Von Christian Wernicke

Es ist die schlimmste Bluttat auf einem Campus in der US-Geschichte: An der Technischen Hochschule von Virginia dringt der Täter erst ins Wohnheim ein, dann in ein Vorlesungsgebäude - zurück bleiben mindestens 33 Tote und die Angst.

Schüsse erschallen, und drei, vier dunkle Gestalten hetzen über die Straße. Die Polizisten strecken beide Arme aus und gehen, während ihre Hände die Pistolen fest umklammern, in die Hocke.

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Hinter zwei Büschen und einer mächtigen Eiche suchen sie Schutz, als es plötzlich wieder knallt: knack - knack, knack. Wie gelähmt verharren die Männer in den schwarzen Uniformen, wo immer sie gerade Stellung bezogen haben in diesem Häuserkampf.

Ihre Waffen zielen auf den Eingang von Norris Hall, dem Vorlesungsgebäude, aber sie feuern nicht. Wie auch, auf wen? Die Beamten wissen ja nicht, wer sich hinter der braunen Flügeltür verbirgt. Aber sie ahnen: Jeder Knall kann bedeuten, dass drinnen, hinter den dicken Sandsteinmauern des Lehrgebäudes, ein weiterer Student stirbt. Dass ein unbekannter Amokläufer seine Waffe auf noch eine Geisel richtet und abdrückt.

Es ist viertel nach neun Uhr morgens in Blacksburg, dem beschaulichen Universitätsstädtchen am Fuße der Appalachen, und es herrscht Krieg.

Erst Stunden später, am frühen Nachmittag, riskieren die Behörden eine erste Bilanz: Mindestens 33 Menschen hat ein noch unbekannter Täter auf dem Gelände der Universität hingerichtet, etwa ebenso viele Studenten und Professoren wurden in umliegende Krankenhäuser eingeliefert.

Wie viele von ihnen mit dem Tode ringen, ist nicht bekannt. Genau so, wie die Identität des Mörders oder sein Motiv zunächst im Dunkeln bleiben.

Schreie aus dem Schlafraum

Zwei Stunden ist es her, dass auf dem Campus der Virginia Tech, der Technischen Universität des US-Bundesstaates, die ersten Schüsse fielen, und Jamal Albarghouti wirft sich auf den Boden. Denn da hat es gerade wieder geknackt, ein Schuss aus einem Fenster von Norris Hall zielte offenbar auf die Polizisten, die der Student und angehende Bauingenieur gerade eben mit der Videokamera seines Handys eingefangen hat.

Die Kamera wackelt, für einen kurzen Moment sind der graue Himmel und die dunklen Wolken zu sehen. Die Bäume wiegen sich im Wind. Dann herrscht Stille. Totenstille.

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