Dänemark: Aus für Christiana Heimatlose Hippies

Aus für die Kopenhagener Hippiekolonie Christiania: Ein dänisches Gericht hat den 900 Bewohnern der autonomen Siedlung das Bleiberecht abgesprochen.

Nach mehr als 30 Jahren soll die autonome Siedlung Christiana in Kopenhagen endgültig aufgelöst werden. Ein dänisches Gericht verwehrte den rund 900 Bewohnern am Dienstag das Bleiberecht in den besetzten Häusern eines ehemaligen Marinestützpunkts. Die Klage der Autonomen gegen Regierungspläne für einen Abriss der Gebäude wurde damit abgewiesen.

Man habe mit dieser Entscheidung gerechnet, erklärte Christiana-Sprecher Thomas Ertman anschließend. Er stellte ein Berufungsverfahren vor dem Obersten Gerichtshof Dänemarks in Aussicht. Peter Christensen, Führungsmitglied der rechtsliberalen Regierungspartei Venstre begrüßte das Urteil indessen: "Niemand in Dänemark steht über dem Gesetz, auch nicht die Bewohner von Christiana."

Die Geschichte des quasi autonomen Bezirks begann 1971, als Hippies den verlassenen Marinestützpunkt aus dem 18. Jahrhundert besetzten und zur "Freistadt" mit eigenen Gesetzen erklärten. 2004 gingen die Behörden gegen den mehr oder weniger offenen Drogenhandel in der sogenannten Freistadt Christiania vor und kündigten den Abriss der Häuser an.

Dagegen zogen die Bewohner 2006 vor Gericht. Sie beanspruchten ein Gewohnheitsrecht auf das von ihnen genutzte Land. In den folgenden Jahren kam es im Zusammenhang mit der geplanten Räumung wiederholt zu Protestkundgebungen und Straßenschlachten mit der Polizei. Eine gewaltsame Räumung der Hippiekolonie in der Haupstadt wurde von Politikern bislang vermieden - aus Angst vor Ausschreitungen, aber auch weil Christiania mittlerweile als Touristenattraktion gilt.