende des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, darauf hingewiesen, wie verunsichert die Ämter durch den Fall Kevin seien. Die Kosten für die "Fremdunterbringung", wie die Herausnahme eines Kindes aus der Familie genannt wird, seien explodiert. Aus Angst, strafrechtlich belangt werden zu können, würden Sachbearbeiter nun Eltern zu früh ihr Kind wegnehmen, das aber, sagte Hilgers, sei "genauso Gewalt gegen Kinder, wie wenn man es zu spät tut".
Ein Prozess, der die bereits in einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss festgestellte unglaubliche Fehlerkette in Bremen auch noch einmal juristisch beweisen würde, könnte ein Signal sein für die Jugendämter in der Republik: Wenn jeder Einzelne seine Verantwortung wahrnimmt, kann so etwas kaum passieren. Wenn aber alle die Verantwortung auf dem Dienstweg weiterschieben, ist kein Kind sicher. Mit einem Restrisiko leben zu müssen, weil Situationen immer im Verborgenen eskalieren können, ist schlimm genug. Ein von Behörden quasi organisiertes Grundrisiko ist unerträglich. "Kevin II" kann der Öffentlichkeit klarmachen, wie es wirklich in deutschen Jugendämtern zugeht.
Das Versagen der Gesellschaft beim Schutz dieses Jungen lässt sich nur halbwegs wiedergutmachen, wenn es sich nicht aus den gleichen Gründen wiederholen kann.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(SZ vom 06.06.2008)
Kanzlerin Merkel und die Macht
Ist schon klar, worauf Ihre Agitation hinausläuft: auf noch mehr Privatisierung, mit Ihnen als Partizipator. Sie verstecken da wirklich ganz schlecht Ihre wahren Beweggründe, die in Richtung "Wo kann finanziell noch so abgesahnt werden?". - Ich weiß nicht, wie das in der Schweiz oder in Österreich ist - wo immer Sie sich gerade als Bürger fühlen mögen, nach den Amstettener Vorfällen fällt letzteres ja flach für Sie, mit ihm ist kein Staat zu machen - in Deutschland jedenfalls sieht es so aus, dass mitnichten alle Beschäftigten verbeamtet sind; die Mitarbeiter in den Jugendämtern sind es nur zu einem verschwindend geringen Anteil. Zudem sind die Sozialarbeiter/Sozialpädagogen die am schlechtesten bezahlten Hochschulabsolventen im Land. Was das u.a. heißt? - Nun, sie müssen schon von daher ein überdurchschnittl. hohes Maß an Engagement und Liebe zum Beruf und zu den Menschen mitbringen, um ihn überhaupt aushalten zu können . All das habe ich Ihnen schon diverse Male versucht deutlich zu machen, Sie aber reiten weiter auf der Schiene "Die faulen Beamten in den Jugendämtern". Wundert nicht, denn da lässt es sich besser auf der Verunglimpfungsklaviatur spielen. - Ihr Zack-Zack-Marsch-Ton mag angebract sein auf dem Kansernenhof, für eine Qualifikation im Umgang mit Menschen aber spricht er eine beret schlimme Sprache.
Die Güte in der Gesamtheit der Wortbedeutung eines Systems, eines managements erkennt
man an seinen Reaktionsinstrumenten, -mustern. Das Niveau, auf dem sich das Qualitätsmanagement in
puncto der verpflichteten Behörde JA regelmässig, reflexhaft abspielt, spottet jeder Beschreibung.
Jeder noch so kleine Waschmaschinenverkäufer wird darauf
instruiert, kunden-orientiert zu reagieren im Falle einer Reklamation. Die Einsichtslosigkeit, das
Unvermögen schon nur auf der Ebene einer auffangenden Kommunikation zu agieren, hat bereits einem
Oberbürgermeister (Schwerin) einen erheblichen Karriereknick Rauswurf, Abwahl eingetragen. Um einfach
auch für die schlichteren Gemüter in der Sprache des Marketings zu bleiben: wer sich nicht auf
Marktanforderungen, veränderte Portfolio einzustellen vermag, der geht unter. Das System JA überlebte
die längste Zeit, da Gesellschaften in der Regel nicht hinsehen möchten, man quasi die elende Seite
der Medaille nicht anschauen mag interessanterweise geht es ja den armen Alten in Heimen nicht
Viel besser, wobei man dort eben von Vernachlässigungs-Toten wenig bis nichts hört. Hier muss sich
In der Tat auch die Gesellschaft manch unbequeme Frage vorlegen, wobei die Sensibilisierung wächst.
Wäre nur ein Funken Niveau in dieser Art Behörden, so müsste doch die ersteMenschenpflicht sein,
der Sache wegen, selbstkritisch und anteilnehmend Fehler einzugestehen und mit Hochdruck an
der Behebung, Prävention zu arbeiten? Nein, weit gefehlt: in der dummdreisten Überheblichkeit, die
aus jeder Zeile des Herrn CaseManagers i.S. Kevin spricht, erhält man die Antwort. Kritikunfähig
jetzt erst recht, wie ich denke, wer ist denn der, das er mir etwas zu sagen hätte, ich lasse mich doch
Von der nicht verhören . . Die Schlussfolgerung aus der Dew Diligence kann nur sein: schliessen der existenten Behörden, Entlassung
Des Personals bzw. Überführen in untere Chargen, Einsetzung professionellen Managements und
klare Neuausrichtung. Ganz unaufgeregt und ganz stringent. Das wird geschehen. Zeit, ja Zeit:
die dem Tode ausgelieferten Kinder, deren Weg zum Tod durch die Hölle führt, haben keine.
"Es handelt sich hier nicht um gehäuftes Auftreten von Einzelfällen, sondern um systematisches Unrecht."
Diese Auffassung wird von zahlreichen Fachleuten geteilt, so z.B. von Prof. Dr. Heinrich Kupffer und Prof. Dr. Wolfgang Klenner. Prof. Dr. Siegfried Willutzki, Präsident des Deutschen Familiengerichtstages, reimte gar frei nach Heinrich Heine: "Denk' ich ans Jugendamt in der Nacht, so bin ich um 1den Schlaf gebracht." (Zeitschrift für Jugendrecht 1994, 202)
"Wenn die Diskussion ins Persönliche rutscht, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass alle Argumente ausgetauscht sind. "
Johann Wolfgang von Goethe
Wenn die Diskussion ins Persönliche rutscht, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass alle Argumente ausgetauscht sind.
Ich hoffe, die Süddeutsche wird uns über den weiteren Verlauf des Gerichtsprozesses zeitnah auf dem Laufenden halten.
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