In Dänemark wird trotz Verbots in vielen Lokalen weitergequalmt. Die Regierung ließ den Kneipen-Wirten bei dem Anti-Raucher-Gesetz auch großzügig viele Schlupflöcher.
Das Jernbanecafé in der Kopenhagener Innenstadt ist fast schon legendär. Die gemütliche Bar gegenüber dem Tivoli gilt unter Kennern wie Touristen als Inbegriff dänischer Kneipenkultur. Auch, oder gerade weil man dort noch ungestört qualmen darf - trotz des umfassenden Rauchverbots, das seit Mitte August in Dänemark in Kraft ist.
Renitente Raucher in Dänemark. (© Foto: ddp)
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Regelrecht durchgerungen haben sich die dänischen Politiker zu dieser Restriktion. Denn die Dänen mögen keine Verbote, den großen Nachbarn Schweden mit seinem Sinn für Reglementierungen jedweder Art belächeln sie gerne als "Verbotsland". Dessen sind sich die Volksvertreter bewusst und schufen ein Anti-Raucher-Gesetz voller Schlupflöcher. Das größte ist 40 Quadratmeter groß und besagt, dass in Kneipen, in denen kein Essen serviert wird und die kleiner sind als eben jene 40 Quadratmeter, auch künftig weitergeraucht werden darf. Und das Angebot erfreut sich großer Beliebtheit.
"Ein kühles Bier und eine Zigarette: Das ist dänische Kultur", sagt Agnete Bjørlig, Betreiberin des Jernbanecafés, "das kann man nicht verbieten." Dieser Ansicht ist man offenbar auch in Dänemarks Regierung, wo man die großzügige Ausnahme als Kompromiss zwischen den Parteien verstanden wissen will.
"Wir wollen den vielen Bars im Land keinesfalls schaden", sagt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Man werde das Anti-Raucher-Gesetz in drei Jahren prüfen und dann entscheiden, ob es Änderungen brauche. Bis es so weit ist, setzen Barbesitzer und Kneipenwirte im ganzen Land den Zollstock an und schauen, ob sie durch das Schlupfloch passen. Manche scheitern knapp.
So wie Hanne Levisen, die mit ihrer Kneipe nur wenig über der magischen Grenze liegt. "Also habe ich ein paar Tische rausgenommen und Kleiderhaken an der Wand befestigt. Ich nenne den Bereich jetzt Garderobe", sagt sie. Kontrolleure aus dem Gesundheitsministerium wollten derartigen Einfallsreichtum bislang nicht beanstanden.
Gut 35 Prozent aller Dänen rauchen, damit liegt das Land der Europäischen Kommission zufolge in Europa auf Platz fünf. Nur Griechen, Österreicher, Letten und Polen qualmen mehr. Die dänischen Wirte können sich einer breiten Front von Unterstützern gewiss sein. Allen voran Johnny Beck. Schon im Herbst vergangenen Jahres sammelte der Pächter einer Bar in der Stadt Vejle 60.000 Unterschriften, mit denen er das Rauchverbot verhindern wollte. Sympathie erntete er von höchster Stelle. Von Königin Margrethe, bekannt als passionierte Kettenraucherin, heißt es, sie habe die Aktion mit Wohlwollen beobachtet.
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(SZ vom 21.8.2007)
Bundespräsident Gauck in Israel
...sind die Dänen eben aus diesem Grund das zufriedenste Völkchen Europas, weil sie sich nicht zu einem "Verbotsland" machen lassen (wollen)!
Wer sich ein wenig in Nordeuropa auskennt, wird bestätigen, dass die beschriebene Haltung der Dänen typisch dänisch und, im Vergleich, eben doch die von Revoluzzern ist. Verglichen mit Schweden wird es deutlich. Die Schweden haben sich mit Freuden gefügt, denn dort gilt es nicht nur als selbstverständlich, sondern geradezu als chic, sich der Mehrheit anzupassen.
Und in Schweden, Finnland oder Norwegen hätte es solche Schlupflöcher wie in Dänemark auch niemals gegeben. Insofern ist schon die Durchsetzung dieses Rauchverbotes ein schelmischer Akt der Politiker. Eine Alibi-Maßnahme zur Beruhigung der EU- und Gesundheitsapostel.
Ein sehr gelungener Artikel.
Der Artikel ist etwas irreführend. Zunächst meint der Leser, die Dänen widersetzten sich in großem Stil dem Rauchverbot. Dann jedoch wird klar, viele Lokale nutzen - teilweise mit gewissem Einfallsreichtum - lediglich die ihnen vom Gesetzgeber gebotenen Schlupflöcher, ohne sich eindeutig ungesetzlich zu verhalten. Daran ist doch nun wirklich nichts auszusetzen und es wird bei uns nicht anders sein, wenn das Rauchverbot in all seinen Varianten in Kraft tritt. Also nix Überraschendes, über das man unbedingt berichten müsste.
Interessant ist allenfalls die europäische Rangliste der Raucher.